Waiblingen

Erdbeerernte in Gefahr

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Wegen der warmen Temperatur im April rechnet Martin Bauer mit einer Rekordernte – doch es fehlen Helfer. © Alexander Roth
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Erdbeerpflücken ist eine körperlich anstrengende Angelegenheit – und Helfer sind rar, sagt der Weinstädter Martin Bauer.
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Erdbeeren im Freiland werden bereits seit drei Wochen geerntet.
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Wegen des Überangebots purzeln die Erdbeerpreise schon ungewöhnlich früh in der Saison.

Weinstadt. Nach der Rekordhitze im April erwartet der Obstbauer Martin Bauer nun auch eine Rekordernte. So viele Erdbeeren wie in diesem Jahr hatte der Weinstädter noch nie. Doch dem Erdbeerhöhepunkt steht ein Tiefpunkt gegenüber: Noch nie war es so schwer, Saisonarbeiter zu finden. „Wenn wir nicht genügend Helfer haben, dann vergammeln die Erdbeeren an den Sträuchern“, sagt Bauer.

Eigentlich könnte Martin Bauer sich freuen wie ein Schneekönig. Der April dieses Jahres war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, und er erwartet die beste Erdbeerernte aller Zeiten. „Wir haben extrem viele Erdbeeren, die Ernte wird gigantisch“, sagt Bauer. Auch Himbeeren gebe es viel mehr als in den vergangenen Jahren. Außerdem habe die Saison viel früher begonnen als sonst. Erdbeeren im Freiland werden bereits seit drei Wochen geerntet, die ersten Himbeeren sind bereits reif.

Doch nach Freudensprüngen ist dem Weinstädter Obstbauern trotzdem nicht zumute: Bauer hat nicht genügend Erntehelfer, obwohl die gute Ernte abzusehen gewesen sei. „Der warme April und dann noch der Frost im Vorjahr“, sagt er. Der habe dazu geführt, dass die Obstbauern im vergangenen Jahr Verluste eingefahren haben – Bauer selbst hat nach eigener Aussage einen Bankkredit aufgenommen, um diese zu kompensieren –, gleichzeitig aber die Pflanzen geschont. Weil sie weniger Früchte trugen, konnten sie ihre Kräfte sammeln, um in diesem Jahr voll auszutreiben.

"Erdbeerpflücken ist halt kein Traumjob"

Etwa 200 Helfer pro Saison braucht der Betrieb. Früher sei die Suche nach Arbeitskräften ein Selbstläufer gewesen. Viele Arbeiter seien jedes Jahr wiedergekehrt, andere über Empfehlungen gekommen. Bereits seit einigen Jahren aber werde es zunehmend schwieriger, Saisonarbeiter zu finden. Bauer fügt hinzu: „Erdbeerpflücken ist halt kein Traumjob.“ Den ganzen Tag auf dem Boden herumkrabbeln, das gehe auf den Rücken. Die Leute gingen heutzutage lieber in die Industrie oder auf den Bau. Feldarbeit sei das Schlusslicht in der Beliebtheitsskala, berichtet Bauer aus seiner Erfahrung.

Die Suche nach Arbeitskräften verlagert sich immer mehr in den Osten. Deutsche Erntehelfer finde er schon seit zehn Jahren nicht mehr, sagt Bauer. Die meisten seiner Erntehelfer stammen aus Rumänien, wo das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf etwa 8500 Euro beträgt. Sie kommen im Sommer für zwei, drei Monate nach Deutschland, um Geld zu verdienen, und gehen dann zurück in ihre Heimat.

Doch in diesem Jahr seien sie nur schwer zu finden gewesen. Bauer hat deshalb erstmals eine Agentur eingeschaltet, die Arbeitskräfte vermittelt. Ebenfalls zum ersten Mal hat er Studenten aus der Ukraine angeheuert. Dort beträgt das Jahreseinkommen durchschnittlich nur 2500 Euro. Es sei ein Testlauf, sagt der Weinstädter. Am Wochenende erwartet er etwa 60 Arbeiter. Er hofft, dass auch alle kommen. Und wenn nicht? „Dann müssen wir die Beeren an den Sträuchern vergammeln lassen.“

Erdbeeren so billig wie selten

Dass Erntehelfer immer schwieriger zu finden sind, bestätigt auch Markus Dobler. „Einfacher wird es sicher nicht.“ Zum Glück brauche er für seinen Spargelbetrieb nicht so viele Helfer. Das meiste lasse sich abfangen, indem er selbst mit anpacke, sagt Dobler. Doch in diesem Jahr, da sei es schon „an der Kante“ gewesen. Wegen des kalten Wetters an Ostern habe die Spargelernte 14 Tage später begonnen als üblich. Durch die hochsommerlich warmen Temperaturen im April sei der Spargel aber dann in kürzester Zeit geschossen – und die Preise in den Keller gefallen. Was die Verbraucher freut, ist für die Bauern problematisch. Aus Doblers Sicht war der Spargelpreis in diesem Jahr „äußerst unbefriedigend“. Und angesichts des großen Aufwands für die Ernteverfrühung rechnet er insgesamt mit einem Minusgeschäft.

Verluste erwartet Martin Bauer zwar nicht, doch die niedrigen Preise machen sich auch bei ihm bereits bemerkbar. Eine Schale Erdbeeren kostet derzeit um die 2,50 Euro – so wenig wie sonst nur zum Ende der Saison. Schuld daran ist das Überangebot. Etwa 20 Tonnen Erdbeeren pro Hektar werde er ernten, rechnet Bauer. Vorausgesetzt, er findet genügend Helfer. Für die Zukunft überlegt er, seinen Erbeerbestand zu reduzieren und mehr Himbeeren anzubauen. Die seien einfacher zu ernten. Eine andere Variante wäre es, Erdbeeren in sogenannten Stellagen, einer Art Regenrinne, anzubauen. Wenn die Leute sich zum Ernten nicht mehr so viel bücken müssen, so hofft er, finden sich auch wieder leichter Helfer. Ansonsten bleiben die Früchte vielleicht irgendwann an den Sträuchern hängen.


Profi-Tipp: So werden die Erdbeeren schön

 

Was viele falsch machen, sagt der Obstbauer Martin Bauer: Sie lassen die Erdbeerpflanzen immer an derselben Stelle. Besser ist es, sie alle fünf bis sechs Jahre zu versetzen.

„Dabei sollte man aber darauf achten, die Erdbeeren nicht dorthin zu pflanzen, wo vorher Tomaten, Gurken oder Kartoffeln gewachsen sind“, sagt Bauer. Das vertragen sie nicht.

Als Alternative zum Verpflanzen kann auch die Erde im Erdbeerbeet oder -topf ausgetauscht werden.

Im August, nach der letzten Ernte, sollten die Pflanzen geschnitten werden. „Dabei nicht zimperlich sein“, rät der Fachmann. Die Stiele könnten ruhig auf zwei bis drei Zentimeter gekürzt werden. Wichtig: Das Herz der Pflanze darf dabei nicht verletzt werden.