Waiblingen

Entscheidung über Gewa-Tower vertagt

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Unverändert seit Oktober: Der Gewa-Tower. © Ramona Adolf

Fellbach/Waiblingen. Im Vorfeld der für Dienstag anberaumten Gläubigerversammlung zum Gewa-Tower knistert’s im Gebälk. Nach einem Streit über den kurzfristigen Termin wird doch kein Beschluss gefällt, welcher Investor das Hochhaus am Rande Fellbachs weiterbauen darf. Stattdessen wird ein Gutachten über die Qualität des Turms gefordert.

Der Anblick des höchsten Rohbaus der Region wird den Waiblingern wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Aus der für Dienstag angepeilten Entscheidung, welcher der zwei Investoren den Gewa-Tower übernehmen darf, wird erst einmal nichts. Auslöser für die Verschiebung ist eine Terminfrage, doch die Zweifel, ob die Zeit für eine Entscheidung über die Zukunft des Turms reif ist, reichen tiefer. Auf 25. April hatte, wie berichtet, die Rödl Treuhand Steuerberatungsgesellschaft zur Anleihegläubigerversammlung eingeladen. Die Einladung haben viele Anleger jedoch erst nach Ostern erhalten – unter anderem der Deutsche Mittelstandsanleihenfonds, der einen Großteil der Anleger vertritt. Die Zeit für die Anleger, sich den zur Teilnahme erforderlichen Nachweis der Bank zu besorgen, war somit knapp bemessen. Aus Sicht der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger zu knapp: Sie drohte diese Woche sogar, die Beschlussfähigkeit durch einen Aufruf an die Mitglieder, der Versammlung fernzubleiben, zu verhindern. Rechtsanwälte haben nun bestätigt, dass die Einladung nicht fristgerecht erfolgte und etwaige Beschlüsse anfechtbar wären. Nun herrscht offenbar Einvernehmen, dass am Dienstag keine Beschlüsse gefasst werden.

Gutachten soll im Bedarfsfall zur Beweissicherung dienen

Jetzt soll die einberufene Gläubigerversammlung als Informationsveranstaltung über den aktuellen Sachstand stattfinden. Nach Rücksprache mit seinen Anwälten erfuhr der Mittelstandsfonds, dass eine neue Versammlung einberufen werden soll. Ob diese Versammlung als Präsenzveranstaltung oder im schriftlichen Verfahren durchgeführt wird, soll noch entschieden werden. Bei der neuen Versammlung werden zwei aus Sicht der Anleger „elementare Tagesordnungspunkte“ aufgenommen: Zum einen soll ein neuer Gläubigervertreter bestimmt werden, zum anderen soll ein Sachverständiger beauftragt werden, um den Leistungsstand des Bauwerks zu untersuchen. Das Gutachten sei eine Voraussetzung für die Investoren zur Weiterführung des Gewa-Projekts. Außerdem hätten die Gläubiger damit eine wichtige Grundlage an der Hand, um die Angebote der Investoren seriös prüfen zu können. Nach Angaben des Mittelstandsfonds machen beide Investoren die Übernahme vom Vorliegen des Gutachtens abhängig. Es soll auch zur Beweissicherung dienen, damit im Bedarfsfall Mängel angezeigt und Regressansprüche gestellt werden können. Eine Zusammenarbeit mit dem bisherigen Generalunternehmer Baresel lehnen die Investoren einhellig ab. Dieser erwecke nicht den Eindruck, an Schadensminimierung interessiert zu sein, hieß es.

Hotel-Verkauf kann eventuell rückgängig gemacht werden

Zur Debatte steht auch der im Herbst noch durch die Gewa-Projektgesellschaft erfolgte Verkauf des Hotels am Fuß des Turms. Abschließende Gespräche mit dem jetzigen Hotelinvestor und dem Hotelbetreiber stehen noch aus. Offenbar hat der jetzige Hotelinvestor aber in Aussicht gestellt, von dem Kaufvertrag zurückzutreten. Damit wäre der Weg frei für andere Hotelinvestoren. Aus Sicht der Anleger sollte ein neuer Verkauf so abgeschlossen werden, dass der Investor schon während des Baufortschrittes für bereits erbrachte Leistungen zahlt. So würde Geld ins Bauprojekt fließen, um es erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Die Gewa hingegen hatte das Hotel in einem „Forward Deal“ verkauft, bei dem der Investor erst das schlüsselfertige Hotel zahlt. Dabei hätten die Bauherren Mark und Michael Warbanoff solche Teilzahlungen des Hotelinvestors gut gebrauchen können.

Anleihegläubiger wollen regelmäßig über den Fortschritt informiert werden

Sowohl Investoren und der Mittelstandsfonds wollen einen neuen Anleihegläubigervertreter bestellen. In einem regelmäßigen Reporting wollen die Anleihegläubiger über den Fortschritt informiert werden. „Nur so lassen sich nach Einschätzung der neuen Investoren und der Anwälte auch das Vertrauen und die Seriosität in das Gewa-Bauprojekt zurückgewinnen“, schreibt der KFM-Mittelstandsanleihenfonds. Aufgrund der Marktmissbrauchsrichtlinie und der Gefahr, dass die Gewa-Anleihe zum Spielball von Spekulanten wird, könne über weitere Einzelergebnisse nicht berichtet werden. „Erst auf der Grundlage des Gutachtens und der abschließenden Verhandlungen mit dem Hotelinvestor und dem Hotelbetreiber kann eine Gesamtlösung präsentiert werden.“

Gewa 5 to 1

35 Millionen Euro der Kosten für den Gewa-Tower, insgesamt rund 61 Millionen, sollten über eine Anleihe der „Gewa 5 to 1“-Projektgesellschaft finanziert werden. Nach der Insolvenz stürzte der Kurs der Anleihe ab, am Freitag lag er bei 36 Prozent.

In einem Anlegerforum unkt ein Kommentator: „Nach Abzug aller Insolvenzkosten und Tralala wird es wohl auf 5 to 1 hinauslaufen. Für fünf Euro gibt’s dann noch einen.“

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