Waiblingen

Ein Zaun für die „längste Toilette im Kreis“

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Ein Zaun soll Auto- und Brummifahrer abhalten, entlang der Sträucher und Büsche ihre Notdurft zu verrichten. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. „von Montag, 24. Juni, bis Samstag, 6. Juli, voll gesperrt. Der Zaun löst zwar das Problem des Landwirts, dessen Ackerrand seit Jahren als Klo missbraucht wird. Nicht aber das Problem der Auto- und Lkw-Fahrer, die irgendwo ihre Notdurft verrichten müssen.

Der Parkplatz ist Tag und Nacht gut frequentiert. Nicht nur von Autofahrern. Lkw-Fahrer aus aller Herren Länder nutzen die Anlage, um Rast zu machen, vorgeschriebene Pausenzeiten einzuhalten; oft auch, um zu übernachten. Vor gut einem Jahr haben wir an dieser Stelle von den unappetitlichen Zuständen auf dem Parkplatz berichtet: „Auf einer Strecke von 80 Metern, verborgen hinter einer Hecke, finden sich beim B-29-Parkplatz vor Beinstein, Fahrtrichtung Schorndorf, untrügliche Spuren menschlicher Bedürfnisse.“

Neben einem fest montierten Vespertisch befindet sich ein vielbegangener Trampelpfad, der nach rechts eine Böschung emporführt. Dort oben verläuft, parallel zur Straße, eine Hecke. „Dieser Streifen Buschwerk ist ein natürlicher Sichtschutz: Er gewährt dem Reisenden, den ein drängendes Entleerungs- und Erleichterungsbegehr plagt, direkt an der Schnelltrasse und in freier Luft eine gewisse Intimität“, schrieben wir weiter.

So weit, so schlecht. Dieser Tage teilte das Landratsamt Rems-Murr mit, dass von Montag an bis Samstag, 6. Juli, der Parkplatz an der B 29 bei Beinstein in Fahrtrichtung Aalen nicht angefahren werden kann. Entlang des Parkplatzes werde ein Zaun errichtet. Kostenpunkt: 30 000 Euro.

„Wildpinkeln“ ist kein Kavaliersdelikt

Auf Nachfrage teilte das Landratsamt mit, dass der Zaun nicht aufgrund unseres Berichts vom April 2018 gebaut wird. „Der Bau des Zaunes ist eine Reaktion auf Beschwerden des dortigen Landwirtes. Der beklagte sich über Verunreinigungen seiner angrenzenden, bewirtschafteten Flurstücke.“ Wo allerdings die Auto- und Lkw-Fahrer, die sich durch Stuttgart und den Kappelberg in Richtung Aalen gequält haben und ein dringendes Bedürfnis verspüren, sich künftig erleichtern sollen, diese Antwort blieb das Landratsamt schuldig: „Auto- und Lkw-Fahrer werden gebeten, den Parkplatz und den neuen Zaun nicht zu verunreinigen“, erklärte die Behörde verbunden mit der dringenden Ermahnung: „Wildpinkeln“ sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit.

Keine Hinweisschilder auf Parkplätze mit WC

Und wohin fährt der rechtschaffene Verkehrsteilnehmer, der sich keine Ordnungswidrigkeit zuschulden kommen lassen will? Hinweisschilder vor und auf dem Parkplatz, wo sich der nächste Rastplatz mit einem ordnungsgemäßen WC befindet, gibt es keine und wird es auch künftig keine geben: „Hinweisschilder auf kommende Rastplätze mit WC, wie es sie an Autobahnen gibt, sind für Bundesstraßen nicht vorgesehen.“

Auf dem Parkplatz ist also Pinkeln verboten. Hinweisschilder Fehlanzeige. Gibt es nun wenigstens die Hoffnung, dass irgendwann an der B 29 nicht nur ein Zaun, sondern ein ordentliches WC steht? Nur bedingt. Das Landratsamt Rems-Murr mag zwar für Zäune gegen Wildpinkler auf Bundesstraßen-Parkplätzen zuständig sein, nicht aber für Toilettenanlagen. „Aktuell untersucht das Regierungspräsidium die Notwendigkeit von WC-Anlage entlang der B 29“, so die Behörde weiter und verweist auf das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart (siehe nebenstehend: „Hygiene-Probleme“). Das teilt, kurz gefasst, mit, dass das Bedürfnis des Staates, eine Toilettenanlage zu errichten, bei weitem nicht so ausgeprägt ist, wie die dringlichen Bedürfnisse der Autofahrer, die für ihre Erleichterung sogar in Kauf nehmen, als Wildpinkler am Zaun zu stehen und eine Ordnungswidrigkeit zu begehen.


Hygiene-Probleme

„An den Rastanlagen im Zuge von Bundesstraßen mit weitgehendem autobahnähnlichem Ausbaustand bestehen teilweise große Probleme hinsichtlich der Hygiene“, beantwortet das Regierungspräsidium Stuttgart unsere Anfrage, ob sich die Autofahrer auf der B 29 Hoffnung auf eine Toilette machen können. Das Verkehrsministerium habe daher dem Bund vorgeschlagen, verschiedene Anlagen im Zuge von Bundesstraßen mit einer WC-Anlage auszustatten. Der Bund sei dieser Bitte mit der Forderung entgegengetreten, die Auslastung dieser Rastanlagen zu prüfen, um eventuelle Erweiterungen direkt mit einzuplanen. „Derzeit laufen die Erhebungen zu den Auslastungsgraden. Die angefragte Anlage an der B 29 ist Teil der Betrachtungen.“ – Schon vor einem Jahr hieß es übrigens seitens des Ministeriums, dass ein WC geprüft werde.