Waiblingen

Eltern beklagen zu viel Hygiene in Kitas

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Zu Hause noch erlaubt: Kinder basteln mit gesammelten Kastanien. © ZVW/Michaela Kölbl
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Elena Rutz, Christian Bieg und Yvonne Bayer (von links) vom Gesamtelternbeirat der Waiblinger Kitas freuen sich auf weitere Engagierte. © Benjamin Büttner

Waiblingen. Gebühren sind ein häufiges, aber nicht das einzige Thema, das Eltern von Kindergarten-Kindern bewegt. Eine Umfrage soll ermitteln, wie zufrieden sie mit der Qualität der Arbeit dort sind. Außerdem knöpfen sich die Eltern die Hygiene-Vorschriften vor. Nicht an zu wenig Hygiene stören sie sich – sondern an zu viel.

Zu den schönsten Seiten des Herbstes gehört für Familien das Sammeln von Kastanien. Doch in der schönen neuen Hygiene-Welt, in der sich für jede Infektion und für jeden unwahrscheinlichen Unfall immer gleich ein Kläger finden lässt, scheint kein Platz für Kastanien-Männchen zu sein. In manchen Waiblinger Kindergärten dürfen Kinder nicht mehr mit Kastanien spielen und basteln, klagt der Gesamtelternbeirat. Der Grund: Es könnten Keime dran sein. Natürlich kann niemand die Hand dafür ins Feuer legen, dass an eine aufgeklaubte Kastanie nicht mal ein Hund gepieselt hat. Früher wurden Kinder daher ermahnt, sie vor dem Basteln zu waschen. „Meistens spielten wir einfach so damit, ohne sie sauberzumachen“, erinnert sich Christian Bieg, Noch-Vorsitzender des Gremiums.

Mit Kuchen ist es auch so eine Sache

Ähnlich verhält es sich mit Eierkartons – sie gelten wegen möglicher Reste von kaputten Eiern als verdächtig. Als Gesundheitsrisiko kommt auch Milch in Betracht. Zwar wurden hier und dort, um das Bewusstsein für gesunde Ernährung zu fördern, Müslitage eingeführt. Die seien inzwischen wieder abgeschafft worden, weil der Aufwand zu groß war, bei Milchprodukten eine lückenlose Kühlkette nachzuweisen. Was wiederum nur eins der vielen möglichen Probleme beim Kuchenbacken ist. Gewünscht ist oft eine genaue Liste der Zutaten mit Angabe, wo und wann sie gekauft wurden. „Da gewöhnt man sich das Backen für einen guten Zweck schnell ab“, meint Elternbeirätin Yvonne Bayer, die nicht viel hält von einer sterilen Welt: „Wir brauchen doch die Keime.“

Kritik an der Katholischen Kirche

Um die Hygiene wird sich wie bisher auch im laufenden Kindergarten-Jahr eine eigene Arbeitsgruppe des Gesamtelternbeirats kümmern. Ihr Ziel ist, dass für alle Einrichtungen lebensnahe und einheitliche Vorschriften gelten. Der Gesamtelternbeirat will dabei auch klären, welche Vorschriften Gesetz sind, welche von der Stadt festgelegt sind und welche die Kitas sich selbst auferlegen. Offenbar gibt es große Unterschiede in der Auslegung der Regeln: „Manche Kindergärten nehmen es mit den Hygiene-Vorschriften ganz besonders ernst“, so die Beobachtung der Eltern. Nach Eindruck von Christian Bieg sind einzelne Eltern durchaus mitverantwortlich für solche Entwicklungen. Wer sich beschwert, findet Gehör. „So nimmt man oft nur die Extreme auf.“ Zum Glück wohl nicht immer: Es soll sogar Eltern geben, die ihre Kinder nicht zu Waldtagen gehen lassen. Die Kleinen könnten sich ja schmutzig machen.

Ein Meinungsbild über die Qualität der Waiblinger Kindergärten wollen die Beiräte mittels einer Online-Umfrage erstellen, die nach der Hauptversammlung am 14. November freigeschaltet wird. Ganz ausdrücklich sollen die Eindrücke von Kitas aller Träger erfasst werden. An der guten Qualität der städtischen Einrichtungen hegt das Gremium kaum Zweifel und lobt den zuständigen Fachbereich beim Rathaus für seine Arbeit. Mit dem Fachberater der evangelischen Kindergärten sei die Zusammenarbeit konstruktiv, schwierig sei sie mit der Katholischen Kirche als Träger. „Die katholischen Kindergärten in Waiblingen“, so lautet Christian Biegs Urteil, „sind in ihrer jetzigen Struktur nicht zukunftsfähig.“

In die Gebühren-Diskussion steckte der Gesamtelternbeirat in der Vergangenheit viel Zeit und Hirnschmalz. Ergebnis vieler Treffen mit der Stadtverwaltung ist ein extrem ausdifferenziertes Modell, das einkommensschwache Familien entlastet. „Damit können wir arbeiten“, sagt der Vorsitzende, der die nächste Gebührenrunde für 2021 kommen sieht. Er selbst wird dann nicht mehr mitarbeiten, denn bei der Hauptversammlung wird der 39-Jährige nicht mehr zur Wahl stehen. Seine Kinder sind mittlerweile beide in der Schule. Neue Engagierte, die sich für die Belange aller Eltern und Kinder einsetzen wollen, werden dringend gesucht.

Waiblingen. Gebühren sind ein häufiges, aber nicht das einzige Thema, das Eltern von Kindergarten-Kindern bewegt. Eine Umfrage soll ermitteln, wie zufrieden sie mit der Qualität der Arbeit dort sind. Außerdem knöpfen sich die Eltern die Hygiene-Vorschriften vor. Nicht an zu wenig Hygiene stören sie sich – sondern an zu viel.

Zu den schönsten Seiten des Herbstes gehört für Familien das Sammeln von Kastanien. Doch in der schönen neuen Hygiene-Welt,

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