Waiblingen

"Endlich wieder mehr Freiheiten": Schülerinnen aus Waiblingen erklären, wieso sie sich gegen Corona impfen lassen wollen

Impftruck
Der Piks in den Arm bedeutet für viele Jugendliche vor allem: Wieder mehr Freiheit. Sie wollen aber auch Ältere schützen. © ALEXANDRA PALMIZI

Lena und Laura sind 17 Jahre alt und gehen in Waiblingen zur Schule. Sie und ihre beiden besten Freundinnen Lilly (18) und Melina (16, alle Namen geändert) haben mit uns über die Corona-Impfung für Jugendliche gesprochen. Das Gespräch fand draußen im Grünen statt - hier haben sich die vier Freundinnen seit letztem März regelmäßig getroffen. Auch wenn das zeitweise eigentlich gar nicht erlaubt war.

Dabei sei es keinesfalls so, dass ihnen die Corona-Regeln egal seien, sagt Lena: „Wir nehmen die Regeln eigentlich sehr ernst.“ Ihre Freundinnen nicken. Doch ganz ohne die besten Freundinnen geht es für sie einfach nicht. „Wir waren immer nur wir vier“, erklärt Lilly. Neue Leute kennengelernt oder andere Freundschaften vertieft haben die vier Mädchen seit Beginn der Corona-Pandemie praktisch nicht.

Man gewöhnt sich ans Alleinsein

Das fehlt ihnen sehr - und hat auch jetzt schon Auswirkungen auf ihre Psyche, glauben die Jugendlichen. Besonders stark fühlt die 17-jährige Laura den Effekt des Social Distancing: „Ich fand’s schlimm. Mir fiel es vor Corona schon schwer, mit Menschen umzugehen“, gibt die eher introvertierte Jugendliche zu.

Dem Ende der Pandemie blickt sie deshalb mit gemischten Gefühlen entgegen. Irgendwie habe sie sich schon sehr daran gewöhnt, viel zu Hause und viel alleine zu sein.

16 Tage Quarantäne: Kein schönes Erlebnis

Auch eine Quarantäne mit der ganzen Familie hat sie miterlebt: Für 16 Tage eingesperrt mit den Eltern und dem jüngeren Bruder - kein besonders schönes Erlebnis. „Wir haben uns irgendwann nur noch gegenseitig angemotzt und konnten uns nicht mehr sehen“, erinnert sie sich. Vor kurzem hat sie die erste Dosis Biontech erhalten, vor den Sommerferien noch soll sie die zweite Impfung erhalten.

So eine Quarantäne wird sie dann so schnell nicht mehr miterleben müssen, hofft sie (wobei Kontaktpersonen von mit der Delta- oder anderen noch nicht verbreiteten Varianten Infizierten auch in Quarantäne geschickt werden können).

Impfen lassen, damit sich etwas ändert

Auch Lena hat bereits die erste Impfung erhalten, Lilly hat einen Termin in Aussicht - nur Melina weiß noch nicht, wann es bei ihr endlich so weit sein wird. Impfen lassen möchte sich die 16-Jährige, die im Moment ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einem Kindergarten macht, aber auf jeden Fall. „Weil die Situation sonst einfach nicht besser wird, wenn die Leute sich nicht impfen lassen“, glaubt sie. „Und weil man dann einfach wieder mehr machen kann.“ Besonders, wenn jetzt der Sommer und die Ferien vor der Tür stehen.

So sehen ihre Freundinnen das auch: "Endlich wieder mehr Freiheiten", hofft die 18-jährige Lilly.  Außerdem sei es ihnen auch sehr wichtig, ältere Menschen zu schützen, fügt Lena hinzu. „Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass zum Beispiel meine Oma oder mein Opa Corona bekommt.“

Keine Angst vor der Erkrankung - vor der Impfung aber auch nicht

Angst vor der Erkrankung an sich haben die Jugendlichen dagegen eher nicht. Und über die möglichen Nebenwirkungen der Impfung haben sie durchaus nachgedacht. „Sehr intensiv sogar“, sagt Laura. Trotzdem steht für die vier Mädchen fest: Die positiven Aspekte, die die Corona-Impfung mit sich bringt, überwiegen für sie.

Die vier Freundinnen haben natürlich mit ihren Eltern darüber gesprochen, dass sie sich impfen lassen wollen. Lauras und Lillys Eltern unterstützen ihre Kinder dabei, die Impfung zu bekommen, wollen sich auch selbst impfen lassen. „Meine Mutter war anfangs skeptisch, inzwischen ist sie aber dafür“, berichtet Lena.

Die Mutter von Melina - sie ist mit 16 die Jüngste der vier - steht der Impfung für Jugendliche nach wie vor etwas kritisch gegenüber. „Aber sie hat gesagt, wenn ich das unbedingt möchte, unterstützt sie das“, sagt Melina. Sich ohne die Einwilligung ihrer Eltern impfen zu lassen, wie das in ihrem Alter grundsätzlich möglich wäre, wenn die Ärzte zustimmen, kommt für die vier Mädchen überhaupt nicht infrage.

Absichtlich mit Corona anstecken für den Status "genesen"?

Besonders seit für Geimpfte und Genesene Lockerungen gelten, fühlen sie sich als Jugendliche in der Pandemie ein bisschen außen vor gelassen: Sie habe schon hin und wieder mal mit dem Gedanken gespielt, die Abstandsregeln bewusst zu ignorieren, sich anzustecken und danach davon profitieren zu können, gibt die 17-jährige Lena zu.

Etwa zwei Wochen Quarantäne mit einem vermutlich leichten Krankheitsverlauf klingen gar nicht so schlecht, wenn man danach von so vielen Einschränkungen befreit ist.

Für die Jugendlichen geht es um weit mehr als um soziale Kontakte

Immerhin geht es für die Jugendlichen nicht nur um das soziale Leben, sondern auch um ihre Ausbildung: Melina hat vergangenes Jahr ihren Realschulabschluss gemacht - nur wenige Monate vor den Prüfungen warf die Corona-Pandemie alles gründlich durcheinander. Schon recht früh gab es in ihrer Schule Corona-Fälle, die Schule schloss für mehrere Wochen - die Prüfungsvorbereitung ging im Fernunterricht weiter.

Das sei dafür, dass die Schule darauf gar nicht vorbereitet gewesen sei, eigentlich ganz gut gelaufen, auch die Prüfungen selbst. Zwar sei die Vorbereitung natürlich weniger intensiv gewesen als eigentlich geplant. Dass ihre Abschlussnote ohne Corona wesentlich anders ausgefallen wäre, glaubt sie aber nicht.

Insgesamt fühlt Melina die Konsequenzen der Pandemie verglichen mit ihren Freundinnen noch am wenigsten, glaubt die 16-Jährige: Immerhin konnte sie ganz normal nach ihrem Abschluss ein FSJ beginnen. Einen Platz zu finden sei auch nicht besonders schwierig gewesen. Die Arbeit mit den Kindern genießt sie sehr. Hier kann sie die Ausnahmesituation mal kurz vergessen. „Die Maske setzen wir nur auf, wenn wir an die Tür zu den Eltern gehen.“

Der Online-Unterricht funktioniert nicht immer

Etwas stärker hat die 18-jährige Lilly die negativen Seiten von Home-Schooling und Co. miterlebt. Sie hat dieses Schuljahr ihre Abschlussprüfungen für die Fachhochschulreife gehabt. Dabei habe sie sich von einigen ihrer Lehrer schon ein bisschen im Stich gelassen gefühlt. Ihr Mathe-Lehrer zum Beispiel habe sich relativ früh als Corona-Leugner geoutet, den Online-Unterricht auf ein absolutes Minimum begrenzt und einfach nur Arbeitsblätter verschickt.

„Weil ihm das Internet zu teuer sei“, berichtet die Schülerin. „Gerade in einem Fach wie Mathe, wo man ja schon mal etwas erklärt bekommen muss, finde ich das schlimm.“ Die Abschlussklasse im ersten Corona-Jahr habe währendessen noch von mehreren Abschwächungen im Prüfungsablauf profitiert. Dieses Jahr gelten diese Änderungen nicht mehr: „Weil ja der Online-Unterricht mittlerweile so gut organisiert sei“, berichtet Lilly und lacht ironisch.

Lena und Laura sind 17 Jahre alt und gehen in Waiblingen zur Schule. Sie und ihre beiden besten Freundinnen Lilly (18) und Melina (16, alle Namen geändert) haben mit uns über die Corona-Impfung für Jugendliche gesprochen. Das Gespräch fand draußen im Grünen statt - hier haben sich die vier Freundinnen seit letztem März regelmäßig getroffen. Auch wenn das zeitweise eigentlich gar nicht erlaubt war.

Dabei sei es keinesfalls so, dass ihnen die Corona-Regeln egal seien, sagt Lena: „Wir

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