Waiblingen

Eine Million für digitale Klassen

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Symbolbild. © Pixabay

Waiblingen. Die digitale Ausstattung der Schulen ist eins der Megathemen der Zukunft – und ein besonders kostspieliges noch dazu. Nach dem Willen des Gemeinderats sollen für gut eine Million Euro zunächst drei Schulen ausgestattet werden. Damit soll die Rinnenäckerschule über sechs High-Tec-Klassenzimmer, das Salier- und das Staufer-Gymnasium über jeweils neun Räume verfügen können.

Jahr für Jahr investiert die Stadt große Summen in die Sanierung ihrer Schulen. Nun steht auch die Ausstattung mit Servern, WLan, schnellem Internet, Präsentationstechnik für die Lehrer und stationären Endgeräten wie PCs und Tablets auf dem Plan.

Verwaltung und Gemeinderat finden einen Kompromiss

Doch welche Schulen sollen zuerst an den Start gehen? Nur die Rinnenächerschule und das Salier-Gymnasium mit einem guten Drittel ihrer Klassenzimmer, wie die Verwaltung vorgeschlagen hatte? Dagegen waren Teile des Rats schon deshalb, weil sie – aufgrund der Konkurrenzsiuation - beide Gymnasien gleich behandeln wollten.

Jetzt haben Verwaltung und Gemeinderat einen Kompromiss gefunden: Danach werden an der Rinnenäckerschule sechs Klassentimmer ausgestattet (35 Prozent), zudem sollen beiden Gymnasien jeweils neun IT-Klassenzimmer (20 Prozent) zur Verfügung stehen. Die Kosten für den Konzept liegen um rund 200 000 Euro höher als der ursprünglichen Vorschlag gekostet hätte, sind aus Sicht der Verwaltung aber noch gut vertretbar.

Moderne Medientechnik für die Klassenzimmer

Als einen sehr guten Kompromis bezeichneten auch Andrea Rieger und CDU-Chef Siegfried Kasper den Vorschlag. „Schön, dass wir uns Zeit genommen haben, mit dem Kompromis können wir gut leben“, so Kasper. Alle Schulen gleichzeitig voll auszurüsten sei aber nicht machbar, sagte er mit Blick auf die ALi-Fraktion, die in einem ersten Antrag genau das gern gehabt hätte.

Später revidierte die Fraktion den Antrag dahingehend, dass 100 Prozent der Klassenzimmer in der Grundschule und je gut ein Drittel der Klassenzimmer in den Gymnasien mit moderner Medientechnik ausgestattet werden solle. Denn, glaubt ALi-Rätin Dagmar Metzger: „Auf uns kommt eine neue Revolution zu, künstliche Intelligenz.“ Die von der Verwaltung vorgeschlagenen Schritte seien viel zu klein: „Wir müssen unsere Kinder fit machen. Sie werden sonst abgehängt.“

Zu hoch angesetzt fand sie zudem die von der Verwaltung errechneten Umbaukosten von 26 000 Euro pro Klassenzimmer – was Oberbürgermeister Andreas Hesky umgehend zurückwies: Die Ausstattung sei mit den Schulen abgesprochen. „Die Kosten mögen einem gefallen oder nicht. Sie stimmen.“

Besser einen echten Wurm anfassen

Auch DFB-Chef und Grundschulleiter Siegfried Bubeck gab grünes Licht für den Verwaltungsvorschlag. Gleichzeitig warnte er davor, in den Grundschulen alle Klassenzimmer auf einmal auszurüsten, weil sich die Grundschullehrer selbst fortbilden müssten. Auch SPD-Rat und Realschullrektor Peter Beck sprach sich für diesen Vorschlag aus, störte sich aber generell „am Hype um die Digitalisierung und dem Absolutheitsanspruch bei diesem Thema: „Man hat den Eindruck, ohne Digitalisierung ist Lernen nicht mehr möglich. Wo aber ist der Mehrwert?“, fragte er. Digitalisierung habe dienenden Charaktter, ein PC und ein Beamer ersetze die früheren Tageslichtprojektoren.

„Der Ruf einer Schule gründet sich auf der technischen Ausstattung, sondern auf dem pädagogischen Wert ihrer Lehrer“, erinnerte er. Alle Klassen mit Tabletts auszustatten, sei keineswegs zielführend, wohl aber ein zentraler Server, der von Fachleuten betreut wird. „Wir brauchen einen Gegenentwurf zur Digitalisierung“, forderte er. Besser als am Tablett einen virtuellen Regenwurm zu betrachten, sollten die Kinder einen echten anfassen.