Waiblingen

EM 2016: Kein Public Viewing in der Remstalkellerei

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Zittern, bangen und freuen in schwarz-rot-gold: Das wird es diesmal zur EM in der Remstalkellerei nicht geben. (Archivbild) © Ramona Adolf

Weinstadt. Viele Jahre haben Fußballfans in der Remstalkellerei mit der Nationalelf mitfiebern können – doch diesmal wird daraus nichts: Die EM-Spiele werden nicht gezeigt. Eine Online-Petition mit bislang 344 Unterstützern konnte die Verantwortlichen nicht umstimmen. Für sie ist das Public Viewing ein aufwendiges und teures Spektakel.

„Bestes Event in Weinstadt! Tolles Gemeinschaftsgefühl, gut organisiert!!!“: Das Public Viewing, das es in der Remstalkellerei seit 2006 bei Fußballwelt- und Europameisterschaften immer gab, hat viele Anhänger. Und als einige mitbekamen, dass die Weingenossenschaft in diesem Jahr auf die Übertragung in ihrer Fahrzeughalle verzichten will, organisierten sie kurzerhand Protest auf Facebook sowie eine Online-Petition. 344 Leute haben bislang unterzeichnet, 248 davon wohnen eigenen Angaben zufolge in Weinstadt. „Die Location und Verpflegung waren die letzten Jahre immer perfekt für uns“, schreiben die Initiatorinnen Isabel Thümer und Sophia Kober (beide 20). Sie würden es einfach schade finden, wenn sie in diesem Jahr die EM nicht mit vielen anderen Fans in Weinstadt angucken könnten. Doch ihre Chancen stehen nicht gut: Die Remstalkellerei hat beschlossen, trotz der Unterschriftenaktion in diesem Jahr kein Public Viewing anzubieten.

Kein leichter Schritt

Laut Albrecht Schurr, dem Leiter der Direktvermarktung bei der Genossenschaft, gibt es ein ganzes Bündel von Gründen, die zu der Absage führen. Leicht sei dieser Schritt nicht gefallen. „Ich habe es mir lange überlegt, mit den Vorständen gesprochen – wir haben es ja immer gerne gemacht“, sagt der umtriebige Marketingmann, der an sich ja immer für gute Werbung zu haben ist – und das war das Public Viewing für die Remstalkellerei ohne Zweifel. Sie erreichte so jüngere Schichten, gerade die 20- bis 25-Jährigen, die eher nicht zu den klassischen Weintrinkern gehören. Schließlich wurde bei den Fußballübertragungen in der Remstalkellerei kein Bier ausgeschenkt, sondern eben Wein – und natürlich nicht in Flaschen, sondern stilgerecht in Gläsern. Laut Albrecht Schurr hat die Remstalkellerei so auch versucht, problematisches Publikum, sprich „Hooligans und Randalierer“, gar nicht erst anzulocken. Fußballgucken in der Remstalkellerei sollte immer auch ein Erlebnis für die ganze Familie sein. „Das war und ist unser Ziel.“

Vom Verlauf der Public Viewings hängt eben auch der Ruf der Remstalkellerei in Weinstadt ab. Als 2014 beim WM-Finale durch einen technischen Defekt für fast 20 Minuten der Strom ausfiel, randalierten frustrierte Fußballfans draußen in der Nachbarschaft. „Da haben die Anwohner gesagt: Es ist uns zu viel des Guten“, sagt Albrecht Schurr. Damals habe die Remstalkellerei die Sicherheitsauflagen der Stadtverwaltung erfüllen können – aber eben nur knapp. Heißt: Die Sorge, dass die Verantwortlichen der Stadt die Veranstaltung mittendrin absagen, war durchaus real. „Die Gefahr ist immer da, dass der Stecker gezogen wird.“ Passiert ist so was Ähnliches ja schon mal 2013 bei der Nacht der Keller, als der Kuhnle-Keller in Strümpfelbach geschlossen wurde. Dazu kommt: Public Viewings sind für die Remstalkellerei nach eigenen Angaben kein großes Geschäft – allerdings ist der Aufwand immens.

Bei der WM 2014 konnte die Fahrzeughalle erst kurz vor den Abendspielen leergeräumt werden. Dann mussten viele Mitarbeiter in kurzer Zeit Tischgarnituren für 1000 Menschen aufbauen – und eine halbe Stunde nach Ende des Spiels gleich wieder abbauen. „Das kostet sehr viel Schweiß, sehr viel Energie“, sagt Albrecht Schurr. Dazu hat die Remstalkellerei zwölf Sicherheitsleute bereitstellen müssen, auch das ist natürlich mit Kosten verbunden. Dies alles nun aufgrund der Online-Petition kurzfristig zu organisieren hält Albrecht Schurr nicht für vertretbar. Er sagt sich: Wenn die Remstalkellerei so was macht, dann muss alles mit genug Vorlaufzeit geplant werden.

Auch die Idee, in eine Kelter in anderen Ortsteilen auszuweichen, hat die Remstalkellerei wieder verworfen. In die Strümpfelbacher Kelter passen laut Schurr beispielsweise nur 100 bis 150 Leute – also viel weniger als in die Fahrzeughalle in Beutelsbach, in der rund 1000 Menschen Platz finden. Auch sei die Belastung für die Nachbarn dort noch höher.

Albrecht Schurr tut es für die Unterzeichner der Petition sehr leid, dass das Public Viewing in diesem Jahr nicht stattfinden kann – aber er bittet angesichts des Zeitdrucks (die EM beginnt am 10. Juni) um Verständnis. „Es wäre Harakiri gewesen.“