Waiblingen

Ein Rommelshausener bei „The Voice of Germany“

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Vincenzos Zimmer ist ein kleines Musikstudio. Gitarrespielen hat er sich selbst beigebracht. © Jamuna Siehler

Kernen-Rommelshausen. Das kleine Zimmer ist voll von Musik: vom E-Klavier über das Mikrofon bis hin zur Gitarre und E-Gitarre. Vincenzo Iuzzolini singt mit einzigartiger Stimme Cover-Songs seiner Lieblingsbands und vergötterten Musiker. Seine Interpretationen stellt er in Videos auf die Onlineplattform YouTube. Jetzt wurde die Castingshow „The Voice of Germany“ auf ihn aufmerksam.

Der junge Italiener aus Rommelshausen bringt mit seiner sympathisch offenen Art jeden zum Lachen. Nach Betreten seines Zimmers, das er auch als Homestudio benutzt, scheinen alle Sorgen von einem abzufallen. Die Welt der Musik wird betreten, die so viel Leichtigkeit und Sorglosigkeit verspricht. Es dauert keine drei Minuten, da spielt Vincenzo Iuzzolini bereits auf seinem E-Klavier „River Flows in You“, ein schweres Stück des südkoreanischen Pianisten Yiruma.

„Vor eigentlich genau einem Jahr habe ich mit YouTube angefangen“, erzählt er, während seine Finger wie von selbst über die Tasten fliegen. „Mein Ziel ist aber nicht, berühmt zu werden. Das hatte ich gar nicht vor. Ich war einfach auf der Suche nach einer Herausforderung. Durch YouTube möchte ich wissen, wo meine musikalischen Fähigkeiten liegen und ob meine Musik für die breite Masse etwas taugt.“ Die kleine YouTube-Karriere hat er nicht etwa aus Karriere- oder Profitgier angestoßen. Er wollte testen, wie er und seine Musik ankommen. Neugierde. „Ich wollte wissen, welche Türen sich mir von selbst öffnen würden“, sagt Vincenzo. „Ich habe mich nirgends angeboten oder mich angepriesen. Darum bin ich auch noch nicht irgendwo aufgetreten. Aber ich hab jetzt mit einem Fan gesprochen, der meine Videos ansieht und sich wünscht, dass ich auf seiner Hochzeit spiele. Das werde ich wohl machen.“

Castingshow "The Voice of Germany" wird aufmerksam

Eine unverhoffte E-Mail sorgte am Dienstag, 22. März, schließlich dafür, dass die geöffneten Türen erstmals größere Ausmaße annahmen. „Ich wurde über die IT-Recherche von The Voice of Germany gefunden. Die haben sich meine Videos ganz genau angesehen und mich per E-Mail eingeladen. Ich werde also am Samstag, 2. April, nach Köln zum Scouting fahren. Das ist die Vorauswahl vor den Blind Auditions“, sagt Vincenzo stolz.

Das Multitalent an verschiedenen Instrumenten bleibt bodenständig und setzt seine Prioritäten. „Ich kann im September eine Ausbildung anfangen. Daher, wenn sich die Show und die Ausbildung überschneiden, wird The Voice of Germany leider abgesagt.“ Bei Castingshows wollte sich der Hobbymusiker nie selbstständig bewerben. Freunde hatten ihn schon häufiger gefragt, ob er vielleicht bei „Deutschland sucht den Superstar“ mitmachen würde. Vincenzo lehnt dieses Format aber kategorisch ab: „Bei DSDS wird doch nur die Hintergrundgeschichte breitgetreten. Ich will meine Lebensgeschichte aber nicht zur Schau stellen, also fiel dieses Castingformat raus. Es wäre ohnehin nur The Voice of Germany als Castingshow infrage gekommen. Aber ich wollte ja einfach nur sehen, wie weit ich komme, ohne viel Eigeninitiative.“

Vincenzo erhofft sich von den Profis bei The Voice of Germany ein fundiertes Feedback, mit dem er arbeiten und sich verbessern kann. „Ich hoffe sehr auf eine konstruktive Kritik und ein wenig Hilfestellung, um die Musikrichtung zu finden, die am besten zu meiner Stimme passt. Aber hauptsächlich möchte ich diese Erfahrung unbedingt mal machen.“

Das Tollste an diesem Abenteuer ist, was auf einen zukommt

Vincenzo Iuzzolini hat sich alles Wissen und auch die Instrumente selbst angeeignet. „Ich hab mir das Klavierspielen selbst beigebracht und auch die Gitarre. Ein wenig Schlagzeug spiele ich außerdem. Und viele Streichinstrumente verstehe ich, kann sie aber nicht spielen. Um YouTube-Videos zu machen, habe ich mir alles angelesen. Ich mache das ganz alleine. Die einzige Unterstützung ist moralischer Art, von meiner Verlobten und meiner Familie“, sagt er.

Nach seinem Realschulabschluss 2010 war er auf der beruflichen Schule und wollte ursprünglich sein Fachabitur machen. Das brach er dann jedoch ab. Die letzten zwei Jahre hat er an den Wochenenden gearbeitet und sich sonst eine Auszeit genommen. Das Geld floss in das Equipment für sein YouTube-Projekt. Auf dem Kanal „Vince Music“ sind hauptsächlich Coversongs zu finden. Aber der charmante Italiener wartet auch mal mit eigenen Kompositionen auf. Er versucht sich bereits als Songwriter. Ein Video von ihm ist als Heiratsantrag an seine Freundin gedacht – ein eigens für sie geschriebenes und komponiertes Lied: „Ich möchte auch versuchen, selbst Musik zu schreiben. Der erste Versuch war ganz gut.“

Dem weiteren Verlauf dieser ungewöhnlichen Nebenbeschäftigung sieht der Italiener gelassen entgegen. Die Freude an der Musik und dem Musikmachen ist ihm am wichtigsten. Das zeigt er auch bei jedem Ton, den er singt, und jedem Akkord, den er seinen Instrumenten entlockt. Witz und Charme kommen ihm bei dem Transport seiner musikalischen Botschaft zugute: Das Leben muss Spaß machen. Menschen sollten einfach nur Spaß haben: „Das Tollste bei diesem Abenteuer ist einfach, was auf einen zukommt. Anstatt selbst Türen einzurennen, jede Möglichkeit auszuschöpfen, um mich und meine Musik anzupreisen, lehne ich mich zurück und schaue, was kommt. Ich lasse es einfach fließen.“

Am Samstag in Köln

Am kommenden Samstag, 2. April, wird Vincenzo nach Köln zum Scouting fahren. SAT.1 und Pro Sieben organisieren dort die Vorauswahl für ihre spätere „Blind Audition“. Wenn ihn die Jury in Köln für einen Fernsehauftritt kürt, hat er seinen ersten TV-Auftritt in der Tasche. Das Scouting am Samstag ist nicht öffentlich. Doch für Vincenzo zählt die Erfahrung, sich mit seiner Musik vor Profis zu präsentieren.