Waiblingen

Erweiterungsbau der Kreisverwaltung in Waiblingen: Kulturkampf um die Tiefgarage

ParkplatzAnzeige
Zwei oder drei - wie viele Ebenen sollen es werden beim Tiefgaragen-Bau am Alten Postplatz? © Gaby Schneider

Der Grundsatzbeschluss für einen Erweiterungsbau des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis auf dem Parkdeck am Alten Postplatz 10 in Waiblingen steht – der Verwaltungsausschuss des Kreistages hat sich in seiner Sitzung am Montag in Rommelshausen mit 18 Pro-Stimmen für das rund 54 Millionen Euro schwere Projekt ausgesprochen, bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung. Spannender war der Streit um die Tiefgarage: drei Parkebenen? Oder doch lieber nur zwei, wie Grüne und SPD fordern?

Der Neubau am Alten Postplatz ist unstrittig - im Prinzip ...

Es geht nur um ein Bauprojekt – und doch auch ums Ganze in dieser montäglichen Sitzung des Verwaltungsausschusses: um die Mobilitätswende, den Klimawandel, die Zukunft. Nüchterner Tagesordnungspunkt: „Grundsatzbeschluss zur Realisierung eines Verwaltungsgebäudes auf dem Parkdeck am Alten Postplatz 10 in Waiblingen“. Man staunt, welch allergrößte Themen sich hinter einer so aktengrauen Formulierung verbergen können.

Die Kreisverwaltung braucht mehr Platz, momentan ist sie an verschiedenen Standorten oft mietweise untergebracht. Der Neubau soll Abhilfe schaffen, etwa 54 Millionen Euro wird er kosten. Dass das klimaneutral konzipierte Gebäude sinnvoll und im Vergleich zu Dauermietlösungen wohl auch wirtschaftlicher ist, darüber gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten.

Eine Frage aber ist heftig umstritten. Muss unter das Ding wirklich eine dreigeschossige Tiefgarage? Oder tun es auch zwei unterirdische Parkebenen?

Im Prinzip könnte sich das Führungsteam um Landrat Richard Sigel wohl durchaus vorstellen, auf die dritte Ebene zu verzichten. Charme einer abgespeckten Lösung: 4,5 Millionen Euro Ersparnis. Und: Wenn die Verwaltung auf Parkplätze für Personal verzichtet und stattdessen komplett auf Alternativen baut – Anreise per ÖPNV, Dienstwagen-Carsharing, E-Bikes, Jobticket-Zuschüsse –, dann würde die Behörde ein spektakuläres Zeichen setzen für den Klimaschutz.

Allein, es gibt gewichtige Nachteile: Für die Beschäftigten gäbe es de facto überhaupt keine reservierten Parkplätze, die zwei Ebenen wären für die Kundschaft. Und die Stadt Waiblingen hätte Grund zur Sorge: Würden nicht dennoch viele Landratsamtsbeschäftigten mit dem Privat-Pkw kommen und als Ausweichparker für Konfliktpotenzial in Wohngebieten sorgen?

Der Streit um Parkebene 3 endet 14 zu 9

Moment, argumentiert Klaus Harald Kelemen, SPD: Der Alte Postplatz sei doch einer der am leichtesten erreichbaren „ÖPNV-Standorte“ im „ganzen Rems-Murr-Kreis“ – wo soll man denn die Mobilitätswende durchexerzieren, wenn nicht hier? Christine Besa, Grüne: „Kann ein Mobilitätsverhalten von gestern Entscheidungsgrundlage für ein nagelneues Gebäude sein“? Ihr Fraktionskollege Willy Härtner: „Ich höre immer Klimaschutzziele, Klimaschutzziele – jetzt können wir den Worten Taten folgen lassen!“. Und die Grüne Anne Kowatsch: Der Landkreis habe „eine Vorbildfunktion, eine Vorreiterrolle!“ Doch so hingebungsvoll sie kämpfen – am Ende steht der Grundsatzbeschluss: 18 zu 5 Stimmen bei einer Enthaltung für den Neubau an sich; und 14 zu 9 für drei Parkebenen.

Landrat Sigel tröstet die Verlierer: Es sei ja nicht so, dass nun jeder Kreishausbeschäftigte einen Parkplatz bekomme – auch mit drei Ebenen reiche es nur für zehn Prozent der Belegschaft. Dazu wird es im Gebäude Umkleiden und Duschen geben für Leute, die mit dem Fahrrad kommen; und auch Carsharing-Modelle und ÖPNV-Förderangebote. Aber dass ein Arbeitgeber gar keine Stellplätze für seine Leute vorhält? Dafür, lässt Sigel durchklingen, ist die Zeit dann wohl doch noch nicht ganz reif.

Dem Ausschussbeschluss muss nun noch eine endgültige Abstimmung im Gesamtgremium des Kreistags folgen.

Der Grundsatzbeschluss für einen Erweiterungsbau des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis auf dem Parkdeck am Alten Postplatz 10 in Waiblingen steht – der Verwaltungsausschuss des Kreistages hat sich in seiner Sitzung am Montag in Rommelshausen mit 18 Pro-Stimmen für das rund 54 Millionen Euro schwere Projekt ausgesprochen, bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung. Spannender war der Streit um die Tiefgarage: drei Parkebenen? Oder doch lieber nur zwei, wie Grüne und SPD fordern?

Der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper