Waiblingen

Eine Stadt wird digital

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Immer online: Für Oberbürgermeister Andreas Hesky hat die digitale Zukunft längst begonnen. © Alexandra Palmizi / ZVW

Waiblingen. Von Anmeldungen zum Altstadtfest bis Zuverlässigkeitsabfragen bei der Waffenscheinvergabe: Viele Vorgänge im Rathaus werden schon heute online abgewickelt – und die digitalen Angebote sollen in Zukunft noch deutlich ausgebaut werden. Mit der Digitalisierungsstrategie der Stadt beschäftigt sich seit Monaten eine Arbeitsgruppe. Nun wurde die Stelle eines Projektleiters besetzt, der die Projekte koordinieren und einen Masterplan für die Digitalisierung entwickeln soll. Der neue Mann im Rathaus heißt Robert Geist.

Schon in seiner Haushaltsrede hatte Oberbürgermeister Andreas Hesky die digitale Stadt ausgerufen. Digitalisierung dürfe kein Selbstzweck sein, hatte er betont. Vielmehr solle sie helfen, das Zusammenleben, Wohnen, Arbeit, Mobilität, Einkauf, Ehrenamt, Kultur und Sport zu erleichtern und zu verbessern.

Seit der Haushaltsrede hat sich einiges getan. Via Umfrage ermittelte Frank Bender, Fachbereichsleiter Personal und Organisation, in der Stadtverwaltung, welche Prozesse bereits digital bearbeitet und wie sie kundenfreundlicher und effizienter werden können. Wobei das Ziel der Prozessoptimierung laut Hesky ausdrücklich nicht darin besteht, Personal zu entlassen, sondern das Leben in der Stadt einfacher zu machen. Für das Mobilitätsportal gilt das auf jeden Fall. Hier können die Bürger schon jetzt Fahrpläne und Tarife abrufen, Radwege erfahren und sich Infos zum Stadtmobil, Pedelec-Station und Ladesäulen holen. Ein Schritt in Richtung Smartcity.

Kooperation mit Ludwigsburg, Esslingen und Böblingen

Weil nicht jede Kommune auf dem Weg zur digitalen Stadt ihr eigenes Süppchen kochen muss, hat Waiblingen eine Kooperation mit den Kreisstädten Böblingen, Ludwigsburg und Esslingen gestartet. Gemeinsam sollen Projekte entwickelt werden wie die Digitalisierung von Rechnungen, die im Rathaus bearbeitet werden (das soll die Post erleichtern) oder die Einführung eines digitalen Sitzungsdienstes (papierlose Gemeinderatssitzungen), der in anderen Kommunen bereits funktioniert. Auch Strafzettel sollen irgendwann online bezahlt werden, ebenso wie die Anmeldungen zu Kitas online vonstattengehen sollen, wobei als Mehrwert gleich Informationen rund um die Kita-Plätze, Kosten und Angebote mitgeliefert werden sollen.

Bereits im Juni könnte ein Selbstbedienungsterminal im Foyer des Rathauses stehen, an dem die Bürger Anträge ausfüllen können, die zu Hause keinen PC haben. Länger dauern wird es wohl noch mit dem digitalen Sitzungsdienst, der nach Heskys Einschätzung eine große Umstellung für alle Beteiligten werden wird. Vor allem die Sicherheit der Daten und die Zustellung der Dokumente müssten gewährleistet sein. Die Umsetzung ist für 2019 geplant, bei anderen digitalen Angeboten muss erst geklärt werden, ob und wann sie umsetzbar – und ob überhaupt gewollt sind. So ist laut Hesky noch immer ungeklärt, wie eine digitale Unterschrift funktionieren könnte – Voraussetzung etwa beim Antrag eines Personalausweises: „Manche Schritte kann man machen“, schlussfolgert er, „bei anderen muss man am Ende noch ins Bürgerbüro.“

Arbeitsplätze und  Leben in der Stadt werden sich verändern

Dass sich die Arbeitsplätze im Rathaus, aber auch das Leben in der Stadt stark verändern werden, ist für Andreas Hesky sicher. Wenn die Menschen ihre Anträge ebenso wie schon jetzt ihre Bank-Überweisungen zu Hause am PC ausfüllen, fällt die Laufkundschaft weg. Doch wenn weniger Menschen unterwegs sind, verändern sich auch die Städte. Damit gehe aber auch ein Stück Identität verloren, fürchtet er. Das Landratsamt sei am Alten Postplatz als Frequenzbringer gefeiert worden. „Wenn ich nicht mehr zum Landratsamt muss, fällt der aber weg.“ Online-Einkäufe, Online-Buchausleihverfahren, Online-Behördengänge: „All das wird nicht spurlos an uns vorbeigehen“, meint der Oberbürgermeister. „Das alles geht zulasten des urbanen Lebens.“

Auf der anderen Seite kann Digitalisierung den Alltag bequemer machen – und vielleicht auch sicherer. Getestet wird derzeit zum Beispiel eine kostenpflichtige App namens Vivatar. Mit ihr sollen sich die Nutzer mit Freunden oder Familie verbinden und wenn’s brenzlig wird, über GPS virtuell begleiten lassen. Der User entscheidet selbst, wann er begleitet wird und von wem. Dazu kommt in der Premiumsversion ein Notfall-Service und ein persönlicher Notfallpass. Welche Rolle die Kommunen spielen können, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern, ist für Andreas Hesky ebenfalls eine Frage der digitalen Stadt.

Förderpreis

Mit seiner geplanten Digitalisierungsstrategie hat sich die Stadt Waiblingen auch für einen mit 40 000 Euro dotierten Förderpreis beworben.

Schwerpunkt der Digitalisierungsstrategie ist im ersten Schritt die Kernkompetenz der Stadtverwaltung, heißt es in der Bewerbung der Stadt. In die weitere Strategie sollen Mobilität, digitale Start-ups, Wirtschaft 4.0, Bildung und Weiterbildung sowie digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen werden. Zwei Projekte, darunter die Online-Anmeldung für Kindertagesstätten, sollen konkret angegangen werden. Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Kooperation mit den drei anderen Großen Kreisstädten. Die Preisverleihung findet am 3. Mai statt.