Waiblingen

Für die Jugendlichen etwas bewegen

daa57ea1-5d2c-4676-97b1-c2eb0a1da6a3.jpg_0
Jugendhaus-Leiterin Nina Falkenberg mit den Jugendräten Maxim Nyamsi und Anastasia Tsiorta. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Sie sind 18 beziehungsweise 19 Jahre alt – und müssen schon aus Altersgründen ihre Ämter aufgeben. Denn so sind die Spielregeln des Jugendgemeinderats: Maxim Nyamsi und Anastasia Tsiorta dürfen nicht mehr zur Wahl antreten. Neue Kandidaten, die für die Jugendlichen in Waiblingen was bewegen wollen, werden gesucht.

Vor der Wahl zum Jugendgemeinderat rufen Maxim Nyamsi und Anastasia Tsiorta auf: Bewerbt Euch!

Im März können alle Waiblingerinnen und Waiblinger zwischen 14 und 18 Jahren wieder ihre Vertreter in der Stadtpolitik wählen. Schon das Wort „Jugendgemeinderat“ klingt für viele Jugendliche abschreckend und uncool, das weiß der 19-jährige Maxim Nyamsi, Vorsitzender des Jugendgemeinderats, ganz genau. Aber der alles andere als uncoole Rapper versichert: „Es ist eine gute Sache und überhaupt nicht uncool!“ Seine Stellvertreterin, die 18-jährige Anastasia Tsiorta, sagt, warum: „Man kann Partys veranstalten und viele tolle Sachen für die Jugend bewegen.“

Eine Idee des Jugendrats: Graffiti-Wall beim Skaterpark

Bestes Beispiel: die Graffiti-Wall beim Skaterpark. Der Jugendgemeinderat hatte vor einigen Jahren die Idee dazu und boxte sein Anliegen durch. In der zweijährigen Amtszeit, die jetzt gerade ausläuft, organisierten die Schüler und Azubis Graffiti-Kurse mit einem Profi. Für die bunt bemalte Mauer gilt eine einfache Regel: Auf der einen Seite dürfen Fortgeschrittene ihre Bilder gestalten, auf der anderen Seite können Anfänger Sprüh- und Maltechniken ausprobieren. „Das funktioniert ganz gut, es gibt kaum Schmierereien“, so die Beobachtung von Sozialpädagogin Nina Falkenberg, die das Jugendhaus Villa Roller leitet und den Jugendgemeinderat bei seinen Aktionen unterstützt.

Die Jugendlichen wollen ernst genommen werden

Maxim und Anastasia haben jetzt zwei Amtsperioden und damit vier Jahre Jugendgemeinderat hinter sich. Wie es war? „Mein persönliches Highlight war die Reise in die Partnerstadt Mayenne“, sagt der in Kamerun geborene Maxim, dessen Muttersprache Französisch ist. Viele interessante Leute habe er kennengelernt.

Bei der Reise aber auch sonst in der Zeit mit dem Jugendgemeinderat. Ein weiteres Highlight für den Schüler, der am liebsten Politikwissenschaft studieren würde, war die Aktion „Respekt – kein Platz für Rassismus“ auf dem Zeller-Platz. „Mir hat gefallen, dass da auch so wichtige Leute wie der Oberbürgermeister und Stadträte dabei waren.“ Das sei auch eine Wertschätzung für die Jugendlichen gewesen. Dieses Gefühl, von den „echten“ Kommunalpolitikern ernst genommen zu werden, hatten die Jugendlichen sonst nicht immer.

Hilfsaktionen für Flüchtlinge

Aus Sicht von Anastasia waren die Highlights die Hilfsaktionen für Flüchtlinge: Der Jugendgemeinderat rief die Waiblinger zum Spenden für Kinder auf – und ging danach in die Wohnheime und verteilte die Geschenke. „Es war toll, zu erleben, wie einfach man Menschen eine Freude machen kann.“ Die Flüchtlingsunterkünfte zu besuchen und mit einigen Menschen dort ins Gespräch zu kommen, von ihnen zum Tee eingeladen zu werden – das war eine spannende Erfahrung, die viele Jugendliche und Erwachsene sonst nicht machen.

Man spürt bei diesen Beispielen: Der Jugendgemeinderat feiert nicht nur Partys. „Wenn alle wollen, kann man etwas bewegen“, ist Anastasia, die eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin machen will, überzeugt. Niemand, der mitmachen möchte, brauche Angst haben, das es zu viel Arbeit wird. „Es ist nicht so anstrengend, man teilt sich in Gruppen auf, die sich um die einzelnen Projekte kümmern.“ Wichtig findet Maxim, dass alle sich engagieren, dass nicht zu viel an den Vorsitzenden hängenbleibt.

Jeder wird gebraucht. Anastasia wird sich weiter fürs politische Geschehen interessieren, und Maxim will aktiv weitermachen: Er ist jetzt Mitglied bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD. Eine Idee für den nächsten Jugendgemeinderat hätte Maxim schon: Dieser könnte die eigene Facebook-Seite aufwerten und ein Video über sich und seine Tätigkeit drehen, um das Gremium unter den Jugendlichen bekannter zu machen.

Kandidat werden: So funktionierts:

  • Du bist zwischen 14 und 17 Jahre alt und möchtest für den 12. Jugendgemeinderat der Stadt Waiblingen kandidieren? Dann fülle das Kandidatenformular aus (zum Beispiel auf www.waiblingen.de) und gebe es mit einem aktuellen Foto bis zum 24. Februar 2017 bei der Kinder- und Jugendförderung, Marktgasse 1, oder im Rathaus ab. Gescannte Formulare und digitale Fotos können auch an kjf@waiblingen.de geschickt werden. Achte darauf, dass du auf dem Foto gut zu erkennen bist und das Bild eine hohe Auflösung hat. Es wird auf den Wahlplakaten veröffentlicht.
  • Das ist der Zeitplan für die Wahl: 24. Februar: Ende Bewerbungsfrist für Kandidaten; 10. März: erste Kandidatenvorstellung im Fidels Fritz (Kneipe im Kulturhaus Schwanen); 17. März: zweite Kandidatenvorstellung und Wahlparty im Jugendhaus Villa Roller; 16. bis 20. März: Wahlwerbung an den Schulen, Jugendtreffs; 20. März: Onlinewahlverfahren wird aktiviert; 24. März: 13 Uhr Wahlende.
  • Die Wahlen werden wieder als Online-Wahl vom 20. März bis 24. März 2017 – übrigens auch in den Waiblinger Schulen, in den Jugendeinrichtungen und natürlich an privaten PCs oder Mobiltelefonen – durchgeführt. Die Jugendlichen bekommen einen persönlichen Zugangscode für die Wahl.