Waiblingen

Eltern aus dem Kreis protestieren gegen Unterrichtsausfall

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Unterschriften-Übergabe am Mittwochvormittag: Bernhard Herp, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Elternbeiräte an Gymnasien, Stuttgart, und Gerda Windey, Ministerialdirektorin im Landes-Kultusministerium. © Privat

Waiblingen. Knapp 2000 Eltern aus dem Rems-Murr-Kreis protestieren: Sie wollen den ständigen Unterrichtsausfall nicht mehr hinnehmen und fordern unter anderem eine 110-prozentige Lehrerversorgung an den Schulen. Insgesamt wurden am Mittwoch rund 7000 Unterschriften übergeben.

Die grün-schwarze Regierung nimmt Geld in die Hand: In Baden-Württemberg werden in diesem Jahr 56 Schulbauprojekte mit insgesamt 60 Millionen Euro sowie 46 Bauprojekte für Ganztagsschulen mit 10,7 Millionen Euro bezuschusst. Eine halbe Million davon geht nach Waiblingen an die Rinnenäckerschule und nach Leutenbach an die Gemeinschaftsschule (wir berichteten). Die letzte, also die grün-rote Landesregierung, hatte außerdem noch veranlasst, zusätzliche fünf Millionen Euro für Vertretungslehrer einzuplanen. Auf der Homepage des Kultusministeriums in Stuttgart ist außerdem zu lesen: Einstellung von 5700 unbefristeten Lehrerinnen und Lehrern und rund 470 befristete Stellen speziell für den Unterricht von geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu vergeben. „Somit können im Jahr 2016 insgesamt rund 6000 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden. Die Einstellungsmöglichkeiten liegen damit nochmals über dem Rekordjahr 2015 mit rund 5800 neu eingestellten Lehrkräften.“ Bildungsparadies Baden-Württemberg?

Nein, sagt Susanne Booz-Schulte, Elternbeiratsvorsitzende des Salier-Gymnasiums in Waiblingen. Bei ihr haben sich in den letzten Tagen Unterschriftenlisten aus dem gesamten Schulbereich Nord-Württemberg gestapelt. Die Aktion dreht sich um den Unterrichts-Ausfall, der schon seit Jahren Schulleitungen und Eltern umtreibt. Denn: Schön gebaute Schulen, in denen kein Unterricht stattfindet, weil er wegen Lehrermangels ausfällt, bringen niemandem etwas. Deshalb wollen sich die Eltern jetzt nicht mehr mit der Ist-Situation zufrieden geben und fordern zweierlei: Schulen sollen zukünftig nicht mehr nur zu 100 Prozent, sondern zu 110 Prozent mit Lehrerinnen und Lehrern versorgt sein. Die zusätzlichen fünf Millionen Euro für Vertretungslehrer würden das Problem Unterrichtsausfall nämlich nur dann lösen, wenn die Lehrer schon an der Schule wären. Zurzeit aber könnten Rektoren erst im Akutfall nach Ersatzlehrern suchen. Die Folge: Unterricht fällt aus, und zwar oft lang.

Außerdem heißt es im Brief an das Kultusministerium: „Wir erwarten einen anderen Umgang mit dem Thema Schwangerschaften von Lehrkräften: Schulleitungen müssen den vorhersehbaren Ausfall der Lehrkraft bereits ab Kenntnis der Schwangerschaft in ihr aufgeplantes Deputat hineinrechnen dürfen.“ Bislang, erklärt Susanne Booz-Schulte, dürften Rektoren erst dann nach Ersatz für die werdende Mutter suchen, wenn diese nicht mehr arbeitet. „Diese Regelung versteht keiner.“ Sie sei veraltet. Schwangerschaften und die damit einhergehende Pause der Lehrerin seien, so Booz-Schulte, frühzeitig bekannt. Warum dürften Rektoren nicht ab diesem Moment nach Vertretungslehrern suchen und diese auch vertraglich verpflichten, damit die Unterrichtsversorgung durchgehend gesichert ist? Die Mehrheit der Lehrkräfte an Schulen ist weiblich: zu 59 Prozent an Gymnasien, zu 66 Prozent an Realschulen, zu 80 Prozent an Grund- und Werkrealschulen und zu 82 Prozent an Gemeinschaftsschulen. Hinzu kommt: Zunehmend ergreifen auch die Männer die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen. „Wir erwarten bei diesen planbaren Ausfällen vom Kultusministerium Regelungen, die einen lückenlosen Unterricht und pädagogisch sinnvolle Übergänge ermöglichen.“ Die Elternvertreter wollten die Unterschriftenlisten der neuen Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann übergeben. Diese jedoch stand für die Aktion nicht zur Verfügung.

Die Aktion

Die Unterschriftenaktion gegen den Unterrichtsausfall wurde von der Arbeitsgemeinschaft gymnasialer Eltern im Regierungsbezirk Stuttgart initiiert. Mit dabei auch: der Landeselternbeirat und der Gesamtelternbeirat der Stadt Waiblingen.

Die über 7000 Unterschriften kamen von rund 30 Schulen aus dem gesamten Schulbezirk Nord-Württemberg.

Aus dem Rems-Murr-Kreis schickten das Salier-Gymnasium und die -Realschule, das Staufer-Gymnasium, die Rinnenäckerschule, die Grundschule Beinstein, die Lindenschule Hohenacker und die Zacherschule Unterschriften. Außerdem das Max-Born-Gymnasium in Backnang. Das Weinstädter Remstal-Gymnasium erklärte, es unterstütze die Aktion, hatte aber keine Unterschriften gesammelt.

Insgesamt kamen aus dem Kreis nicht ganz 2000 Unterschriften.