Waiblingen

Fahrverbot für über 71 000 WN-Dieselautos

Diesel_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen. Im Rems-Murr-Kreis sind rund 71 000 WN- und BK-Diesel vom Stuttgarter Fahrverbot betroffen. Stuttgart plant von 2018 an, bei Smogwetterlagen nur noch Benziner ab Euro 3 und neue Diesel in die Landeshauptstadt zu lassen, die der Euro 6-Norm entsprechen.

Laut Kfz-Zulassungsstelle des Landratsamtes waren im Kreis 248 030 Autos zugelassen, davon 78 704 Diesel (Stand Januar 2016). Lediglich rund 7500 der 78 704 Diesel entsprachen der Euro 6-Norm und dürfen bei Fahrverboten in die Landeshauptstadt. Peter Zaar, Verkehrsdezernent im Landratsamt, wurde von den Fahrverboten schon ab 2018 überrascht. „Eine Abstimmung mit dem Rems-Murr-Kreis hat es nicht gegeben.“ Das Land reagiere als Getriebener und damit zulasten der Dieselfahrer, denen ein planvolleres Vorgehen der Landesregierung zu wünschen gewesen wäre. „Dass ohne Fahrverbote die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in Stuttgart nicht eingehalten werden können, ist seit langem bekannt“, betont Zaar. Die konkrete Ausgestaltung des Fahrverbots müsse nun zügig beginnen. Erfreulich sei, dass Lieferverkehre inklusive Handwerkerfahrten wohl ausgenommen werden sollen. Für den Rems-Murr-Kreis gebe es noch zahlreiche offene Fragen: Wie soll die Einfahrtsverbotszone konkret zugeschnitten werden? Welchen Verdrängungsverkehr wird das Fahrverbot auslösen und wo soll dieser fließen? Wo sollen die Dieselfahrzeuge parken, die nicht mehr nach Stuttgart einfahren dürfen. „Die P+R-Platzsituation ist bereits heute unbefriedigend.“ Zudem gelte: „Der schienengebundene ÖPNV in der Region Stuttgart verläuft trotz aller Bemühungen weiterhin chaotisch.“ Bevor ein Fahrverbot in Kraft trete, sollte wenigstens diese Baustelle abgeräumt sein.

Haußmann: CDU hat bei dieser Thematik jede Glaubwürdigkeit verloren

Der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann hat die Pläne zu Fahrverboten in Stuttgart bereits ab dem Jahr 2018 kritisiert. „Die CDU in Baden-Württemberg hat bei der Thematik Fahrverbote jede Glaubwürdigkeit verloren“, schrieb Haußmann. „Bereits ab 2018 sollen offenbar ganzjährig Dieselfahrzeuge unterhalb der Euro-5-Norm nicht mehr fahren dürfen. Das sind beileibe keine alten Autos, sondern Neuzulassungen bis 2015.“ Es gebe zwischen Euro 5 und Euro 6 beim Feinstaub keinen Unterschied. „Die Dieselfahrzeuge sind, was den Feinstaub betrifft, ohnehin kein Problem mehr“, so Haußmann.

Verkehrspolitik drückt aus Rücksicht auf die Autoindustrie seit Jahren beide Augen zu

Große Unterschiede gibt es jedoch bei den Stickoxidwerten. Zumindest auf dem Papier. Die EU-Richtlinien für die Luftreinhaltung hatten eben nicht nur Feinstaub, sondern die ebenfalls sehr gesundheitsschädlichen Stickoxide im Auge. Die Manipulationen des VW-Konzerns waren offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Bei den meisten Herstellern verfehlen die Autos die auf dem Prüfstand gemessenen Werte auf der Straße deutlich. Die deutsche Verkehrspolitik drückt aus Rücksicht auf die Autoindustrie seit Jahren beide Augen zu, obwohl die EU effektive Maßnahmen eingefordert hat. Verkehrsminister Dobrindt (CSU) wie auch der damalige Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) lehnten eine blaue Plakette ab.

Kfz-Gewerbe: Fahrverbote Gebrauchtwagenmarkt belasten, aber nicht zusammenbrechen lassen

Das Kfz-Gewerbe reagiert auf die Fahrverbote gelassen. „Fahrverbote an Feinstaubtagen auf besonders belasteten Straßen in Stuttgart werden den Gebrauchtwagenmarkt belasten, aber sie werden ihn nicht zusammenbrechen lassen“, schätzt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Die Innung sieht nach wie vor eine Umstiegsprämie für sinnvoller an, um in der Region den Ersatz älterer Diesel-Pkw durch neue Pkw „auch mit anderen Antriebsarten zu beschleunigen“. Bei Neu- und Gebrauchtfahrzeugen werde sich der schon zu beobachtende Trend hin zu anderen Antriebstechniken verstärken.“ Eine Nachrüstung von Euro 4 oder Euro 5 auf die strengere Euro-6-Norm ist laut ADAC nicht möglich.

Jeder dritte Neuwagen ist ein Diesel

Die Debatte um den Diesel schlägt sich bereits in den Zulassungszahlen nieder. Nur noch gut ein Drittel der neu zugelassenen Fahrzeuge sind Diesel. Allein Feinstaubalarmen zum Trotz boomte im Januar der Automarkt im Rems-Murr-Kreis. Die Neuzulassungen stiegen um 22,3 Prozent gegenüber Januar 2016 und lagen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Insgesamt meldet die Zulassungsstelle 1327 Pkw-Neuzulassungen, 242 mehr als im Vorjahr. Darin sind drei Elektro-Pkw und zehn Plugin-Hybridfahrzeuge enthalten. Von den 1327 Neuzulassungen entfielen 483 Pkw oder 36,4 Prozent auf Diesel.