Waiblingen

Einbruch: So schützen Sie sich richtig

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Symbolbild. © Joachim Mogck
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Polizeihauptkommissar Klaus Ebner berät Menschen, die ihre Wohnung sicherer machen wollen.

Waiblingen. Wenn es früh dunkel wird und die Straßen in der Kälte und im Dämmerlicht ausgestorben sind, kommt die Zeit der Einbrecher. Was viele nicht bedenken: Viele Einbrüche gibt es auch im Frühjahr und Sommer. Wenn Terrassentüren offen stehen und Fenster gekippt bleiben, haben es Einbrecher leicht, in Häuser und Wohnungen reinzukommen. „Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, warnt Polizeihauptkommissar Klaus Ebner.

Wer jemals Opfer eines Einbruchs wurde, weiß, dass manche Täter beinahe alles, auch scheinbar Wertloses, mitnehmen. Sie durchwühlen Schubladen und Schränke und hinterlassen bei den Opfern einen riesengroßen materiellen und seelischen Schaden. Manche Menschen fühlen sich nach einem Einbruch nie wieder sicher und ziehen danach irgendwann aus. Um Einbrüche möglichst zu verhindern, rät Polizeihauptkommissar Klaus Ebner von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle dringend zum mechanischen Grundschutz an Fenstern und Türen. Vieles lasse sich auch nachrüsten. Was nötig ist, zeigt eine Schwachstellenanalyse: „Wir kommen kostenlos als Berater vor Ort“, verspricht Ebner.

Ein Fenster ist in zehn Sekunden geöffnet

Ganz ohne Schutz haben die Einbrecher meist leichtes Spiel. In zehn Sekunden und völlig geräuschlos ist ein gekipptes Fenster geöffnet. Wie’s geht, darüber kann sich jeder sogar im Internet schlaumachen. Einbrecher dringen durch versteckte Nebeneingänge und uneinsehbare Kellertüren in die Häuser ein, beschränken sich aber beileibe nicht auf lauschige Gärten, weiß Klaus Ebner: „An einer belebten Straße zieht sich der Einbrecher einen blauen Anton an und nimmt einen Werkzeugkoffer unter den Arm.“ Die Mache mit dem vermeintlichen Handwerker funktioniert: Kein Nachbar ruft die Polizei. Und besonders nicht in Straßen und Wohngebieten, in denen sich die Bewohner nicht mehr kennen und keiner vom anderen Notiz nimmt.

Die meisten Einbrecher kommen tagsüber

Abends ein Geräusch im ansonsten stillen Haus: Das schreckt auf. Was viele nicht wissen: Die meisten Einbrüche passieren tagsüber zwischen 10 und 18 Uhr, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind. Deshalb sollten Fenster und Türen immer geschlossen werden, auch wenn man nur kurz um die Ecke geht. Fenster und Türen – auch und vor allem an verborgenen Treppenabgängen und Nebentüren - sollten mehrfach gesichert werden. Fenster mit Pilzkopfzapfen anstatt der einfachen Rollzapfen lassen sich nur schwer aufhebeln. Solche Pilzkopfverriegelungen kann man nachrüsten, sagt Ebner. Eine Liste mit Namen geschulter Handwerker gibt es bei der Polizei. Eher ein Mythos ist laut Polizei dagegen die Vermutung, dass die Täter die Fensterscheibe einschlagen, um in die Wohnung zu gelangen. Die Verletzungsgefahr sei hoch und der Lärm beträchtlich. Dieses Risiko gehen die Täter eher selten ein.

Das Risiko, entdeckt zu werden, steigt mit jeder Minute

Generell gilt: Einbrecher versuchen, möglichst rasch ins Haus zu gelangen. Denn das Risiko, entdeckt zu werden, steigt mit jeder Minute. Laut Ebner wird häufig erstmal an der Tür geklingelt, um abzuchecken, ob die Bewohner zu Hause sind. „Wenn ein Einbrecher auf die Wohnungsinhaber trifft, ist es auch für den Einbrecher ein Unfall“, weiß der Hauptkommissar. In diesem Fall solle man auf keinen Fall den Helden spielen: „Lassen Sie ihn fliehen.“

 

Wo und wann sie einbrechen, entscheiden die Täter nach Ebners Erfahrung oft spontan. Also besser keine einladend-offene Terrassentür, während man selbst im Keller die Wäsche aufhängt oder im Dachgeschoss bügelt. Die Wohnungseingangstüren sollten immer zweimal abgeschlossen werden: „Und auf keinen Fall sollte der Haustürschlüssel unterm Fußabstreicher versteckt werden“, warnt der Polizeihauptkommissar. Weil Einbrecher seiner Erfahrung nach jedes Versteck kennen, rät er zum Kauf eines Schlüsselsafes, den man außen anbringen kann.

"Nie über längere Zeit die Rollläden runterlassen"

Vor allem aber sollten Wohnungen während der Urlaubszeit keinen verlassenen Eindruck erwecken: „Also nie über längere Zeit die Rollläden runterlassen“, sagt Ebner. „Und in Abwesenheit für Beleuchtung sorgen.“ Eine Zeitschaltuhr aus dem Baumarkt sei günstig und funktioniere sehr gut.


Die Statistik

Jahrelang stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland immer weiter, 2016 verzeichnete das Bundeskriminalamt wieder einen spürbaren Rückgang. Dieser Trend setzte sich 2017 fort.

Ein guter Teil der Einbrüche scheiterte bereits im Versuchsstadium: 2017 kamen die Täter in 45 Prozent der Fälle gar nicht erst in die Wohnungen. Die Polizei rät deshalb zur Vorsorge.

Beratungen bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Fellbach gibt es kostenlos. Polizeihauptkommissar Klaus Ebner ist unter Tel. 07 11/57 72-2 01 zu erreichen.