Waiblingen

Evangelische Gemeinde Waiblingen diskutiert den Verkauf des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses

Lighthouse Bonhoeffer Haus Luca Krause
Seit 2016 wird das Dietrich-Bonhoeffer-Haus als Jugendkirche genutzt. Als die Diskussion um einen möglichen Verkauf laut wurde, startete Luca (1.v.r.) eine Unterschriftensammlung im Internet. Auch Ulrike, Samuel und Lukas (v.l.) sind gegen den Verkauf. © ZVW/Benny Büttner

Die evangelische Kirchengemeinde Waiblingen erwägt entweder evangelische Kindergärten oder das ehemalige Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu verkaufen, das als Jugendkirche genutzt wird und inzwischen unter dem Namen Lighthouse bekannt ist. Am kommenden Montag will der Kirchengemeinderat darüber entscheiden. Luca Krause von den christlichen Pfadfindern kämpft für den Erhalt der Jugendkirche und hat eine Online-Petition gegen den Verkaufsgedanken gestartet.

Inzwischen haben schon weit mehr als 200 Unterzeichner ihren Namen unter die Petition mit dem Titel „Rette die Jugendkirche in Waiblingen“ gesetzt. Stündlich werden es mehr. Eine erfreuliche Bilanz, findet Luca Krause, wenn man bedenke, dass die Petition erst seit einer Woche im Netz ist. „Ich würde mir wünschen, dass der Kirchengemeinderat Waiblingen seine Meinung überdenkt“, sagt der 18-Jährige, der sich zur Zeit auf seine Fachhochschulreife vorbereitet. Die Gruppenräume im Lighthouse werden intensiv genutzt. Allein zehn Gruppen sind es bei den Christlichen Pfadfindern, hinzukommen die Nutzung durch das Evangelische Jugendwerk Waiblingen und dem CVJM. Außerdem finden im Lighthouse Sonderveranstaltungen wie die Church Night statt.

Jugendkirche Lighthouse gibt es seit fünf Jahren

Vor fünf Jahren wurde der Jugend der evangelischen Kirche das Dietrich-Bonhoeffer-Haus für ihre Jugendarbeit überlassen, wobei daraus das Lighthouse entstanden war. Die Jugend hatte sich verpflichtet, das Haus zu pflegen, kleinere Reparaturen selbst durchzuführen und sich etwa um den Garten zu kümmern. Die Jugendarbeit hat sich in all den Jahren weiter gefestigt, wobei es für Luca Krause aktuell schwer vorstellbar ist, wo es räumliche Alternativen gebe. Im Jakob-Andreä-Haus werden aktuell bereits zwei Räume von den Christlichen Pfadfindern genutzt und sind quasi ausgebucht. Eine so tolle Außenanlage wie beim ehemaligen Dietrich-Bonhoeffer-Haus gebe es dort ebenfalls nicht, die vor allem als Spielmöglichkeit für Kinder wichtig sei. Die nächste Möglichkeit Talaue sei zu Fuß einfach zu weit entfernt.

Als Teil der Hausleitung des Lighthouses, in der auch Vertreter aus den anderen beiden Organisatoren Mitglied sind, hat er bei einer Sitzung schon vor Ostern von den Verkaufsplänen erfahren.

Sanierung des Jakob-Andreä-Haus kostet rund drei Millionen Euro

Grund für die Überlegungen ist die Tatsache, dass die Kirchengemeinde Waiblingen Geld für die Sanierung des Jakob-Andreä-Haus benötigt, erklärt Dekan Timmo Hertneck im Gespräch mit der Lokalredaktion. Baubeginn soll, wie berichtet, in der zweiten Jahreshälfte sein. Drei Millionen Euro sind für das Vorhaben veranschlagt. „Der Entschluss, dass die Kirchengemeinde Immobilien veräußern muss, ist bereits gefallen“, gibt er zu und versucht dies anhand der Größe der Kirchengemeinde zu erklären. Denn die Zahl der Mitglieder schwindet. In den vergangenen 16 Jahren verzeichnet die Kirche in Waiblingen rund 2500 Mitglieder, also ein Viertel, weniger, so Hertneck. Was aber geblieben ist, ist die Anzahl der Gebäude, welche die Kirchengemeinde besitzt, samt der kostenintensiven Instandhaltung.

Anstatt der Jugendkirche Verkauf evangelischer Kindergärten

Die zweite Überlegung, die im Raum steht, ist, dass ein oder zwei Gebäude von evangelischen Kindergärten verkauft werden. Welche das sein könnten, wisse man noch nicht. Ob Jugendkirche oder Kindergarten – beides seien Entscheidungen, die viele hart treffen, gibt er zu, wobei er selbst den Notstand der Kirchengemeinde bedauert.

Dekan Timmo Hertneck hofft, dass ein Ruck durch die Gesellschaft gehe. „Wir brauchen Leute, die Ja zur Kirchenarbeit und Ja zur Jugendarbeit sagen“, betont er. „Die Zukunft der evangelischen Kirche braucht neben der Kirchensteuer eine zweite Säule – das könnte ein Förderverein oder ein Freundeskreis sein. Vorstellbar sei auch eine Patenschaft für einen Dachziegel etwa an der Jugendkirche, wofür man im Monat einen Geldbetrag einzahle.

Auch wenn am Ende Gebäude der evangelischen Gemeinde Waiblingen zum Verkauf stehen, könne sich Hertneck eine Weiternutzung vorstellen. Beispiel Kindergarten: Angenommen die Stadt oder ein anderer Interessent übernimmt die Gebäude, könnte sich die Kirche vorstellen, diese in Betriebsträgerschaft fortzuführen. Bei der Jugendkirche wäre eine Kooperation denkbar, wie sie etwa beim Martin-Luther-Haus mit der Stadt oder beim Gemeindehaus Korber Höhe mit der katholischen Kirche praktiziert werde.

„Die Jugendkirche macht mich sehr stolz. Es ist schön, zu sehen, was daraus geworden ist“, sagt Hertneck. Gleichzeitig beeindruckt ihn, wie viele Anhänger die Petition bereits gefunden hat. „Das ist nicht nichts!“, sagt er.

Egal, wie die Entscheidung des Kirchengemeinderats am Montag ausfallen wird – feststeht: Es wird kein Beschluss sein, der übermorgen umgesetzt werde, betont Dekan Timmo Hertneck. Die Jugendkirche habe man damals auf zehn Jahre ausgelegt – „dabei bleibt es!“, betont er. Fällt das Los auf Kindergärten, müsste im nächsten Schritt geschaut werden, welche das sein könnten. „Es sind keine einfachen Entscheidungen“, sagt er. Man stehe noch am Anfang eines langen Prozesses.

Die evangelische Kirchengemeinde Waiblingen erwägt entweder evangelische Kindergärten oder das ehemalige Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu verkaufen, das als Jugendkirche genutzt wird und inzwischen unter dem Namen Lighthouse bekannt ist. Am kommenden Montag will der Kirchengemeinderat darüber entscheiden. Luca Krause von den christlichen Pfadfindern kämpft für den Erhalt der Jugendkirche und hat eine Online-Petition gegen den Verkaufsgedanken gestartet.

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