Waiblingen

Erdbeeren fehlt Zucker

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© Schneider / ZVW

Weinstadt/Schorndorf. Mathias Kilburger schaut jeden Tag gen Himmel. Von Tag zu Tag besorgter. Den „süßen Früchtchen“, wie Erdbeeren genannt werden, fehlt der Zucker, sagt der Erzeuger von Obst- und Beerenfrüchten aus Beutelsbach. Regen, Regen, Regen. Seit Wochen. Die Wetteraussichten verheißen vorerst keine Besserung.

„Du lebst vom Wetter“, weiß der Landwirt Mathias Kilburger. Ja, durchaus: Er habe auch schon Bilderbuchjahrgänge erlebt, in denen alles stimmte. Aber in den vergangenen Jahren sei das Wetter immer extremer geworden. Im trockenen Jahr 2015 schaute er vergeblich nach Wolken; 2016 ist glatt das Gegenteil der Fall. „Zu viel des Guten“, sagt Kilburger auf die Frage, wie es seinen Erdbeeren gehe. Immerhin stünden die Felder nicht unter Wasser wie im Badischen, wo den Landwirten die Erdbeerernte abgesoffen ist. Doch er schlägt sich aufgrund der Feuchtigkeit mit Fäulnispilzen herum, was dazu führt, dass die Erdbeeren nicht so haltbar seien. Weil die Sonne nicht scheint, können die Pflanzen keinen Zucker entwickeln.

„Nervig, ätzend“, sagt Margret Grünwald aus Waiblingen-Hohenacker über die Ernte der Erdbeeren. Die Felder sind matschig, viele Früchte faulig und müssten aussortiert werden. Und dann die Schnecken! „Eine Invasion!“ Fast mit Wehmut erinnert sie sich ans Vorjahr, als die Erntehelferinnen an keinem einzigen Tag Regenkittel benötigten und die Felder bewässert werden mussten. Nicht nur den Landwirten vergeht bei dem Wetter die Lust auf Erdbeeren, sondern offenbar ist auch den Kunden der Spaß vergangenen. Die Nachfrage sei eher schleppend.

Keine guten Aussichten gibt es auch für die Himbeeren. Sie reagieren noch empfindlicher als Erdbeeren auf Feuchtigkeit. Und auch für Kirschen sind die Aussichten eher schlecht. Bei den Frühkirschen seien bereits 80 Prozent der Ernte kaputt, sofern sie nicht unter Folie gedeihen. Reife Kirschen platzen auf, wenn es auf sie regnet.

Etwas hoffnungsvoller als auf den Beerenfeldern sieht es auf den Äckern mit Getreide aus. Georg Enssle, Leiter des Geschäftsbereiches Landwirtschaft im Landratsamt Rems-Murr, sieht die Ernte nicht gefährdet. Vereinzelt sei Getreide vom Regen niedergedrückt. Bei der Wintergerste, deren Ernte Ende Juni, Anfang Juli beginnt, könnte der anhaltende Regen für Fäulnis sorgen. Beim Sommergetreide oder beim Raps sieht er noch keinen Grund zur Sorge.

Schon etwas mehr Sorgen bereitet den Milchbauern, dass sie in diesem Jahr noch kein Heu einfahren konnten. Zur Heuernte seien mindestens fünf Tage mit stabilem Wetter notwendig. Trockene Tage, wohlgemerkt. Allerdings sorgt bei den rund 280 verbliebenen Milchbauern im Rems-Murr-Kreis derzeit vor allem der Preis für die Milch für tiefe Sorgenfalten. Gerade hat die Hohenlohische Molkerei den Preis nochmals um zwei Cent pro Liter gesenkt, so dass sie nur noch rund 25 Cent inklusive Mehrwertsteuer bekommen. „Selbst der größte Betrieb legt bei diesen Preisen drauf“, sagt Enssle. Die Landwirte leben von der Substanz. Und viele von ihnen haben auch keine Alternative, auf Getreide oder Mais umzustellen. Denn Grünland, also Mäh- und Streuwiesen sowie Weiden, müssen Grünland bleiben, weist Enssle auf das Grünlandumbruch-Verbot hin. „Der Milchmarkt muss sich bereinigen“, sagt Enssle. Aber keiner wisse wie. Keine Frage ist für ihn, dass sich die Milchwirtschaft mit der Aufhebung der Kontingente in den eigenen Finger geschnitten hat.

Schaltjahr/Kaltjahr

„Schaltjahr ist Kaltjahr“, heißt eine alte Bauernregel. 2016 scheint diese Regel zu bestätigen. Doch haben die Wetterfrösche von wetteronline.de nach einem Blick in ihre Statistik festgestellt: „Mit der Ausnahme von 1996 waren die kältesten Jahre der letzten 30 Jahre allesamt keine Schaltjahre!“ Es gebe keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen einem Schaltjahr und der mittleren Jahrestemperatur.

Aufgrund des anhaltenden Regens geht die Hochwasservorhersagezentrale in den nächsten Tagen von einem steigenden Pegel der Rems aus. In Schorndorf könnte der Wasserstand am Freitagmittag nahe zwei Meter sein. Dies ist allerdings weit entfernt von einem Hochwasser.

Die Wetterfrösche sehen fürs Wochenende und auch für die nächste Woche keine grundlegende Besserung voraus. „Am Rande eines Tiefs über den Britischen Inseln gelangt mit einer südwestlichen Strömung mäßig warme und feuchte Meeresluft nach Baden-Württemberg“, schreibt der Deutsche Wetterdienst über die Aussichten für die nächsten Tage.

Das aktuelle Wetter im Rems-Murr-Kreis und die Vorhersagen gibt es auch auf unserer Internetseite: www.zvw.de/wettervorhersage.