Waiblingen

Fahrraddiebe legen wieder los: Wie kann man sein Rad sichern?

fahrradklau
Solch ein Schloss lässt sich mit dem richtigen Werkzeug innerhalb kürzester Zeit öffnen. Es gibt zwar kein Schloss, das ein Dieb nicht knacken könnte – aber je länger es dauert, umso größer ist die Chance, dass er es lässt. © Rainer Fuhrmann / Fotolia

Waiblingen. Schau’ ich weg von dem Fleck, ist das Radel plötzlich weg: Die Hochsaison für Fahrraddiebe beginnt jetzt. Die Polizei rät, Fahrräder mit besonders massiven Stahlketten, Bügel- oder Panzerkabelschlössern zu sichern. Im Fall der Fälle leistet ein Fahrradpass mit Foto gute Dienste.

„Hochwertige Fahrräder sind ein begehrtes Diebesgut“, heißt es in der Jahresstatistik 2016 des Polizeipräsidiums Aalen. Auf ein „Rekordhoch“ stieg der von Fahrraddieben verursachte Schaden im vergangenen Jahr – und das, obwohl die Zahl der Diebstähle insgesamt zurückgegangen ist (siehe Infobox).

Bande aus Rumänien: Anführer gestand die Taten 

Diebe greifen nicht nur nahe Biergärten oder vor Schulen zu. In Aalen verschafften sich Täter im Zeitraum von Februar bis Oktober 2016 reihenweise Zugang zu Keller- und Fahrradabstellräumen in Wohnanlagen. Zeugenhinweise brachten die Polizei auf die Spur einer Bande aus Rumänien. Der Anführer gestand die Taten.

Fahrradschlösser müssen stabil sein 

Das Rad immer anschließen, auch im Abstellraum – das ist einer der wichtigsten Ratschläge der Polizei zum Schutz vor Diebstahl. Fahrradschlösser müssen so stabil sein, dass niemand sie mit einer Kombizange oder einem Seitenschneider einfach durchschneiden kann.

Rad an Laternenpfahl oder Fahrradständer anschließen 

Blockieren Schlösser lediglich Hinter- oder Vorderrad, schützt das vor Diebstahl nicht: Die Täter tragen das Rad einfach weg. Deshalb schließt, wer sein Rad liebt, das Gefährt an einem Gegenstand wie einem Laternenpfahl oder am Fahrradständer an. Und das eben nicht nur mit einer dünnen Kette, einem Spiral-Kabel oder einem Bügelschloss mit dünnen Bügeln.

„Die sichersten Schlösser sind Bügelschlösser.“

Der Allgemeine deutsche Fahrradclub (ADFC) nennt eine Faustregel, wonach dem Besitzer ein guter Diebstahlschutz fünf bis zehn Prozent des Neupreises des Fahrrads wert sein sollte. Der Club nennt zwar die flexiblere Handhabung von Kettenschlössern beim Anschließen als Vorteil, aber: „Die sichersten Schlösser sind Bügelschlösser.“ Aber nicht die billigen. Gegen professionelles Knacken des Schlosses schützen meist nur die Topmodelle der renommierten Hersteller, heißt es beim ADFC.

Diebe verzweifeln an hochwertigen Schlössern 

Tester der Stiftung Warentest sind 2015 vielen Bügel-, Falt-, Ketten- und Panzerkabelschlössern mit schwerem Gerät zu Leibe gerückt. Ihr Fazit: „Kein Fahrradschloss bietet absolute Sicherheit“ – doch „an hochwertigen Schlössern verzweifeln Diebe frühzeitig und kapitulieren entnervt.“ Den Unterschied macht aus, wie schnell ein Schloss zu knacken ist. Die Testergebnisse sind auf der Homepage der Stiftung Warentest gegen Gebühr abrufbar.

Auch Sattel und Räder können geschützt werden 

Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes informiert ferner, wie Fahrradbesitzer einzelne Teile, etwa den Sattel und die Räder, vor Diebstahl schützen können: Die handelsüblichen Schnellspanner lassen sich durch codierte Verschraubungen ersetzen. Nur mittels passendem Zentralcodeschlüssel sind diese wieder zu öffnen.

Fahrrad codieren...

Über eine Codierung des Fahrrads nachzudenken, lohnt sich allemal. Für die Diebe ist es deutlich schwerer, ein codiertes Rad zu verkaufen, als eines ohne dieses Erkennungsmerkmal. Deshalb besteht berechtigte Hoffnung, dass ein Dieb die Finger von einem Rad lässt, das mit solch einer Sicherung ausgestattet ist.

...wie funktioniert das?

Der ADFC erläutert das Verfahren: Eine Graviermaschine oder ein spezieller Aufkleber verewigt auf dem Rahmen des Fahrrads einen verschlüsselten, personenbezogenen Code, der aus einer individuellen Ziffern- und Buchstabenkombination besteht. Sie setzt sich zusammen aus dem Autokennzeichen und Gemeindecode des Ortes, in dem der Eigentümer wohnt, einer fünfstelligen Zahl für die Straße, drei Ziffern für die Hausnummer, sowie den Eigentümer-Initialen, möglichst ergänzt durch eine zweistellige Jahreszahl der Codierung. Fahrradhändler, der ADFC und andere nehmen die Codierungen vor, sofern der Besitzer außer seinem Rad auch einen Eigentumsnachweis sowie einen Personalausweis vorzeigt.

Daten sind in einem Mikrochip gespeichert

Die Polizei kann anhand des Codes auf den rechtmäßigen Eigentümer schließen. Mittlerweile sind auch elektronische Kennzeichnungen erhältlich. Auf einem im Fahrradrahmen verankerten Mikrochip sind Daten des Fahrrads und des Eigentümers gespeichert.

Durch Radpass: „Viele gestohlene Fahrräder werden wieder aufgefunden.“

Händler liefern eventuell beim Verkauf eines hochwertigen Rads einen Radpass mit. Bei der Polizei sind die Vordrucke ebenfalls zu haben. Es empfiehlt sich, das Dokument sorgfältig auszufüllen, also etwa Rahmen- und, falls vorhanden, Codiernummer einzutragen, ferner Infos über Marke und Modell, Schaltung, Reifengröße und vieles mehr. Sollte das Fahrrad tatsächlich gestohlen werden, erhöht ein Pass die Chance, es zuzuorden, falls es wieder auftaucht. Die Polizei macht in einer Infoschrift Hoffnung: „Viele gestohlene Fahrräder werden wieder aufgefunden.“

Für höheren Schutz kassieren Versicherungen extra 

Mit einem sorgfältig ausgefüllten Fahrradpass fällt die Auseinandersetzung mit der Versicherung leichter. Laut Rolf Mertens von der Ergo-Versicherung ist eine Anzeige bei der Polizei erforderlich, damit der Diebstahlschutz der Hausratversicherung greift. Für einen höheren Schutz als den in der Hausratversicherung enthaltenen kassieren Versicherungen extra. Diebstähle auf offener Straße mit abzudecken, kostet laut Mertens Aufpreise.

Fahrradklau: Daten und Datenbanken

Die Polizei hat 2016 im Rems-Murr-Kreis 688 Fahrraddiebstähle registriert. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um knapp 21 Prozent.

Der Rückgang ist zu bewerten vor dem Hintergrund, dass sich die Zahlen 2015 auf einem Zehn-Jahres-Höchststand bewegten.

Der Schaden lag 2016 - bezogen auf den gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen – bei insgesamt knapp 730 000 Euro.

Landesweit nahm die Zahl der Fahrraddiebstahlsfälle um rund ein Prozent auf genau 28 723 zu.

In mehreren Datenbanken im Internet sind gestohlene Räder registriert, etwa bei www.fahrrad-gestohlen.de oder bei radklau.org.

Auf der Plattform www.fahrrad-gestohlen.de geht es auch um die Emotionen, die mit dem Verlust des Fahrrads verbunden sind: „Der Diebstahl eines Fahrrades hinterlässt weit tiefere Wunden, als man als Nichtbetroffener meint. Bei einem gestohlenen Fahrrad handelt es sich nicht um einen toten Gegenstand, den man jederzeit wieder neu kaufen kann.“