Waiblingen

Expertin Annika Peters aus Stuttgart gibt Frauen zehn Tipps zu Finanzen und Altersvorsorge

Frauenfinanzberatung
Annika Peters von der Frauenfinanzberatung aus Stuttgart gibt beim Online-Workshop des Frauenrats Waiblingen Tipps, wie Frauen sich finanziell absichern. © Tom Pingel Fotografie

Zehn Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit schlägt Annika Peters von der Frauenfinanzberatung Barbara Rojahn & Kolleginnen aus Stuttgart vor. Sie bietet dazu auch einen Online-Workshop an, der am Donnerstag, 22. April 2021, von 18 Uhr bis circa 20 Uhr über Zoom stattfinden soll. Veranstalter sind der Frauenrat Waiblingen und die städtische Beauftragte für Chancengleichheit, Gabi Weber.

In diesem Vortrag soll es darum gehen, wie Frauen klug mit Geld umgehen und finanzielle Freiheit erreichen. Für unsere Redaktion hat Annika Peters vorab schon mal zehn Tipps bereitgestellt. Wer sich bei der Altersvorsorge nur auf den Staat verlässt, hat nur seine gesetzliche Rente - und deren Erhöhung kann wie jetzt in der Corona-Krise schon mal ausfallen.

1. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Finanzen

Mindestens einmal jährlich sollten Sie eine Bestandsaufnahme machen. Am besten legen Sie sich dafür ein Ordnungssystem an. So müssen Sie nicht jedes Mal von vorn anfangen. Wir empfehlen hierzu vier Ordner: Einnahmen und Ausgaben, Versicherungen, Geldanlagen und Altersvorsorge. Bevor Sie die Kontoauszüge oder Informationen zur Rente ablegen, sollten Sie diese prüfen, um sicherzustellen, dass alles passt.

Auch Ihre Vermögenswerte und Verbindlichkeiten gehören regelmäßig auf den Prüfstand. Sorgen Sie immer auch für eine Liquiditätsrücklage von zwei bis drei Netto-Monatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto.

2. Sichern Sie Ihre Existenzrisiken ab!

Was passiert, wenn es mal nicht so rund läuft? Ein Unfall oder eine schwere Krankheit bringen häufig auch finanzielle Sorgen mit sich. Ihre Arbeitskraft sichert Ihnen ein regelmäßiges Einkommen und damit den Erhalt des Lebensstandards und das Erreichen der geplanten Ziele. Doch wer zahlt, wenn Sie nicht mehr arbeiten können? Die gesetzlichen Leistungen sind hier auf ein Existenzminium begrenzt.

Eine private Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ist deshalb kein Luxus, sondern verantwortungsbewusste Vorsorge. Kümmern Sie sich deshalb selbst um eine entsprechende Absicherung, denn Ihre Arbeitskraft ist Ihr wichtigstes Gut. Zudem sollten Sie unbedingt eine Haftpflichtversicherung haben und auch über eine Pflegeversicherung nachdenken.

3. Rentenlücke schließen

Planen Sie Ihre Altersvorsorge und beachten Sie dabei die lange Lebenserwartung: Frauen verdienen während des Berufslebens im Schnitt weniger als Männer und erhalten später entsprechend deutlich weniger Rente. Um auch im Ruhestand gut leben zu können, sollten Sie Ihre Altersvorsorge daher regelmäßig überprüfen und gut planen.

Dazu gibt es unterschiedliche Wege: Sie können mit oder ohne staatliche Förderung für die Rente sparen oder auch Zuschüsse vom Arbeitgeber nutzen. Welche Bausteine zu Ihnen und Ihrer Lebensplanung passen, hängt von vielen Faktoren ab. Lassen Sie sich dazu unabhängig beraten und achten Sie auf moderne und flexible Lösungen.

Als Faustformel gilt: Wenn Sie im Alter nur die gesetzliche Rente beziehen, versuchen Sie, über mindestens 30 Jahre rund 15 Prozent Ihres Nettoeinkommens zu sparen. Fonds und ETFs sind dafür gut geeignet, aber auch Rentenversicherungen sind weiterhin ein wichtiger Baustein, denn diese sichern das sogenannte „Langlebigkeitsrisiko“ ab und damit Ihr Einkommen im Alter – gerade für Frauen ist dies wichtig, denn wir leben im Schnitt länger.

4. Geldanlage: Keine Zinsen in Sicht. Seien Sie mutig

Die Zinsen sind niedrig und werden voraussichtlich auch auf längere Zeit nicht signifikant steigen. Das Sparkonto oder der Bausparvertrag haben damit als Geldanlage ausgedient. Interessanter sind Investmentfonds und ETFs. Aber kaufen Sie diese nicht blind. Definieren Sie zunächst Ihre Ziele, Ihren Anlagehorizont und vor allem Ihre Risikobereitschaft. Achten Sie auch auf eine ausreichende Risikostreuung und setzen Sie nicht alles auf eine Karte. Klären Sie für sich, was besser zu Ihnen passt: aktives Management über Investmentfonds oder ein passives Investment über Exchange Traded Funds (ETFs). Prüfen Sie auch diese Anlagen regelmäßig.

5. Bleiben Sie Ihrer Strategie treu

Widerstehen Sie der Versuchung zum sogenannten „Market Timing“. Verlustphasen und Krisen können unangenehm und schmerzhaft sein – doch schlimmer ist es, Phasen anhaltend steigender Kurse zu verpassen. Es kann teuer werden, wenn Sie aus dem Markt aussteigen und nicht davon profitieren, wenn sich die Börsen wieder erholen. Bleiben Sie also bei Ihrer Investition und handeln Sie nicht emotional.

Gleiches gilt auch für Ihre Sparraten und Beiträge zur Altersvorsorge: Bleiben Sie auch hier Ihrer Strategie treu und unterbrechen Sie Ihre Sparpläne möglichst nicht. Sollte sich Ihr Einkommen erhöhen, passen Sie Ihre Sparrate am besten sofort an, und sollten Sie Auszeiten (zum Beispiel für die Familie) planen, dann sollten Sie auch in diesen Phasen die Sparraten möglichst beibehalten.

6. Sprechen Sie in Ihrer Partnerschaft auch über Geld

Spätestens dann, wenn Sie sich für einen gemeinsamen Haushalt entscheiden, sollten Sie offen über Ihre Finanzen sprechen. Als Paar benötigen Sie drei Konten: Jeder hat sein eigenes Konto und zusätzlich gibt es dann ein Gemeinschaftskonto für gemeinsame Ausgaben. Wer weniger verdient, zahlt dort prozentual auch weniger ein.

Nach wie vor sind es meistens die Frauen, die zugunsten der Familie auf eine Vollzeittätigkeit verzichten. Das muss in der Altersvorsorge ausgeglichen werden, denn Teilzeitarbeit bedeutet auch Teilzeitrente.

7. Überprüfen Sie regelmäßig Budgetplanung und Versorgung

Passen Sie Ihr Konzept an sich ändernde Lebensumstände an: Das Leben ist nicht immer planbar, oder wie John Lennon sagte: Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ Wenn sich in Ihrem Leben etwas ändert, dann denken Sie auch an Ihre Finanzplanung und passen Sie diese an. Aber auch wenn alles läuft, kann es nicht schaden, das Bestehende immer mal wieder zu überprüfen. Stellen Sie sich regelmäßig eigene Termine ein und prüfen Sie Ihre Finanzanlagen und Versorgungen.

8. Kümmern Sie sich selbst um Ihr Geld

Kümmern Sie sich selbst um Ihr Geld: Es ist sicherlich sehr bequem, die Finanzen in die Hände des Partners zu geben. Aber nur, wenn Sie sich selbst um Ihre Finanzen kümmern, behalten Sie den Überblick. Eigenes Vermögen ist ein Stück Freiheit, und es kann sogar Spaß machen, es wachsen zu sehen. Scheuen Sie sich jedoch nicht, sich Hilfe zu holen, und lassen Sie sich gerne unabhängig beraten.

9. Regeln Sie die wichtigen Dinge vertraglich

Was passiert, wenn Sie selbst nicht mehr handeln können? Wer erbt nach Ihrem Tod Ihr ganzes Vermögen? Und was passiert eigentlich bei einer Scheidung? Machen Sie sich die rechtlichen und finanziellen Folgen verschiedener Situationen bewusst und regeln Sie Ihren Willen auch schriftlich.

Wenn Sie nicht möchten, dass nach Ihrem Tod die gesetzliche Erbfolge eintritt, dann sollten Sie ein Testament nach Ihren individuellen Wünschen erstellen und Regeln für die konfliktfreie Abwicklung des Erbfalls aufstellen.

Auch eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung sollten Sie erstellen. In vielen Fällen ist auch ein Ehe- oder Partnerschaftsvertrag sinnvoll.

10. Legen Sie los

Zeit ist Geld! Das gilt vor allem bei der persönlichen Finanzplanung. Schieben Sie das Thema also nicht weiter auf die lange Bank, sondern kümmern Sie sich jetzt darum. Je früher Sie beginnen, umso mehr können Sie im Leben erreichen. Gleichzeitig gilt aber auch: Es ist (fast) nie zu spät.

Wenn Sie sich noch nicht um Ihre Finanzen gekümmert haben und der Ruhestand immer näher rückt, dann ist es jetzt an der Zeit, loszulegen.

Zehn Schritte zur finanziellen Unabhängigkeit schlägt Annika Peters von der Frauenfinanzberatung Barbara Rojahn & Kolleginnen aus Stuttgart vor. Sie bietet dazu auch einen Online-Workshop an, der am Donnerstag, 22. April 2021, von 18 Uhr bis circa 20 Uhr über Zoom stattfinden soll. Veranstalter sind der Frauenrat Waiblingen und die städtische Beauftragte für Chancengleichheit, Gabi Weber.

In diesem Vortrag soll es darum gehen, wie Frauen klug mit Geld umgehen und finanzielle

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