Waiblingen

Einkaufen in Waiblingen: Fünf Hilfsmaßnahmen für Handel und Gastronomie

Einkaufstag
Symbolbild. © ZVW/ALEXANDRA PALMIZI

Seit Freitag (21.5.) dürfen Kunden wieder im Laden einkaufen, wenn sie einen Termin gemacht haben und einen negativen Corona-Test vorweisen können. In Waiblingen könnte es dann erst einmal einen „Nachholeffekt“ geben. Davon geht der Wirtschaftsförderer Marc Funk aus. Zusätzlich soll bald eine Gutschein-Aktion das Einkaufen in Waiblinger Geschäften ankurbeln.

„Die Menschen haben Lust darauf, in die Stadt zu gehen, einzukaufen“, so der Geschäftsführer der städtischen Wirtschaft, Tourismus und Marketing GmbH (WTM). Wenn dann auch Restaurants und Cafés wieder ihre Terrassen öffnen dürfen, rechnet Funk mit großem Andrang. „Die Menschen sehnen sich nach realen Erlebnissen, Kommunikation, dem haptischen Anfassen von Produkten, dem Geruch von Essen auf Tellern etc.“

Maßnahme 1: „Treuebonus“

Um die vom Lockdown gebeutelte Innenstadt, Gastronomie und Ladenhandwerker zu unterstützen, will die WTM „in den nächsten Tagen“ den Start einer Gutschein-Aktion verkünden, so Funk gegenüber unserer Redaktion. 21.000 Euro stellt die WTM dafür zur Verfügung. Diese „Treuebonus“-Aktion soll laut Funk so funktionieren: Jeder Kunde, der gegen Quittung in der Waiblinger Touristinformation nachweist, dass er im örtlichen Einzelhandel, der Gastronomie oder dem Ladenhandwerk innerhalb von einer Kalenderwoche 100 Euro ausgegeben hat, erhält einen Einkaufsgutschein im Wert von zehn Euro. Hat man in zwei Wochen 200 Euro in Waiblinger Geschäfte getragen, bekommt man einen 20-Euro-Gutschein.

Für den Einzelhandel, Läden und - sofern sie öffnen darf - die Gastronomie könnte das Funk zufolge „runde 200.000 Euro“ an Umsatz ausmachen. Etwa 90 Prozent kämen von den Kunden - wobei schwer zu sagen ist, wie viel davon sie auch ohne die Aussicht auf Gutscheine ausgegeben hätten. Nichtsdestotrotz sagt der Wirtschaftsförderer: „Ich bin überzeugt davon, dass die Aktion Erfolg haben wird.“

Auch andere setzen auf Gutscheine: Fellbach etwa hat im März 5000 Gutscheine im Wert von insgesamt 50.000 Euro ausgegeben - wer einen Zehn-Euro-Gutschein kaufte, erhielt einen „Frühlingsgutschein“ im gleichen Wert dazu. Von diesen Gutscheinen seien schon knapp 50 Prozent eingelöst worden, teilte die Stadt vor kurzem mit. Wenn die Gastronomie wieder Kunden empfangen darf, will Fellbach erneut 5000 Gutscheine ausgeben.

In Waiblingen ist die „Treuebonus“-Unterstützung durch die städtische WTM laut Funk bereits im März von deren Aufsichtsrat abgesegnet worden. Darin sitzen Wirtschaftsvertreter und Stadträte. Vorsitzender ist Oberbürgermeister Andreas Hesky. Die 21.000 Euro stammen aus dem Veranstaltungsbudget der WTM - mit Events ist es in der Corona-Krise schwierig, Gutscheine hingegen sind flexibel.

Nun soll die Aktion also bald beginnen. WTM-Geschäftsführer Funk: „Es geht darum, kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum Hilfe zu geben beziehungsweise Akzente zu setzen.“

Maßnahme 2: Kostenlos parken

Weiter geht auch eine andere Maßnahme, um die Innenstadt zu fördern: bis zu 90 Minuten kostenlos parken in den Waiblinger Parkhäusern, wenn man in der Innenstadt einkauft. Mit Zustimmung des Gemeinderats sollen so Kunden in die lokalen Betriebe gelockt werden.

Mit den weiteren Lockerungsschritten bei den Corona-Maßnahmen könnte die Park-Aktion noch mehr in Anspruch genommen werden. Sie soll dann auch explizit beworben werden, so WTM-Chef Funk. Wie gut das bei Parkhaus-Parkern ankommt, werde man dann nach einigen Monaten sagen können. Die städtische Parkierungsgesellschaft werde das auswerten.

Maßnahme 3: Gastro-Gebühren

Noch dürfen Restaurants, Cafés und Bars keine Gäste vor Ort bewirten. Wenn es aber wieder möglich ist, müssen die Betreiber dieses Jahr wie schon 2020 keine Gebühren für das Aufstellen von Tischen und Stühlen im öffentlichen Raum zahlen. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Maßnahme 4: Digitalisierung

„Das Internet war schon vor Corona ein Teil des Einkaufens“, sagt Funk. Die Pandemie und die langen Schließzeiten haben dazu geführt, dass noch weitaus mehr übers Netz bestellt und von Paketdiensten geliefert wird. Zurückdrehen lässt sich diese Entwicklung nicht, glaubt der Wirtschaftsförderer: „Es geht für den stationären Handel nicht um die Rückgewinnung von Marktanteilen. Darüber brauchen wir lange nicht mehr zu reden. Es geht darum, wie ich als stationärer Einzelhändler im Netz Präsenz zeige und mit Multichannelkonzepten agiere.“

Es sollte aus seiner Sicht jetzt darum gehen, „wie der Handel morgen aussehen wird und was wir aus dieser schweren Zeit lernen können“.

Um den Waiblinger Betrieben dabei zu helfen, hat die WTM im Frühjahr Beratungsgutscheine zur Digitalisierung angeboten: 15 Stück à 1000 Euro. Sie waren innerhalb von 14 Tagen vergeben, berichtet Funk nun auf Anfrage. Der „erwünschte Effekt, dass kleinere Betriebe aus Handwerk, Gastronomie und Handel Digitalisierungsprojekte angehen, ist eingetreten“, so der WTM-Chef. Der Aufsichtsrat habe daher vergangene Woche zugestimmt, dass fünf weitere Beratungsgutscheine à 1000 Euro vergeben werden können.

Wofür das Geld eingesetzt wird, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Viele wollen laut Funk ihre Social-Media-Aktivitäten ausbauen, manche investieren demnach in 360-Grad-Aufnahmen, andere in digitale Reservierungssysteme, in Software oder in Google-Kampagnen. „Die Palette ist breit und groß.“

Maßnahme 5: Werbung für Gründer

Eine dauerhafte Maßnahme ist laut Funk, dass Existenzgründer im Handel und Unternehmen, die ein neues Ladengeschäft in Waiblingen eröffnen, ein „Willkommenspaket“ mit Werbeleistungen im Wert von 2000 Euro erhalten. Allerdings: „Es sind angesichts des Lockdowns noch keine Pakete vergeben worden.“

Prognose

Insgesamt geht der Wirtschaftsförderer davon aus, dass viele Menschen nach dem Lockdown - und wenn das Wetter noch besser wird - in die Innenstadt strömen werden. „Die Leute möchten raus“, sagt Marc Funk. „Der Wunsch zum Reisen ist da, und der Wunsch zum Bummeln und Einkaufen ist ebenfalls vorhanden.“

Auch um die Zukunft der Waiblinger Läden ist es ihm nicht bange - trotz Corona und Konkurrenz durch Amazon und Co. „Ich glaube an den Standort Waiblingen und an die Zukunft des stationären Handels.“

Aber, so Funk: „Machen wir uns nichts vor. Die letzten 15 Monate waren für viele Betriebe belastend und schwer, in finanzieller und emotionaler Art und Weise. Bislang hat sich der Einzelhandel in der Kernstadt und in den Ortschaften als erstaunlich resilient erwiesen. Noch kann ich keine coronabedingten Betriebsaufgaben erkennen, möchte aber nicht ausschließen, dass es diese geben wird.“

Der Wirtschaftsförderer verweist aber auch auf „Branchen, die von der Pandemie profitiert haben. Man denke nur an den Fahrradhandel oder den Heimwerkerbedarf“. Sein Plädoyer: „Lassen wir aber dem Handel doch Zeit zum Durchatmen und zum Kraftholen, wenn nun hoffentlich dauerhaft geöffnet werden kann.“

Seit Freitag (21.5.) dürfen Kunden wieder im Laden einkaufen, wenn sie einen Termin gemacht haben und einen negativen Corona-Test vorweisen können. In Waiblingen könnte es dann erst einmal einen „Nachholeffekt“ geben. Davon geht der Wirtschaftsförderer Marc Funk aus. Zusätzlich soll bald eine Gutschein-Aktion das Einkaufen in Waiblinger Geschäften ankurbeln.

„Die Menschen haben Lust darauf, in die Stadt zu gehen, einzukaufen“, so der Geschäftsführer der städtischen Wirtschaft,

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