Waiblingen

Escape Room: Auf der Suche nach dem Heiligen Gral

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Suchen fieberhaft nach Lösungen: Patricia Greber und Julia Geißler. © Drews
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Rätsel über Rätsel über Rätsel. © Drews

Fellbach. Ein Raum, vier Freunde, ein Ziel – den Heiligen Gral in den Händen zu halten. Doch das Ziel liegt in weiter Ferne und wird nur durch Teamarbeit und Hirnschmalz erreicht. Außerdem tickt die Uhr. Beim Rems-Murr-Gründerpreisträger „Escape Stuttgart“ in Fellbach bekommt man die Chance, den neuen Trend der „Escape Rooms“ selbst auszuprobieren.

Der Heilige Gral – eine Legende, um die sich viele Sagen wie Efeu ranken. Die Kreuzritter suchten ihn, ja auch Indiana Jones, und die mutigen Ritter der Kokosnuss versuchten ihr Glück und riskierten ihr Leben auf der Jagd nach dem Relikt aus der Artus-Saga. Dabei ist er doch ganz nah. Und zwar in Fellbach. Genauer, bei Escape Stuttgart.

Sechs Themenräume

Die vier Freunde Patricia Greber, Julia Geißler, Moritz Meister und Robin Noller aus dem Rems-Murr-Kreis versuchen ihr Glück und testen für unsere Zeitung einen der sechs Themenräume. Die Entscheidung fällt auf den Raum „The Artifact“ (das Artifakt). Dort wartet irgendwo der besagte Gral auf die vier.

Handlungshintergrund wird erklärt

Bevor sie in das Abenteuer eintauchen, erklärt ihnen Selami Bilgeoglu, der Sohn des Geschäftsführers, den Handlungshintergrund. „Ihr seid auf der Suche nach dem echten Heiligen Gral. Deshalb habt ihr euch Zugang zu einer Auktion verschafft, auf der legendäre Artefakte versteigert werden. Doch ihr wollt nicht mitbieten, ihr wollt den Gral stehlen. Deshalb steht ihr nun im hochgesicherten Lagerraum. Ich stehe für eine Stunde Wache. Irgendwo hier muss der Gral sein.“

Spielleiter beobachtet Entdecker über Kameras und Mikrofone

Als Hilfsmittel bekommen die Entdecker Stift und Papier, ansonsten gibt es nur das Funkgerät, über das hilfreiche Tipps kommen würden, falls man sich gar nicht mehr zurechtfände. Und im Lagerraum sind die vier schließlich auch nicht wirklich allein. Überall befinden sich Kameras und Mikrofone, über die der Spielleiter beobachten kann, wie sich die Entdecker zurechtfinden. Über versteckte Mikrofone kann er jedes Wort hören und direkt reagieren, falls die Lösung unerreichbar scheint.

Verstecke im Raum finden und Rätsel lösen

Die Tür wird verschlossen, und das Abenteuer nimmt seinen Lauf. Die vier teilen sich auf und versuchen nun, Verstecke im Raum zu finden und all die verschiedenen Rätsel miteinander zu verknüpfen. Ohne zeitaufwendige Absprache begibt sich jeder in eine andere Ecke des Raums und versucht herauszufinden, wofür die dortigen Gegenstände, Zeichen und Schriften gut sein könnten.

Entdeckte Rätsel werden verknüpft

Nach rund fünf Minuten steigt Freude in die Gesichter der Spieler, offensichtlich ist das erste Rätsel identifiziert. Die anfängliche Verwirrung wird durch Entdeckerfieber verdrängt. Patricia Greber, Julia Geißler, Moritz Meister und Robin Noller forschen nach Verknüpfungen zwischen den von ihnen entdeckten Rätseln. Nach einiger Zeit wird klar, dass das Ziel nicht so nah ist, wie anfänglich gedacht. Durch mehrere knifflige Mechanismen, verschiedene Wort-, Licht- und Zahlenkombinationen wird der Weg zum Gral versperrt.

Tipps des Spielleiters zur richtigen Zeit

„Wir wollen nicht zu viel verraten, aber des Rätsels Lösung verbirgt sich eventuell nicht dort, wo man sie anfangs vermuten mag“, wird Patricia Greber nach dem Spiel sagen. Die Zeit ist bereits weit vorangeschritten, und neben den kniffligen Aufgaben sitzt die tickende Uhr im Nacken des Hobby-Diebesteams.

Als der Gral endlich in Blickweite ist, haben die vier nur noch rund sechs der insgesamt 60 Minuten Zeit, um die endgültige Lösung und somit den Gral zu erringen. Geschützt wird der Gral durch ein Glas und ein Lasernetz, welches nicht so einfach zu umgehen ist. Durch kleine Tipps des Spielleiters zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosis schaffen es die vier. Endlich! Sie halten den Gral in ihren Händen.

„Im Schnitt schaffen es nur vier von zehn, die Rätsel zu lösen“

„Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es geschafft“ – so werden die erfolgreichen Diebe von Selami Bilgeoglu begrüßt. „Im Schnitt schaffen es nur vier von zehn Teilnehmern, die Rätsel zu lösen und den Gral zu stehlen.“ Ohne kleine Hilfestellungen durch den Spielleiter sei es jedoch bislang noch keinem Team gelungen, den Raum zu bezwingen. „Jede Spielaufsicht muss bei uns die Räume selbst durchspielen, damit jedem klar wird, wo die Knackpunkte in den Rätseln stecken“, sagt Selami Bilgeoglu.


Beim ersten Blick in die Gesichter der Spieler nach dem Spiel wird ersichtlich, dass jeder der vier vom Trendspiel gepackt worden ist. Nachdem sie alle zum ersten Mal einen „Escape Room“ getestet haben, ist der Wunsch nach einer Wiederholung in einem anderen Themenraum groß.

„Auch wenn wir ohne die kleinen Tipps vom Spielleiter wahrscheinlich immer noch rätseln würden, war es ein superspannendes Erlebnis, das wohl jeder einmal mit seinen Freunden erlebt haben sollte“, sagt Patricia Greber sichtlich begeistert. „Wir wurden mit dem Escape-Fieber angesteckt und kommen sicher bald wieder. Es hat ja zum Glück noch genug andere Themenräume zur Auswahl.“

"Teamwork wurde eindeutig gestärkt"

Nach dem Spiel diskutiert die Gruppe noch lange im Foyer von „Escape Stuttgart“ über die verschiedenen Rätsel und die Lösungen jedes einzelnen. „Ich liebe solche Knobelaufgaben“, sagt Moritz Meister. „Das alles verpackt in eine Geschichte ist natürlich super. Die Aufgaben hatten ein angemessenes Schwierigkeitslevel. Cool fand ich, dass man die Rätsel und Aufgaben erst mal selbst herausfinden muss. Das Teamwork wurde eindeutig gestärkt. Es lohnt sich auf jeden Fall, hinzugehen und auch noch mal wiederzukommen.“

Gemeinsam ein Ziel verfolgen

Auch Julia Geißler zeigt sich begeistert. Es sei eine neue und aufregende Gruppenbeschäftigung, die den Gehirnschmalz auf Hochtouren bringe und dabei extrem viel Spaß mache. „Das Ganze hat definitiv Suchtpotenzial. Eine Wiederholung wird nicht lange auf sich warten lassen.“

Beim Entkommen aus „Escape Rooms“ geht es nicht um den Fakt, dass man eingeschlossen ist. Nein, viel eher geht es darum, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen.

Zweiter Platz beim Gründerpreis

„Ich wusste zuvor in keiner Weise, was mich erwartet“, sagt Robin Noller. „Organisation und Durchführung waren sehr professionell. Das Ambiente hat ebenfalls gepasst. Es war ein liebevoll eingerichteter Raum mit vielen coolen Details. Ich fand es klasse, dass sowohl analytische Fähigkeiten, Denkvermögen, logisches Denken sowie Teamwork erforderlich waren, um die Aufgaben zu lösen.“

Die Zeit sei vergangen wie im Fluge. „Gefühlt soeben den Raum betreten, kam die Durchsage, dass wir nur noch sechs Minuten haben. Es hat einen Riesenspaß gemacht“. Nur: „Die Beschilderung der Anfahrt könnte für mein Gefühl jedoch besser sein.“

Fikret Bilgeoglu ist der Schirmherr von „Escape Stuttgart“. Für seine Umsetzung der Escape Rooms in Fellbach hat er im Juli dieses Jahres den zweiten Platz beim Gründerpreis der Kreissparkasse Waiblingen belegt. Vor drei Jahren wurde Fikret Bilgeoglu auf den neuen Trend der „Escape Rooms“ aufmerksam. Damals wurde er für seinen Plan zunächst belächelt. „Aus Spaß wurde Ernst“, erzählt Bilgeoglu.

„Nur zwei Prozent der Deutschen wissen, dass es solche Räume gibt“

Im Dezember 2016 war der Start der Bauarbeiten in den ehemaligen Räumlichkeiten von Sony Wega in Fellbach. „Bis auf die Brandschutzanlage mussten wir alles neu machen.“ Am 1. Mai dieses Jahres eröffnete er sein Geschäft trotz Baustelle und begrüßte die ersten Gäste, die sich den Themenräumen stellen wollten. Auf 1200 Quadratmetern entstand Deutschlands größtes „Escape Live Game Center“.

Bislang ist der Escape Room als Freizeitbeschäftigung noch relativ unbekannt. „Nur rund zwei Prozent der Deutschen wissen, dass es solche Räume gibt“, sagt der Geschäftsführer. „Durch den Standort Fellbach wollen wir den Rems-Murr-Kreis erreichen.“ Die Herausforderung von Escape Rooms eigne sich für gruppendynamische Teambildungs-Maßnahmen. „Wir hatten bereits Leute von Porsche und Mercedes im Haus“, erzählt Fikret Bilgeoglu.

Virtuelles Geisterhaus und Shooter-Games

Nebst der realen Spielräume gibt es die Möglichkeit, mit Virtual-Reality-Brillen (VR) durch ein virtuelles Geisterhaus zu wandern oder ein Shooter-Game zu spielen.

Bislang sind sechs verschiedene Themen bespielbar. „Im Oktober eröffnen wir unseren neuen Raum Death-Live“, so Bilgeoglu. Dort wartet eine düstere Zukunft auf die Spieler. Nach der Einführung der Todesstrafe im Jahr 2047 hat es eine Reality-TV-Show geschafft, ganz Deutschland vor die Fernseher zu locken. Es werden Verbrecher gezeigt, die eigentlich die Todesstrafe erwartet. Durch ihre Teilnahme an der Show erhalten sie jedoch die Chance auf ihre Freiheit.

Escape Rooms erhalten weltweit eine steigende Beliebtheit. Auch in immer mehr deutschen Städten, wie Berlin, Hamburg und auch in Karlsruhe, werden Escape Rooms eröffnet.


Gruppen-Abenteuer „Escape Rooms“

„Escape Rooms“ bedeutet übersetzt in etwa: „Räume, aus denen man entkommen muss“. Mit dem Namen ist auch schon das ursprüngliche Spielkonzept beschrieben. Die Spieler werden in Räumen eingeschlossen und müssen Mittel und Wege finden, wieder herauszukommen.

Der neue Freizeit-Trend stammt aus Asien. Eine Traditionslinie geht von Computer-Abenteuerspielen (Adventures) aus, hier insbesondere dem 2004 auf den Markt gebrachten „Crimson Room“ des Japaners Toshimitsu Takagi. Das erste Echtzeit-Abenteuerspiel mit „Raum, aus dem man entkommen muss“ (das sogenannte Real Escape Game, REG) wurde denn auch 2007 im japanischen Kyoto inszeniert. Der Trend schwappte schnell auf Singapur und Festlandchina über. 2012/2013 gründete sich in San Francisco mit japanischer Unterstützung das erste REG-Unternehmen. Eine Franchise-Tochter („Parapark“), die sich 2011 in Budapest gegründet hatte, hat derweil in den vergangenen Jahren mehrere Ableger in 20 verschiedenen Städten Europas und Australiens gegründet.

Als erster kommerzieller Anbieter begann in Deutschland „HintQuest“ in München im August 2013. Seit Anfang 2017 gibt es in ganz Deutschland über 200 Anbieter in 90 Städten mit 426 Spielräumen.

Eine Übersicht bietet die Webseite http://www.Escape-Game.org an.