Waiblingen

Expressionismus-Ausstellung: Das Digital-Experiment der Galerie Stihl Waiblingen

Von Kollwitz bis Klee
Kuratorin Barbara Dober erläutert bei einem Pressetermin die Werke. © Gabriel Habermann

„Trotz Corona sichtbar bleiben“ – das Ziel hat sich die Galerie Stihl Waiblingen mit ihrer aktuellen Ausstellung „Im Rausch der Zeit – Expressionismus von Kollwitz bis Klee“ gesetzt, die wegen der Pandemie bislang ohne Besucher vor Ort auskommen muss. Zwar war es gelungen, die Ausstellung zu verschieben – aber dann kam schon der nächste Lockdown. Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Käthe Kollwitz, Wassily Kandinsky und viele andere: „Im Prinzip hatten wir seit Monaten einen Porsche in der Garage, den wir nicht ausführen durften“, sagt Galerieleiterin Dr. Anja Gerdemann.

Notgedrungen musste sie mit ihrem Team neue Formen der Kunst-Präsentation erfinden. Mit Erfolg: Die ersten digitalen Führungen für je 20 Personen war fast ausgebucht. Für den Förderverein wurde gleich eine zweite Führung anberaumt. Bewusst wurde die Ausstellung nicht einfach „abgefilmt“ und die Führung nicht aufgezeichnet. Die Besucher wurden tatsächlich live durch die Ausstellung geführt. „Wie bei der analogen Führung stellt sich der Guide auf die Gruppe, und die Teilnehmer haben Gelegenheit für Rückfragen über den Chat.“ Voraussetzung war ein „kleines Fernsehteam“ aus Moderatorin, Kamerafrau und einer Regie, um die Zoom-Sitzung zu leiten. Voraussetzung dafür war auch ein gutes technisches Equipment mit einem i-Phone 11 für gute Bildqualität. „Man sieht damit jede Pore des Papiers“, sagt Anja Gerdemann.

Profi-Tänzerin wirbelt durch die leere Galerie

Zweifellos handelt es sich um eine an sich publikumsträchtige Ausstellung, was die dargestellte Epoche und die vertretenen Künstler angeht. Sie rein digital zu präsentieren, war und ist eine Herausforderung. „Aber die Galerie hat sich dadurch enorm weiterentwickelt.“ Facebook, Instagram, ein eigener Youtube-Kanal – all das wird professionalisiert und „in einer hochkreative, experimentellen Phase“ mit neuen Formaten bestückt.

De Reihe „Ansichtssache“ steht für Diversität und Teilhabe. Hier besprechen nicht Kunsthistoriker die Werke, sondern Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, etwa ein Flüchtling aus Syrien oder ein 20-jähriger Kreativkopf aus Stuttgart. Die Stuttgarter Tänzerin und Tanzlehrerin Anika Kopfüber tanzte in der Galerie zu Otto Muellers Werk „Zirkuspaar“. Von der Suchtberatungsstelle in Waiblingen wird noch jemand über das „Rauschhafte“ der Zeit des Expressionismus sprechen.

Eintritt mit Schnelltest?

Eigentlich hätte die Ausstellung von Dezember bis Februar geöffnet sein sollen. Tatsächlich läuft sie nun vom 17. April bis 18. Juli. Doch dann müssen die Kunstwerke zurück zu den Leihgebern. Dass die Besucher die Bilder von Paul Klee, Oskar Kokoschka, Alfred Kubin und ihren Zeitgenossen noch vor Ort werden betrachten können, erscheint angesichts der Entwicklung der Pandemie inzwischen wahrscheinlich. Liegt die Inzidenz fünf Werktage hintereinander unter 100, darf unter Auflagen geöffnet werden. Die Galerie Stihl wird dabei von den Erfahrungen aus dem Vorjahr profitieren können. Neu wird der Einlass mit negativem Schnelltest- beziehungsweise Impf-Nachweis sein. „Darin sind ja jetzt bald alle gewöhnt“, meint die Galerieleiterin.

Aura des Originals

Bis analoge Führungen wieder erlaubt sind, ist wohl noch etwas Geduld gefragt. Das Programm mit den Live-Führungen jedenfalls wird fortgesetzt. So findet am 4. Juni mit der Kunstvermittlung der Kunstschule Unteres Remstal eine Familienführung statt. Von 9. Juni an werden Kuratorin Babara Dober und Volontärin Susanna Baumgartner regelmäßig Angst, Freude, Ekstase und andere Emotionen in den Mittelpunkt ihrer „dialogischen“ Führungen stellen. Künftige Ausstellungen werden wohl hybrid geplant, die Digitalangebote bleiben bei Nachfrage erhalten – insbesondere die Liveführungen. Eins ist bei allen digitalen Erfolgen aber stets klar und spricht für Präsenzbesuche, meint die Galerieleiterin: „Die Aura des Originals ist nicht zu ersetzen.“

„Trotz Corona sichtbar bleiben“ – das Ziel hat sich die Galerie Stihl Waiblingen mit ihrer aktuellen Ausstellung „Im Rausch der Zeit – Expressionismus von Kollwitz bis Klee“ gesetzt, die wegen der Pandemie bislang ohne Besucher vor Ort auskommen muss. Zwar war es gelungen, die Ausstellung zu verschieben – aber dann kam schon der nächste Lockdown. Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Käthe Kollwitz, Wassily Kandinsky und viele andere: „Im Prinzip hatten wir seit Monaten einen Porsche in der

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