Waiblingen

Endlich wieder singen im Schwanen: So war der Abend mit Patrick Bopp unter Corona-Bedingungen

Offenes Singen
Gab alles: Patrick Bopp. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit bereits vier Jahren gibt es im Schwanen einmal monatlich das offene Singen mit Patrick Bopp von den „Füenf“. Das niederschwellig motivierende Motto: „Aus voller Kehle für die Seele“. Die Sache wurde ein voller Erfolg. „Wir hatten beim ersten Mal für vorsichtig 70 Leute bestuhlt“, erinnert sich Cornelius Wandersleb. „Aber es kamen jedes Mal so um die 200 Leute!“

Und nun? In Zeiten von Corona? Bei der Wiederaufnahme des „Singens für alle“ waren 20 Stühle mit großem Abstand im großen Saal verteilt. Insgesamt 18 Sangeslustige hatten sich dann eingefunden. Da scheint es unwahrscheinlich, dass irgendwie eine ausgelassene Stimmung aufkommen könnte. Sollte man denken.

Nicht so mit einem Entertainer und Vollprofi wie Patrick Bopp, der am Klavier von der Bühne aus alles gab, grad so, als ob der Saal voll gewesen wäre. Und es dauerte nicht lange, bis da vom Publikum tatsächlich herzinnig, ja selig und beglückt mitgesungen wurde. Ein rührender Klang, ein bewegendes Bild.

Gesungen wurde zweimal 40 Minuten lang (mit Lüftungspause) die tief in der kollektiven Erinnerung eingesenkte, maximal gefühlsgetränkte Hitparade mit so unsterblichen Schlagern wie „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ von Gitte aus dem Jahr 1963; oder so Seemanns-Sachen wie „My Bonnie is over the Ocean“, das man zum ersten Mal im Englischunterricht anzustimmen lernte.

Aus „Quantanamera“ wurde durch Patrick Bopps locker synkopiertes Pianospiel ein swingendes Buena-Vista-Social-Club-Gedenken. Und ach, bei „Hey Jude“ fiel einem sogleich das Geburtstagsfest vor einem halben Jahrhundert ein, auf dem man zu diesem Lied zum ersten Mal eng umschlungen mit der Nachbarstochter tanzte. Wieder und wieder und wieder. „Ach ...!“

Aber genauso muss das sein. Niederschwellig eben. Kurz vor dem Dammbruch zurückgestauter Emotionen. Und dazu kommt, erklärt Cornelius Wandersleb das umwerfend attraktive Konzept dieses „Singens für alle“: „Hier musst du keine Angst vor Falschsingen haben. Es gibt kein Lernen. Nichts wird vorher geübt.“ Außerdem werden für Textunsichere die Song-Lyrics an die Bühnenwand projiziert.

„Eine total positive Veranstaltung voller Freude“, fasst Schwanen-Techniker Bertold Becker bündig zusammen. Aber auch eine Veranstaltung, so wiederum Wandersleb, „die am schwierigsten unter Coronabedingungen durchzuführen ist“. Becker: „Die schärfsten Coronamaßnahmen müssen eingehalten werden.“ Das macht diese kleineren Veranstaltungen dann auch personalaufwendiger, etwa beim Einlass, der zugleich Plätze anweisen muss.

Aber Not macht auch kreativ. Um mehr Leute wenigstens daheim zu erreichen, war die Veranstaltung live über Streaming auch auf einem Youtube-Kanal zu sehen. „Da hat sich was getan“, freut sich Bertold Becker: „Über 200 Leute haben sich da getummelt, davon immerhin 50 Dauergäste.“ Es gab viele ermutigende Kommentare.

Und das wird man angesichts einer ungewissen Zukunft auch im Schwanen weiterhin brauchen. „Es ist aber immer wieder auch spannend“, nimmt es Cornelius Wandersleb sportlich. Und ganz wichtig: „Wir selber sind gut drauf im Team. “

Aber die „Milchkühe“, die dem Schwanen Geld gebracht haben, wie etwa die Disco, fallen gerade völlig aus. Ein eigenartiges Erlebnis war, als die Musikschule zwischenzeitlich die Kursräume des Schwanen für Einzelunterricht anmietete. Das ganze Haus war an allen Ecken und Enden am Klingen.

Das Jubiläumsgastspiel von „Hiss“ am 6. November findet statt

Auch das Theater-Projekt „Café Babel“, das im Mai hätte Premiere haben sollen, wird stattdessen nun im Dezember zur Aufführung kommen. Ein Projekt das Wandersleb am Herzen liegt, umso mehr es auch, wie er weiß, für alle Beteiligten „emotional sehr wichtig ist“. Teilweise hatte man im Sommer in kleinen Gruppen auf dem Feld geprobt, um die Sach' beieinanderzuhalten. „Es ist gut, dass das runtergezoomt weiterging.“

Kontinuität und Verlässlichkeit übt der Schwanen auch sonst, etwa im Umgang mit seinen Künstlern. So habe, erzählt Wandersleb, die Agentur der Band „Hiss“ angerufen, ob denn nun das Gastspiel zur Jubiläumstour am 6. November stattfinde. Andere Tourdaten der Band in Stadthallen wurden per Mail, ohne Gespräch, von den Veranstaltern einfach abgesagt.

Anders im Schwanen: „Was vertraglich vereinbart wurde, gilt.“ Also die zugesagte Gage trotz der nur 60 zugelassenen Leute im Saal.

Für die Zukunft wird im Schwanen überlegt, so viele Veranstaltungen wie möglich im Freien durchzuführen Ein Bühnenkonzept ist schon erarbeitet worden. „Wir sind guter Dinge und versuchen alles.“

Seit bereits vier Jahren gibt es im Schwanen einmal monatlich das offene Singen mit Patrick Bopp von den „Füenf“. Das niederschwellig motivierende Motto: „Aus voller Kehle für die Seele“. Die Sache wurde ein voller Erfolg. „Wir hatten beim ersten Mal für vorsichtig 70 Leute bestuhlt“, erinnert sich Cornelius Wandersleb. „Aber es kamen jedes Mal so um die 200 Leute!“

Und nun? In Zeiten von Corona? Bei der Wiederaufnahme des „Singens für alle“ waren 20 Stühle mit großem Abstand im

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