Waiblingen

Ein leidenschaftlicher Nils Schmid

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Nils Schmid bei: ZVW im Gespräch © Benjamin Büttner
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Nils Schmid bei: ZVW im Gespräch © Benjamin Büttner
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Nils Schmid bei: ZVW im Gespräch © Benjamin Büttner
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Nils Schmid bei: ZVW im Gespräch © Benjamin Büttner
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Nils Schmid bei: ZVW im Gespräch © Benjamin Büttner
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Nils Schmid bei: ZVW im Gespräch © Benjamin Büttner
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nilsschmid Waiblingen Zeitungshaus, Casino. Nils Schmid bei Zeitung im Gespräch mit Frank Nipkau Foto: Buettner © ZVW
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nilsschmid Waiblingen Zeitungshaus, Casino. Nils Schmid bei Zeitung im Gespräch mit Frank Nipkau Foto: Buettner © ZVW

Waiblingen. Erfrischend angriffslustig gegen die rechten Poltergeister von der AfD, immer wieder richtiggehend leidenschaftlich; und manchmal tatsächlich witzig – wer diesen Nils Schmid am Dienstagabend auf dem ZVW-Podium erlebt hat, fragte sich: Warum nur gilt der Mann vielen als so dröge?

Zwei Attribute nennen Szenebeobachter regelmäßig, wenn das Gespräch auf Nils Schmid kommt. Erstens: fachkompetent. Der Chef, so raunt es halb ehrfürchtig, halb verzweifelt aus dem Landes-Wirtschafts- und Finanzministerium, habe noch beim hinterletzten Haushaltsposten die zweite Stelle hinterm Komma drauf. Zweitens, verraten wir’s frei raus: langweilig. An diesem Waiblinger Abend überrascht er deshalb umso mehr. Er wirkt regelrecht gelöst.

Am knackigsten ist er in Sachen AfD: „Das ist keine stinknormale“, sondern eine „rechtsextreme Partei, das hat Erwin Teufel dankenswerterweise neulich nochmal festgehalten.“ Bei dieser „Pseudo-Alternative“ tummeln sich Leute, die „gnadenlos hetzen“. Schmid verweist (ohne den Namen auszusprechen) auf AfD-Mann Bernd Klingler, der von Flüchtlingen als „Eindringlingen“ sprach, „die unser System aussaugen“ – das „ist schlicht und ergreifend Nazi-Vokabular“. Und da helfe es auch nicht, wenn Landes-Spitzenkandidat Jörg Meuthen bei jeder Gelegenheit halblebig abwiegle, so tue, als sei das alles nicht so gemeint, und erkläre, das sei „nicht seine Formulierung. Auf der einen Seite den netten Professor mimen und auf der anderen Seite die geistigen Brandstifter in den Landtag schicken“ – nicht sehr glaubwürdig. Schmids mit parteiübergreifendem Demokratenschwung vorgetragene Aufforderung: „Anständige Leute wählen! Keine Rassisten. Ende der Durchsage.“ Nicht nur an dieser Stelle erntet er Szenenapplaus.

Man staune: Ausgerechnet der angeblich trockene Schmid offenbart an diesem Abend eine ur-sozialdemokratische Leidenschaft, einen Stolz auf historische Leistungen, ein Bewusstsein dafür, in einer großen Tradition zu stehen, ein Herzblut für die alte Dame SPD, das manchen Genossen in den vergangenen Jahren schon geronnen und gestockt zu sein schien, so mut- und ratlos wirkten sie manchmal. Der Wesenskern dieser Partei, sagt Schmidt, ein klassisches Willy-Brandt-Zitat aufgreifend, ist „ein donnerndes Sowohl-als auch“: eine Politik des Interessenausgleichs, die alle im Auge behält und nicht die einen auf Kosten der anderen bedient. Seit 150 Jahren sei die SPD „die Integrationspartei“, sie stritt „für Arbeiterrechte, für Frauenrechte“, für Chancengleichheit – und genau darum gehe es nun wieder, in der Flüchtlingskrise: für „den Zusammenhalt in der Gesellschaft“ einzutreten. Nachdem Grün-Rot 2011 an die Macht gekommen war, „haben wir die Mittel für bezahlbaren Wohnraum sofort verdoppelt“ – lange vor der Flüchtlingskrise. Die SPD verkämpfte sich für die Mietpreisbremse – lange vor der Flüchtlingskrise. Wieviel Sinn das ergibt, offenbart sich vielen erst jetzt.

Geradezu emphatisch, über alle kleingeistigen Parteizänkereien hinausgischtend, redet Nils Schmid über Deutschland in Zeiten der Flüchtlingszuwanderung: „Wir sind nicht am Rande des Staatsversagens, leiden nicht unter der Herrschaft des Unrechts“, auch wenn die CSU manchmal so tue, als seien wir eine Art „failing state, sowas wie Somalia“ – wir sind „ein Rechtsstaat, der sich gerade in dieser Situation bewährt“, wir sollten uns „nicht schwächer reden, als wir eigentlich sind“, es gibt keinen Grund, „mit eingezogenem Genick“ umherzuschleichen, wir haben „breite Schultern“. Für einen angeblichen Langweiler doch eine fulminante Ruckrede.

Nebenbei lobt er erstaunlich souverän den politischen Gegner, wo’s ihm gebührt: Dass in Stuttgart die Integration von Zugewanderten so gut gelungen ist, lag auch an zwei CDU-Oberbürgermeistern, Rommel und Schuster, die „ganz klar Flagge gezeigt haben“ für ein weltoffenes Miteinander. Der schönste Moment aber ist jener, in dem es Schmid gelingt, Spott elegant mit Selbstironie zu kombinieren – das Anti-Merkel-Genöle in Teilen der Union kommentiert er so: „Die Lust an der Demontage des eigenen Kanzlers kannte ich sonst nur aus der SPD.“
 

Zur Person
Populisten nörgeln bisweilen, die Politiker heutzutage seien alle nur noch Politiker und hätten zuvor nie was Gescheites gelernt oder geschafft. Auf Nils Schmid, 42, den Spitzenkandidaten der SPD für die Landtagswahl, trifft das so nicht zu – zu seinen Stationen gehört neben dem Zivildienst in einem Altenheim berufliche Erfahrung bei dem Energie-Unternehmen „Energiedienst“, außerdem ist er promovierter Jurist und seit 2001 als Rechtsanwalt zugelassen. Wenn er für ein weltoffenes, modernes Land eintritt, redet er auch nicht nur theoretisch daher – Schmids türkischstämmige Ehefrau Tülay brachte einen Sohn mit in die Ehe, außerdem hat das Paar eine gemeinsame Tochter.