Waiblingen

Einkaufen in Waiblingen kurz vor dem Lockdown: Wie viel los war und was die Einzelhändler zu den Schließungen sagen

Einkaufstag Montag
Der Montag in Waiblingen nach der Erklärung des Lockdown. Wie wird noch eingekauft? Fußgängerzone in Waiblingen, Warteschlange draußen wie drinnen. Postplatz lange Straße © Benjamin Büttner

Für einen Montag war es kein schlechter Einkaufstag, aber: Auch am vorletzten Tag vor Schließung der meisten Fachgeschäfte in der Waiblinger Innenstadt ist das ganz große Getümmel ausgeblieben. Großeltern suchten beim Spielwaren-Geschäft nach Weihnachtsgeschenken für die Enkel und bei Villinger-Zeller kaufte sich noch einen Bräter, wer sich in Sachen Weihnachtsgans seit Jahren immer auf Omas Kochkünste verlassen konnte.

Von Torschlusspanik ist dennoch wenig zu sehen. „Die Leute haben ja geahnt, dass so etwas kommt“, meint Inhaber Max Pfund. Allerdings sei eine spezielle Nachfrage in den vergangenen Tagen spürbar: Vorratsboxen laufen ausgesprochen gut – offenbar haben verschiedene Leute vor, mehr Vorräte anzulegen als sonst. Christbaumständer wurden stärker nachgefragt als in den letzten Jahren. „Wahrscheinlich schaffen sich viele einen Baum an, die sonst bei Verwandten gefeiert haben und keinen eigenen Baum hatten.“ Was ja zur Beobachtung mit der Bräter-Nachfrage passt.

„Sauer bin ich nicht auf die Regierung, aber ...“

Trotz des Lockdowns hegt Max Pfund keinen Groll gegen die Regierung, die ihn beschlossen hat. „Sauer bin ich nur auf die Leute, die sich nicht an die Regeln gehalten haben.“ Die Gesellschaft als Ganzes habe es leider nicht geschafft, das Virus ohne Lockdown in den Griff zu kriegen. Mit einem neuen Onlineshop und dem Angebot eines digitalen Einkaufszettels sieht er sich gerüstet für die kommenden Wochen und wartet gespannt auf Informationen, ob, wie im Frühjahr, Abhol- und Lieferdienste erlaubt bleiben.

Bei Männermoden Reichle stapeln sich Hemden, Jeans und warme Pullover auf den Tischen und Regalen. „Die letzten zehn Tage vor Weihnachten sind immer die stärksten des gesamten Jahres“, erzählt Patrick Reichle. Ausgerechnet diese Hochphase entfällt jetzt, ebenso die Tage „zwischen den Jahren“, welche viele Kunden gerne fürs Shopping nutzen. Bitter sei’s nun, zur Untätigkeit verdammt zu Hause sitzen zu müssen, den Laden gut gefüllt – und die meisten bestellen bei den Online-Riesen. Bestellen dürfen Kunden auch bei Reichle – der Chef persönlich fährt die Ware dann aus. Er gibt sich kämpferisch: Das Modegeschäft werde weiterbestehen, auch wenn der Lockdown länger dauert.

Die Waiblinger in der Fußgängerzone verhalten sich diszipliniert

Mit dem „Trendreich“ führt Marijan Robic ein kleines Spezialgeschäft für Dekoration und Wohnaccessoires – vieles aus dem Sortiment bietet sich grundsätzlich als Geschenk an. Der junge Einzelhändler gibt sich gelassen. Den Großteil des Weihnachtssortiments habe er schon an den Mann und an die Frau gebracht. Den Lockdown sieht er als Notwendigkeit: „Ich denke mir schon länger, dass etwas geschehen muss – wir müssen unsere Kunden und unsere Familien schützen.“ Gut, dass der Laden in der Kurzen Straße nicht das einzige Standbein ist – rund die Hälfte des Umsatzes wird online generiert. Die Waiblinger Kundschaft habe sich in den vergangenen Wochen sehr diszipliniert verhalten und ohne Beschwerde draußen gewartet, wenn der Laden gerade zu voll war. „Hier geht es entspannt und gesittet zu – das ist nicht die Königsstraße.“

Es gibt diese Einzelhändler, die den Lockdown mit einer Mischung aus Gelassenheit und Einsicht ins Unvermeidbare hinnehmen. Es gibt aber auch andere, die der Lockdown ins Mark trifft und die wütend sind. Einer, der im Lauf des Jahres schon kritisiert hatte, gegenüber Online-Konkurrenz und Großsortimentern benachteiligt zu werden, äußert sich nicht mehr öffentlich: „Das spricht alles für sich selbst.“

Von Einkaufschaos kann am Montag für Waiblingen keine Rede sein. Vor dem Lidl in der Devizesstraße, der ja gar nicht schließen muss, bildet sich zeitweise eine Schlange. Vor der Post in der Mayenner Straße: das übliche Rangieren beim Ein- und Ausparken, die Warteschlange um 16.30 Uhr aber überschaubar. Vor dem Obi wachen Security-Männer, ob jeder Kunde eine Maske trägt und einen Einkaufswagen schiebt – doch überrannt wird der Baumarkt nicht, viele Parkplätze sind frei. Ähnlich im Remspark: Es war schon viel mehr los. Noch entspannter geht’s zu am Fachmarktzentrum Waiblinger Tor.

Für einen Montag war es kein schlechter Einkaufstag, aber: Auch am vorletzten Tag vor Schließung der meisten Fachgeschäfte in der Waiblinger Innenstadt ist das ganz große Getümmel ausgeblieben. Großeltern suchten beim Spielwaren-Geschäft nach Weihnachtsgeschenken für die Enkel und bei Villinger-Zeller kaufte sich noch einen Bräter, wer sich in Sachen Weihnachtsgans seit Jahren immer auf Omas Kochkünste verlassen konnte.

Von Torschlusspanik ist dennoch wenig zu sehen. „Die Leute haben

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