Waiblingen

Ein Jahr Haft für versuchten Einbruch

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Mit einer rostigen Schere versuchten zwei Männer, ein Wohnzimmerfenster aufzuhebeln. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Für viele ein Albtraum: Man wird nachts wach, hört Geräusche – und überrascht Einbrecher an der eigenen Wohnung. Genau das ist einer Waiblingerin passiert. Die Täter ergriffen die Flucht, konnten aber von der Polizei geschnappt werden. Jetzt wurden die beiden Männer vor dem Waiblinger Amtsgericht zu Haftstrafen verurteilt.

Was die Waiblinger Wohnungsbesitzerin vor Gericht schildert, klingt wie ein Albtraum. Eines Nachts im Juni dieses Jahres, sie habe nicht einschlafen können, sei sie aufgestanden, habe eine Tablette genommen und sich wieder hingelegt. „Als ich gerade am Einschlafen war, bin ich hochgeschreckt, weil ich ein blechernes Geräusch gehört habe“, berichtet sie.

Sie habe nachgesehen – und zwei Männer entdeckt, die sich am Wohnzimmerfenster zu schaffen machten. Auf frischer Tat ertappt flohen die Einbrecher. Der Lebensgefährte der Frau, der anschließend mit einer Taschenlampe die Umgebung absuchte, konnte niemanden mehr finden. Dennoch gelang es der Polizei, die Einbrecher zu ermitteln und wenige Tage nach der Tat festzunehmen.

Angeklagte geben sich vor Gericht reuig

Die beiden Männer im Alter von 33 und 34 Jahren sitzen seitdem wegen versuchten Einbruchsdiebstahls in Untersuchungshaft. Vor Gericht zeigen die Angeklagten sich reuig. Beide sagen aus, sie seien nach Deutschland gekommen, um hier Arbeit auf dem Bau zu finden. Der Grund: wirtschaftliche Not in ihrem Heimatland Moldawien. Bei dem einen kommen schwerkranke Eltern hinzu, bei dem anderen eine Landwirtschaft, die im Winter nichts abwirft.

Kennengelernt, so die Aussage der beiden Männer, hätten sie sich erst auf der Busfahrt nach Stuttgart. Die Idee, in eine Wohnung einzubrechen, sei spontan entstanden, quasi aus der Not geboren. Ein Bekannter des Jüngeren hatte beiden Jobs auf einer Baustelle besorgen wollen. Dies ging schief, ihnen sei das Geld ausgegangen. „Ich wollte nur Geld haben für die Rückfahrt“, lässt einer der Angeklagten über einen Dolmetscher mitteilen. Ihr einziger Wunsch, das betonen beide Männer mehrmals, einer von ihnen gar unter Tränen, sei es, bald wieder bei ihren Familien zu sein.

„Taten wie diese nehmen hier in Waiblingen überhand“

Bis es so weit ist, wird es aber noch ein wenig dauern. Denn trotz leerer Vorstrafenregister und der Beteuerungen der Angeklagten, so etwas werde nie wieder vorkommen, entspricht der Richter am Ende der Forderung der Staatsanwältin und verurteilt die beiden Männer zu jeweils einem Jahr Freiheitsstrafe. Die Strafe kann aus Sicht des Richters wegen der ungünstigen Sozialprognose nicht auf Bewährung ausgesetzt werden.

Außerdem bestehe Fluchtgefahr. „Taten wie diese nehmen hier in Waiblingen überhand“, begründet er seine Entscheidung weiter. Zudem bezweifle er den spontanen Charakter der Tat: Die durch ein Gebüsch von der Straße abgeschirmte Wohnung sei schon sehr bewusst ausgewählt worden. Es sei daher wichtig, eine Strafe mit abschreckender Wirkung zu verhängen.

Prävention betreibt inzwischen auch die Wohnungsbesitzerin: Sie hat ihre Fenster mit einer Alarmanlage ausgestattet. Auch die Wohnungseigentümergemeinschaft, zu der die Wohnung gehört, plane nun zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, wie beispielsweise Bewegungsmelder.


Abschiebung

Nach Verbüßen der Hälfte ihrer Haftstrafe können die beiden Männer abgeschoben werden. Geregelt ist dies in § 456a StPO. Bei nochmaliger Einreise würden sie erneut verhaftet und müssten ihre Strafe komplett absitzen.