Waiblingen

Elterntaxis gefährden Kinder

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Zum Schuljahresstart wird die Polizei an solchen Stellen verstärkt kontrollieren. © Sarah Utz

Waiblingen. Schulkinder leben – relativ – gefährlich. Besonders dann, wenn sie im Eltern-Taxi sitzen oder Mütter ihre Schule großräumig zuparken. Risikofaktor Nummer zwei: Handys vor Schülernasen auf dem Schulweg und vom Smartphone abgelenkte Autofahrer.


Widerstand gegen Tempo 30 innerorts

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„Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist die Fahrt im Elterntaxi keinesfalls besonders sicher. Die meisten Kinder verunglücken als Beifahrer im Auto“, so Werner Nußbaum, der Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste der Stadt Waiblingen. „Eltern-Taxis sind ein von Jahr zu Jahr größer werdendes Problem“, berichtet Emely Rehberger, Sprecherin der Stadt Winnenden. Sie spricht von einem „Dauerthema“ an den Schulen und einem regelrechten „Verkehrschaos“.

Die Rappachschule in Stuttgart hat sich dieses Jahr Außergewöhnliches ausgedacht, um Elterntaxifahrten vor dem Schulgebäude drastisch einzuschränken. Die Schule kooperiert neuerdings mit einem benachbarten Sportverein, so dass Eltern nun ihre Kinder an einem großen Parkplatz am Sportplatz statt vor der Schule aussteigen lassen können. Nur ein fünfminütiger Fußweg trennt die Kinder dann noch von ihrem Ziel.

Video: So kommen Kinder sicher in die Schule.

Im Auto lernen Kinder nicht, richtig zu reagieren

Alle Schuljahre wieder richtet sich der Appell an Eltern: Traut euren Kindern mehr zu. Lasst sie zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. „Kinder müssen lernen, wie sie in bestimmten Verkehrssituationen reagieren und worauf sie achten müssen“, findet Kristina Fabijancic-Müller, Pressesprecherin des Gemeindetags Baden-Württemberg. Kommunen veröffentlichen zu diesem Zweck Schulwegpläne, in welchen sie sichere Varianten für die Schulkinder aufzeigen. Vor allem Grundschüler fühlen sich zweifelsohne sicherer, wenn ein Erwachsener vor Schulstart mit ihnen den besten Weg übt. Der kürzeste Weg muss nicht der sicherste sein, darauf weisen die Schulwegpläne hin. Kinder meiden besser unübersichtliche Kreuzungen, umgehen Baustellen weiträumig und bevorzugen Zebrastreifen. Wie das geht, zeigt eine Eltern-Initiative in Welzheim, die den „Laufbus“ ins Leben gerufen hat.

Schüler kreuzen mit dem Smartphone vor der Nase die Straße – ein längst gewohntes Bild. Autofahrer checken derweil die neueste SMS während der Fahrt – das kann böse enden. Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des ADAC Württemberg, macht eine beängstigende Rechnung auf: Wer mit 50 Stundenkilometern unterwegs ist und etwa zwei Sekunden lang den Blick von der Straße abwendet, legt rund 30 Meter im „Blindflug“ zurück. Polizei und Kommunen werden zu Beginn des neuen Schuljahres ihre Verkehrskontrollen zahlenmäßig erweitern.

Video: So kommen Kinder sicher in die Schule.

Immer mehr Autos auf den Straßen

Schulwege sind heute trotz aller Mühen nicht sicherer als vor Jahren, vermutet der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber. Auf den Straßen sind immer mehr, immer schnellere, immer schwerere Autos unterwegs, gibt Gruber zu bedenken. Er hat sich beim Innenministerium erkundigt, wie es um die Schulwegsicherheit bestellt ist. Als Antwort erhielt Gruber umfangreiches Zahlenmaterial, aus welchem der Mathematiker folgende Prognose ableitet: Circa 16 Schüler werden voraussichtlich dieses Jahr noch im Rems-Murr-Kreis in einen Unfall verwickelt werden. Im Durchschnitt verunglücken pro Jahr 32 Kinder im Kreis auf dem Schulweg, hat Gruber errechnet.

Der tödliche Unfall im Jahr 2010 ist in Alfdorf passiert. Ein 17-jähriger Mopedfahrer erlag seinen Verletzungen, nachdem er auf ein Auto aufgefahren war.

An der Radfahrausbildung liegt’s nicht

Im Schuljahr 2016/17 hat die Polizei an allen Grundschulen und sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren eine Radfahrausbildung anbieten können. Fürs neue Schuljahr ist dasselbe geplant. Verkehrserziehung sieht Christoph Schulz, Sprecher der Gemeinde Korb, als „das wichtigste Kriterium für einen sicheren Schulweg“. Seitens der Polizei kümmern sich neun Beamte im Kreis darum.

Auf den Rad- und Fußwegen von und zur Schule passiert ein großer Teil der Unfälle, die nicht in der Polizeistatistik auftauchen. Der neueste Erlass „Sicherer Schulweg“ des Innen- und Kultusministeriums nennt ferner Rangeleien und Unachtsamkeit in Bussen und an Haltestellen als häufigen Unfallgrund. Das verwundert nicht angesichts zeitweise völlig überfüllter Schulbusse und entsprechend dichten Gedränges an den Haltestellen.

Am 11.September geht die Schule wieder los

Zum Schulstart steigt die Unfallgefahr, weil sich Autofahrer und Schüler erst wieder aufeinander einstellen müssen. Das Innenministerium hat die Polizei 2017 – wie jedes Jahr – beauftragt, besonders zum Schuljahresbeginn verstärkt den Verkehr zu überwachen und „Verstöße konsequent zu ahnden“.

Vanina, Iara und Till Freiwald. (Foto: Siekmann / ZVW)

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