Waiblingen

Evangelische Kirche Waiblingen: Pfarrerin Veronika Bohnet hört auf

Pfarrerin Veronika Bohnet
Die evangelische Pfarrerin Veronika Bohnet (62) verabschiedet sich in den Ruhestand. Unser Bild zeigt sie in der Kirche Johannes unter dem Kreuz auf der Korber Höhe, neben der Osterkerze, welche die diesjährigen Konfirmanden selbst gestaltet haben. © ZVW/Alexandra Palmizi

Gegen jeden Trend besteht das Ökumenische Haus der Begegnung auf der Korber Höhe weiter, obwohl in Württemberg diese gemeinsamen Einrichtungen von Katholiken und Protestanten immer seltener werden. Zehn Jahre lang hat sich Veronika Bohnet von evangelischer Seite um das Haus gekümmert, das einst am 10. Juni 1988 feierlich eingeweiht wurde. „Solche Häuser zu betreiben ist aufwendig“, weiß die 62-Jährige, der von einem Mitglied des Bauausschusses vor nicht allzu langer Zeit attestiert wurde, dass sie auch eine gute Bauingenieurin abgegeben hätte. Nun zieht sie sich zurück und geht in den Ruhestand. Ein Nachfolger steht bereits fest.

Gute Zusammenarbeit mit dem katholischen Pfarrer Franz Klappenecker

Ihre eigenen Verdienste betrachtet Veronika Bohnet bescheiden, lieber würdigt sie die Aufbauarbeit anderer. „Ich habe einfach übernommen.“ Allen voran lobt sie Pfarrer Franz Klappenecker, der von katholischer Seite aus seit Jahrzehnten seinen Beitrag zur Ökumene in Waiblingen liefert. „Ich habe mit ihm richtig gut zusammengearbeitet.“ Unkompliziert und herzlich sei es immer gewesen, auch habe es immer gute Absprachen gegeben. Gleichwohl ist die große Zeit der ökumenischen Häuser der Begegnung in Württemberg vorbei. Katholiken und Protestanten müssen mit schwindenden Mitgliederzahlen und infolgedessen mit weniger finanziellen Mitteln klarkommen – und das hat Folgen für die Gebäude, die meist in den 1970ern und 1980ern entstanden. „Jetzt werden die größtenteils wieder aufgegeben“, weiß Veronika Bohnet.

Ein Gebäude mit evangelischer und katholischer Kirche

Das Ökumenische Haus der Begegnung Maria und Johannes unter dem Kreuz, das sowohl eine evangelische und eine katholische Kirche enthält, bleibt davon bisher verschont. Aber was die Zukunft bringt, das weiß die 62-Jährige natürlich nicht, da auch in der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen weiter darüber diskutiert wird, welche Gebäude man behält und welche man nicht mehr halten kann. Froh ist Veronika Bohnet indes darüber, dass bereits feststeht, dass es einen Nachfolger für die Pfarrerstelle gibt.

Dr. Oliver Groll, bislang Pfarrer in Nordheim, ist der Nachfolger

Er heißt Dr. Oliver Groll und ist bislang Pfarrer in Nordheim im Dekanat Brackenheim. Zum ersten Advent, also am 27. November 2022, wird der Neue sein Amt in Johannes unter dem Kreuz antreten. Seine Frau Ulrike Jenter-Groll, derzeit Pfarrerin in Untergruppenbach im Dekanat Heilbronn, wird gleichzeitig auf einer 50-Prozent-Stelle Nachfolgerin von Pfarrer Michael Oswald in Waiblingen-Süd (Martin-Luther-Kirche), der fast zeitgleich mit Veronika Bohnet aufhört. „Das liegt daran, dass wir im gleichen Alter sind“, sagt die 62-Jährige. Beide gehören zur Generation der Babyboomer, wie die geburtenstarken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg auch bezeichnet werden. Im Frühjahr 2023 gehen dann noch Pfarrer Matthias Wagner und Dekan Timmo Hertneck vom Gemeindebezirk Michaelskirche in den Ruhestand - auch sie gehören zum Jahrgang der Babyboomer. So gesehen ist es aus Sicht von Veronika Bohnet schon mal eine gute Nachricht, dass zwei Pfarrerstellen in Waiblingen wieder besetzt werden konnten.

Ökumenisches Haus für Lehrerfortbildungen vermietet

Wenn im ökumenischen Haus oder auch im evangelischen Pfarrhaus in der Straße „Im Sämann“ etwas zu richten war, kümmerte sich Veronika Bohnet schnell darum – egal ob es um Heizungsventile oder die Mikrofonanlage ging. Sie hoffte, damit langfristig Geld zu sparen. Und sie war stets offen dafür, die Räume der evangelischen Kirche auf der Korber Höhe Externen anzubieten, etwa für Lehrerfortbildungen. Das ist auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. „Wir müssen vermieten.“ Anfragen wegen privater Feiern gab es ebenfalls immer wieder, aber hier musste Veronika Bohnet oft ablehnen, gerade wenn sie am Wochenende stattfinden sollten.

Wichtig war der 62-Jährigen auch immer die Musik. Sehr froh ist sie darüber, dass der ehemalige Kirchenmusikdirektor Jörg Zettler und Carlo Falkenstein in der evangelischen Kirche auf der Korber Höhe regelmäßig Orgel spielen. Als schön empfand es Veronika Bohnet auch, dass die Sinfonietta Waiblingen in der Corona-Zeit mit Duos oder Trios im Gottesdienst auftrat. Im ökumenischen Haus bot die Pfarrerin nämlich in der Pandemie einigen Gruppen die Möglichkeit, mit Abstand zu proben – etwa dem Philharmonischen Chor oder eben der Sinfonietta.

Fünf Jahre theologische Assistentin des Landesbischofs

Veronika Bohnet ist im Lauf ihrer Karriere als Pfarrerin viel herumgekommen. Sie war in Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg, dann drei Jahre am Sprachenkolleg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Stuttgart, ein Jahr in Altensteig im Landkreis Calw, acht Jahre in der evangelischen Kirchengemeinde Tuttlingen und sieben Jahre in Kallenberg, dem kleinsten Stadtteil von Korntal-Münchingen. Nach fünf Jahren als theologische Assistentin des Landesbischofs fing sie vor zehn Jahren als Pfarrerin auf der Korber Höhe an. Am Sonntag, 24. Juli, findet nun von 11 Uhr an der Gottesdienst mit Reisesegen und Verabschiedung in den Ruhestand statt. Danach wird Veronika Bohnet noch ein paar Tage arbeiten, ehe sie sich am 1. August in den Urlaub verabschiedet und offiziell zum 1. September aus dem Amt ausscheidet.

Veronika Bohnet möchte weiter als Predigerin in Gottesdiensten aktiv sein

In Waiblingen will die 62-Jährige auf jeden Fall erst mal bleiben. Sie möchte mit ihrem Mann von der Dienstwohnung auf der Korber Höhe in die Innenstadt ziehen und künftig verstärkt mit dem Fahrrad unterwegs sein. Im evangelischen Kirchenbezirk Waiblingen wird Veronika Bohnet weiter als Predigerin in Gottesdiensten aktiv sein, zum Beispiel als Urlaubsvertretung. Auch im Vorstand des Krankenpflegevereins will sie sich weiter einbringen. Mehr plant die 62-Jährige erst mal nicht. „Ich muss sehen, was kommt.“

Für ihre Leidenschaft, die Beschäftigung mit Sprachen, hat Veronika Bohnet fest vor, im Ruhestand ebenfalls mehr Zeit zu investieren. „Ich lerne Italienisch, weil wir im Herbst, wenn es irgendwie geht, nach Rom möchten.“

Gegen jeden Trend besteht das Ökumenische Haus der Begegnung auf der Korber Höhe weiter, obwohl in Württemberg diese gemeinsamen Einrichtungen von Katholiken und Protestanten immer seltener werden. Zehn Jahre lang hat sich Veronika Bohnet von evangelischer Seite um das Haus gekümmert, das einst am 10. Juni 1988 feierlich eingeweiht wurde. „Solche Häuser zu betreiben ist aufwendig“, weiß die 62-Jährige, der von einem Mitglied des Bauausschusses vor nicht allzu langer Zeit attestiert wurde,

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