Waiblingen

Elektrofahrrad als Alternative zum Auto

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Die E-Bike-Stationen in der Region Stuttgart im Überblick. © ZVW / maps4news.com

Waiblingen. Mittlerweile gibt es 14 E-Bike-Stationen in 13 Kommunen rund um Stuttgart. Waiblingen ging als dritte unter ihnen an den Start. Pendler oder Touristen können sich so am Bahnhof ein Fahrrad mit Elektromotor ausleihen und damit nach Hause oder in eine der Partner-Kommunen radeln und es dort abstellen. „Bundesweit ein einmaliges Projekt“, erklärte Rainer Gessler vom Landesverkehrsministerium.

Sie ist nicht nur ganzjährig, sondern auch rund um die Uhr zugänglich – die E-Bikestation am Waiblinger Bahnhof. Und nicht nur sie, sondern auch alle anderen E-Bike-Stationen in der Region Stuttgart – insgesamt 14 an der Zahl. Ziel des Projekts ist etwa, dass Berufspendler anstatt in den Bus aufs E-Bike am Bahnhof steigen. Damit „sind sie unabhängiger unterwegs und auch flexibler“, sagte Rainer Gessler vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg dem Wirtschaftsausschuss. Denn wenn beispielsweise abends kein Bus mehr fährt, stehen die Fahrräder mit Elektromotor am Bahnhof bereit. Wer registriert ist, kommt „relativ günstig für 1,50 Euro nach Hause“, so Gessler. Außerdem könnte so die eine oder andere Familie auf einen Zweitwagen verzichten.

Firmen als Nutzer von E-Bikes

Seit März 2015 ist die E-Bikestation am Bahnhof Waiblingen in Betrieb. Andere Kommunen beteiligen sich erst seit diesem Jahr am vernetzten Projekt der Elektromobilität. Bisher verzeichnet Waiblingen 800 Ausleihen. Während sich in den Wintermonaten saisonbedingt weniger an der E-Bike-Station getan hat, waren es nachdem die Fahrradsaison allmählich wieder Fahrt aufgenommen hatte, bis zu 130 Ausleihen im Monat. Das System, mit dem die Elektrofahrräder eingeschlossen und auch ausgeliehen werden, wurde während des Betriebs weiterentwickelt. „Es gab Softwareprobleme“, so Gessler, womit er den Einbruch bei den Ausleihzahlen im vergangenen Sommer erklärte. Mittlerweile wurde das System weiter optimiert, die Fehler in der Software behoben. „Das Jahr 2016 wird unser Jahr“, versicherte er.

Nächstes Ziel sei nun, das Projekt weiter voran zu treiben und mehr Nutzer vom E-Bike-Angebot zu überzeugen. Dazu werden Kooperationen mit Firmen angedacht, die ihren Mitarbeitern betriebseigene Elektrofahrräder zur Verfügung stellen. In Waiblingen können zehn Räder ausgeliehen und zehn kundeneigene eingeschlossen und aufgeladen werden. Ein Angebot, das noch nicht in vollem Ausmaß genutzt wird.

Einziges Manko am vernetzten E-Bikesystem: Stuttgart kocht zur Zeit noch seinen eigenen Brei. Das wird sich aber bis zum Jahr 2018 ändern. „Die Ausschreibungen laufen“, versicherte Werner Nussbaum vom Waiblinger Fachbereich Bürgerdienste. Die Stadt will sich zusammen mit anderen Kommunen, die beim Projekt mitmachen, am neuen System in der Landeshauptstadt beteiligen, so Nussbaum.

Kritik am Ausleihsystem

Generell stieß das Angebot im Wirtschaftsausschuss auf positive Resonanz. Dennoch wurde hier und da Skepsis laut. Fast alle Fraktionen kritisierten das aufwendige und komplizierte Ausleihsystem wie beispielsweise Roland Wied (SPD), Julia Goll (FDP) oder Christina Schwarz (ALi). „Die Leute sind am Automaten gestanden und gaben gefragt, wie das geht“, so Goll. Doch solch ein aufwendiges System mit Anmeldung muss sein, versicherte Rainer Gessler. Gerade aus Gründen der Sicherheit. Ein Gastzugang, wie ihn Christiane Sonntag (SPD) vorgeschlagen hat, lasse sich daher nicht realisieren, so Gessler. „Zu unsicher.“ Eigentlich sei es doch ganz einfach. Denn mit einer Kreditkarte und einem Smartphone „lässt sich die Station einfach nutzen.“ Wer eine Polygo-Karte besitzt, bezahlt zwölf Euro Leihgebühr fürs Rad, ohne sind es 16 Euro. Wer sein Rad abstellt, den kostet es 50 Cent mit Karte, ohne ist es ein Euro. Das System wird außerdem besser“, versicherte Gessler. „Wir sind Teil eines lebenden Labors“, ergänzte Oberbürgermeister Andreas Hesky, wobei er nochmals auf die Tatsache hinwies, dass das Projekt hier in der Region das Erste und Einzige ist.

Info: Polygo-Card

Die Polygo-Card ist eine Plastikkarte so groß wie eine Bankkarte. Wer etwa eine Monats- oder Jahreskarte beim Verkehrsverbund Stuttgart hat, bei dem werden künftig alle Abo-Daten als elektronisches Ticket auf dem Chip gespeichert. Bei einer Fahrgastkontrolle werden die Daten mit einem Lesegerät abgerufen. Geht die Karte verloren, kann sie gesperrt werden.

Gleichzeitig bietet die Polygo-Karte Zugang zu anderen Elektromobilitätspartnern wie dem Car-Sharing (Stadtmobil) oder dem Bike-Sharing.

Wer möchte, kann die Polygo-Karte als Prepaid-Kreditkarte nutzen. So können damit die Ladestationen für Elektroautos der EnBW oder in verschiedenen Parkhäusern der Parkierungsgesellschaft bezahlt werden.

Weitere Infos unter www.mypolygo.de