Waiblingen

Engagierte türkische Frauengruppe aus Waiblingen

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Mitglieder der Frauengruppe „El Ele“ treffen sich dienstagvormittags in Waiblingen und tauschen sich aus. © Palmizi/ZVW
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Frauengruppe El-Ele
Emine Kara (links) hat den Frauentreff vor vierzehn Jahren gegründet. © ALEXANDRA PALMIZI

Waiblingen. Mehr als 15 türkische Frauen treffen sich regelmäßig dienstags in der Waiblinger Arbeiterwohlfahrt. Seit 2004 organisieren sie Kurse, kochen für gute Zwecke und nehmen an Kulturveranstaltungen teil – Hand in Hand, wie der Name „El Ele“ übersetzt bedeutet. Das Motto der Frauengruppe: Jeder ist willkommen, jedem wird geholfen.

In einem bauchigen türkischen Teeglas servieren die Frauen der Gruppe „Ele Ele“ warmen Schwarztee – ein Zeichen der Gastfreundschaft. „Komm. Wer du auch immer bist“, ist ihr Motto. Es handelt sich dabei um ein Zitat des persischen Mystikers Rumi, der in der türkischen Kultur auch als Mevlana bekannt ist.

„Eine Frauengruppe dieser Art muss in Waiblingen sein. Damit die Frauen eine Anlaufstelle haben, sich ein soziales Umfeld aufbauen und auch erfahren können, was für Möglichkeiten es in ihrem Umfeld gibt“, sagt Emine Kara, die Gründerin und Leiterin der türkischen Frauengruppe. Die Mitglieder kommen aus Waiblingen, Rommelshausen, Stetten, Fellbach und Umgebung.

"Hier wird nicht über Politik gesprochen"

Sie zeigt auf die Veranstaltungsfotos an der Wand: eine Art Fotogalerie. Zu sehen sind Preisverleihungen, Aktionsstände, Buffets und mehr. Nur ein kleiner Teil der Veranstaltungen, bei denen „El Ele“ mitgewirkt hat. Für alle Mitglieder steht im Vordergrund, Freundschaften zu schließen, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Deshalb wird innerhalb der Gruppe einiges mit Vorsicht behandelt. „Hier wird nicht über Politik gesprochen. Jeder darf seine eigene Meinung vertreten. Aber hier wird sie nicht geäußert. Um weiter in guter Beziehung bleiben zu können, muss das auch so sein“, sagt Kara. Und trifft auf nickende Zustimmung der anwesenden Frauen.

El Ele kocht und organisiert Buffets für einen guten Zweck

„El Ele“ ist weder ein Verein, noch gehört die Gruppe einer Gemeinde an. Dennoch hat sie Vereinscharakter. Seit mehreren Jahren sind die Frauen unter dem Namen „Hand in Hand“ vereint. 2004 hat Emine Kara den Frauenkreis im Verein Türkisches Zentrum Waiblingen gegründet. Von Anfang an gab es besondere Angebote: zu Beginn beispielsweise Deutschkurse. Seit 2008 ist die Gruppe unabhängig vom Verein und eigenständig. Da Kara mit der Awo in guter Beziehung stand, boten sich deren Räumlichkeiten als neuer Treffpunkt an.

Seitdem treffen sich die Frauen dienstagvormittags bei der Awo. Beim Frühstücksbuffet sprechen sie sowohl über Alltagsthemen als auch über Probleme. Sie versuchen, für jedes Anliegen einen Rat zu finden.

Mit dem Engagementspreis ausgezeichnet

Noch immer ist die „El Ele“ sehr aktiv und engagiert. Im Gespräch fällt der Leiterin erst nach und nach ein, wo sie als Gruppe mitgewirkt haben – die Liste ist schlicht zu lang. Die Frauen nehmen an Veranstaltungen teil, organisieren aber auch eigene. Sie kochen und backen gemeinsam türkische Spezialitäten und verkaufen sie für einen guten Zweck. In Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum Karo organisieren sie in bestimmten Abständen einen türkischen Brunch. Die Einnahmen werden jedes Jahr gespendet, diese Jahr an die Krebshilfe Sonnen-Stunden.

2016 hat Oberbürgermeister Andreas Hesky die Gruppe für ihre vielfältigen Wirkungsfelder mit dem Engagementspreis ausgezeichnet. Noch im selben Jahr erhielt die Gruppe eine Förderung von der Sparkasse. Die Preisgelder hat die Gruppe weitergespendet.

Vermittlung und Repräsentation der türkischen Kultur sind wichtig

Das, was die Frauen können, darf nicht nur auf das Kochen reduziert werden. „Wenn die türkische Kultur in Waiblingen vorgestellt werden soll, dann sind wir meistens die Ansprechpartner dafür“, sagt Kara. „Es ist sehr wichtig, die eigene Kultur richtig zu repräsentieren und zu vermitteln.“ Unter diesem Aspekt nahmen die Frauen an vielen Projekten teil. Daneben begleiten sie interkulturelle Veranstaltungen der Stadt Waiblingen. An die Darbietung der kulturellen Folkloretänze zum Beispiel erinnern sich alle Frauen gerne: „Wir haben sogar einen türkischen Henna-Abend inszeniert.“ Im Rahmen der Seminarreihe „Älter werden in Deutschland“ für türkische Senioren haben sie am Programm des DRK und an der Produktion eines Lehrfilms teilgenommen.

Was machen die Frauen für sich? Die Frauen gehen gemeinsam schwimmen oder machen Tagesausflüge. „Früher haben wir hier Deutsch gelernt und jemand hütete unsere Kinder“, sagt eine Teilnehmerin. Damals wurden viele Kurse angeboten: Alphabetisierung-, Koch-, Näh- und Computerkurse. Noch immer gibt es Programme für Kinder und Jugendliche: von Drogenprävention bis zur Berufsorientierung.

Ein durchschnittliches Alter der Frauen zu bestimmen, ist schwierig. Auf die Frage antworten sie erneut mit einem türkischen Sprichwort: „Von sieben bis siebzig.“


Termine

Interessierte Frauen können die El- Ele-Gruppe dienstags von 9.30 bis 13 Uhr bei der Awo Waiblingen im Bürgermühlenweg 11 besuchen.

Der nächste türkische Brunch für einen guten Zweck findet am Sonntag, 18. November, von 11 bis 13.30 Uhr im Familienzentrum Karo (Alter Postplatz 17) statt.