Waiblingen

EM im eigenen Fußballstudio

Schland_0
So freuen sich Annette und Werner Fülop (5. und 6. von links) mit ihren Gästen, der Familie Stoll (links) und Elke Schröckhaas (rechts). © Ramona Adolf

Kernen-Rommelshausen. Ein Wohnzimmer im Fußballfieber: Werner Fülop hat sich ein privates EM-Studio eingerichtet. Dort verfolgt er mit Verwandten und Freunden, Stadionwurst und Motto-Snacks die Deutschlandspiele. Gerade um die Gäste geht es: „Ich mache das nicht nur für mich, sondern weil sich andere daran freuen.“

Bei Familie Fülop kommt die EM nach Hause ins eigene Wohnzimmer - den Nachbarn gefällt's.

Ein Wohnzimmer im Fußballfieber, Schwarz-Rot-Gold so weit das Auge reicht: Mit schalkhaftem Blick und leisem Stolz führen Werner und Annette Fülop durch ihr privates EM-Studio im Neubaugebiet Rosenäcker. Zu sehen gibt es einiges: Quer durch den Wohnbereich des ausladenden Ess- und Wohnzimmers sind deutsche EM-Wimpel gespannt. An den Wänden und Fenstern hängen Fußballflaggen, Trikots. Dazwischen, darunter, drum herum findet sich eine Unzahl von Kleinigkeiten. Trillerpfeifen, Luftballons, Perücken, Hüte, Kerzen, Strohhalme, Trommeln, Tröten, sogar ein Gartenzwerg und ein Quietscheentchen: alles in den deutschen Nationalfarben.

Schon zum zweiten Mal hat Werner Fülop, ehemaliger Spieler und Trainer in der Fußballabteilung der Sportvereinigung Rommelshausen und bekennender Deutschland- und VfB-Fan, die heimische Fernsehecke zum Turnierstudio umdekoriert.

Die Idee entstand 2014 eher zufällig anlässlich der WM in Brasilien. „Wir haben einen Vorbericht angeschaut, aus einem tristen WM-Studio, mit Blick auf die Copacabana“, erinnert sich Werner Fülop. „Da hab ich gesagt: Das können wir besser!“

Ein Statement gegen triste Fernsehstudios

Aus scherzhafter Kritik wurde kreativer Ernst: In einem Ein-Euro-Laden fand Fülop ein umfangreiches Angebot an Fanartikeln. „Als ich mit zwei Körben wieder herauskam, war meine Frau erst mal entsetzt“, gesteht er. Annette Fülop hat sich jedoch schnell mit der neuen Dekoration angefreundet. „Mein Mann war schon immer fußballverrückt“, berichtet sie mit einem Lachen. „Da kommt man schnell rein. Und das Studio ist spaßig. Es sind ja auch nur vier Wochen.“

Das Fußballstudio ist immer weiter gewachsen. Familie Fülop selbst kauft Deko-Objekte zu, viel bekommt Werner Fülop auch von Besuchern geschenkt. Erst in den vergangenen Wochen kam als Gastgeschenk ein Ball hinzu, der nun auf der Wohnwand ruht. Ebenso neu und Anlass für Gelächter: ein singender, torjubelnder und fahneschwingender EM-Spitzhut. Die Vielfalt der Accessoires erstaunt selbst Werner Fülop immer wieder: „Ich entdecke ständig Neues, ich bin oft überrascht, was es hier alles gibt.“

Und nicht nur er. Auch seine Gäste haben immer wieder allerlei zu entdecken. Gut ein Dutzend Personen versammeln sich regelmäßig zu Deutschland- und Finalspielen im Fülop’schen EM-Studio, mal mehr, mal weniger. Befreundete Nachbarn, Kollegen, Familie und Verwandte, mitgebrachte Überraschungsgäste. „Das bestätigt mich dann natürlich auch. Das ist dann ein richtiges Event. Da merkt man, dass es den anderen gefällt“, freut sich Werner Fülop. Und brät umso lieber Stadion-Wurst für alle.

Und umso mehr tut es ihm leid, dass sein Fußballstadion 2014 ausgerechnet zum WM-Finale geschlossen bleiben musste. Aber alle Termine können und wollen Fülops auch nicht hinter dem Fußball zurückstellen. Es steckt eben auch Aufwand dahinter. „Immer würde ich das Studio nicht haben wollen“, ist die einhellige Meinung des Ehepaars. „Man sieht sich ja auch daran satt“, sagt Werner Fülop. Drei Tage Vorlauf zum Dekorieren, Spielzeit, kurz nach dem Finale der Abbau: „Das reicht dann wieder für die nächsten zwei Jahre.“

Annette Fülop weiß indessen zu berichten, dass das heimische Fußballstadion bereits Nachahmer im Ausland hervorbringt. „Schweizer Freunde und das Patenkind von meinem Mann haben angefangen, ihre Wohnung zu dekorieren“, sagt sie. Lacht auf. Und ergänzt: „Aber nicht so verrückt wie wir.“

Stimmen zum Studio

Nachbarstochter Lara Stoll ist begeistert von der Stimmung: „Es gibt immer viele Meinungen und eine witzige Dynamik. Dazu die Stadionwurst – das ist dann richtiges Stadionfeeling.“

Ihr Vater Joachim Stoll findet: „Egal wie’s ausgeht, wir haben immer Spaß. Jeder macht volle Pulle mit, als ob’s das Eigene wäre.“

Lärmbeschwerden von der Nachbarschaft gab’s noch nie: „Wir achten ja darauf, dass es nicht zu laut rausdröhnt“, sagt Annette Fülop.