Waiblingen

Endlich wieder richtig Geburtstag

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Andreas Deiß aus Kernen feiert dieses Jahr seinen 13., Angelika Salzmann aus Korb ihren 14. „echten“ Geburtstag. © Jamuna Siehler

Kernen/Korb. Etwa 55 000 Deutsche können in diesem Jahr endlich wieder richtig Geburtstag feiern – denn sie sind am 29. Februar geboren. In Kernen gibt es vier, in Korb sogar neun Schaltjahr-Geburtstagskinder. Aber wie ist es eigentlich, nur alle vier Jahre richtig Geburtstag zu haben? Angelika Salzmann aus Korb findet es unangenehm, dem Stettener Andreas Deiß macht es nichts aus.

„Vor allem als Kind fand ich es blöd, an einem Tag geboren zu sein, den es nur alle vier Jahre gibt“, sagt Angelika Salzmann. Sie wird am Montag 56 Jahre alt, feiert aber erst ihren 14. „echten“ Geburtstag – sie ist am 29. Februar geboren. Die Hobbymalerin arbeitet in der Texterfassung der WKZ und wohnt in Korb, aufgewachsen ist sie im Welzheimer Wald. „Ein Nachbarsmädchen hatte dummerweise genau am 28. Februar Geburtstag, das gab natürlich Konflikte“, erinnert sich Salzmann.

Denn sie feiert schon seit ihrer Kindheit in den drei Jahren zwischen den Schaltjahren am 28. Februar Geburtstag. „An dem Tag sind natürlich alle zu meiner Nachbarin gegangen, weil sie ja richtig Geburtstag hatte.“ Deshalb am 1. März zu feiern, kam für sie aber nie infrage: „Das ist ein ganz anderer Monat, das fühlt sich falsch an“, sagt die überzeugte Februar-Geborene. Heute haben sie und ihr Mann ein Geburtstagsritual: Am 28. Februar wird um Mitternacht angestoßen. „So als kleines Bscheißerle“, sagt sie schmunzelnd.

Andreas Deiß hingegen feiert seinen Geburtstag zwischen den Schaltjahren am 1. März. Das sei schon in seiner Kindheit so gewesen, berichtet er. Mit dem Aberglauben, Vorfeiern bringe Unglück, hat das aber nichts zu tun: „Am 28. Februar war ich ja noch gar nicht auf der Welt, also feiere ich da auch nicht“, sagt der IT-Abteilungsleiter eines großen Automobilzulieferers, der in seiner Freizeit gerne mit dem Motorrad unterwegs ist. Als schlimm habe er es nie empfunden, dass es seinen Geburtstag nur alle vier Jahre gibt.

Älter wird man auch ohne Geburtstag

„Das ist nur ein Datum, und ob es den Tag nun gibt oder nicht, älter wird man so oder so“, sagt Deiß lachend. Er habe sein Geburtsdatum immer als etwas eher „Lustig-Besonderes“ wahrgenommen. Natürlich hätten die anderen Kinder früher Witze gemacht, wie „Du hast ja gar nicht wirklich Geburtstag“. Aber wirklich bedrückt habe ihn das nie, entsinnt er sich. Er könne sich wesentlich schlimmere Geburtsdaten vorstellen, beispielsweise den 1. Januar: „Da ist jeder noch verkatert und niemand hat Lust zu feiern“, ist Deiß überzeugt. Am Montag wird Deiß 52 Jahre alt. Seinen 13. „echten“ Geburtstag wird er aber nicht besonders groß feiern: Übers Wochenende fährt er mit seiner Frau und den beiden Kindern zum Skifahren, am Sonntagabend wird dann reingefeiert. Für den engeren Bekanntenkreis soll es am Montagabend eine kleine Feier in gemütlicher Runde geben. „Aber auch da kommen schnell mal 20 oder 25 Leute zusammen“, sagt Deiß, der ehrenamtlich auch die Abteilung Fußball des TV Stetten leitet.

Angelika Salzmann wird ihren Geburtstag etwas ruhiger verbringen: Mit ihrem Mann, ihrer Tochter, den Schwiegereltern und der Schwägerin geht es zum Pizzaessen beim Italiener. „Ich muss am Montag arbeiten, da hab' ich mir gedacht, das gönn' ich mir dieses Jahr“, sagt Salzmann. Denn für sie ist der Tag etwas Besonderes: „In den Jahren dazwischen fehlt einfach was, das ist unbefriedigend. Alles andere sind doch nur Behelfslösungen.“ Hinzu komme, dass auch langjährige Bekannte immer wieder nachfragten, wann sie denn nun gratulieren dürften – ob am 28. Februar oder am 1. März. Sie habe sogar eine Tante gehabt, die habe ihr in regulären Jahren nie gratuliert. „Sie hat darauf bestanden, dass es den Tag dann nicht gibt“, erinnert sie sich.

Auch Deiß hat Kurioses über Gratulanten zu berichten: „Klar, Nachfragen kommen immer. Und ich habe einen Bekannten, der mir regelmäßig am 1. April gratuliert, weil er nur im Kopf hat, dass ich irgendwie an einem besonderen Datum Geburtstag habe.“ Aber darüber könne er lachen. Und auch Salzmann hat eine nette Anekdote über ihren ungewöhnlichen Geburtstag zu erzählen. „Meine Tochter wird jetzt 19 und manchmal sagt sie: Meine Mama ist eigentlich jünger als ich.“

Einig sind sich Deiß und Salzmann darüber, dass ihr Geburtstag ein Datum ist, das sich sofort einprägt – zumindest den meisten. Richtig groß feiern wollen beide ihren 60. – oder besser 25.? – Geburtstag. „Das ist ein runder Geburtstag, der auch noch auf einen echten 29. Februar fällt“, sagt Deiß. „Das ist dann schon wirklich etwas Besonderes“, ist auch Salzmann überzeugt. „Spannend wird vielleicht auch der 80., also gleichzeitig der 20.“, sinniert Deiß. Das wären dann zwei runde Geburtstage auf einmal, das müsse schon ein großes Fest geben. Aber bis dahin müssten noch fast 30 Jahre vergehen. Das plane er jetzt noch nicht. Denn: „Ich lebe im Heute.“

Wieso gibt es überhaupt Schaltjahre?

Ein „normales“ Jahr hat 365 Tage. Die Erde benötigt aber 365,24 Tage, um die Sonne einmal zu umrunden.

Alle vier Jahre ist also fast ein ganzer zusätzlicher Tag nötig, um diese Differenz auszugleichen. Schaltjahre haben deshalb 366 Tage.

Weil viermal 0,24 Tage aber nicht exakt einen Tag ergeben, muss es wiederum einen Ausgleich geben. Deshalb gilt als Ausnahme von der Vier-Jahres-Regel: Jahrhundertwenden sind keine Schaltjahre, außer sie sind durch 400 teilbar. Das Jahr 2000 war also ein Schaltjahr, die Jahre 2100, 2200 und 2300 werden keine sein – 2400 wird wieder ein Schaltjahr.

Die verbleibenden, minimalen Differenzen werden durch das Einfügen von sogenannten Schaltsekunden ausgeglichen – im Schnitt alle 18 Monate.

Dass den Schaltjahren ausgerechnet der 29. Februar hinzugefügt wird, geht auf den Julianischen Kalender zurück, der bis zur Einführung unseres heutigen Gregorianischen Kalenders verwendet wurde. In jenem endete das Jahr im Februar – Neujahr war also am 1. März.

Erkennbar ist das noch an den heutigen Monatsnamen September bis Dezember – der September ist von März an gezählt der siebte Monat, der Dezember der zehnte.