Waiblingen

Falsche Papiere, ein Täter als Opfer

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Symbolbild. © Mathias Ellwanger

Waiblingen. Beim ersten Mal wurde er schlicht abgewiesen, beim zweiten Mal überraschte ihn die Polizei: Mit gefälschten Genehmigungen für sein aufgemotztes Auto war ein Waiblinger beim Landratsamt aufgetaucht. Nun stand er wegen Urkundenfälschung vor Gericht.

So verzweifelt klingt der Angeklagte vor Richterin Bayer, man ist geneigt, dem 31-Jährigen zu glauben: dass er derjenige ist, der von Fälschern reingelegt wurde, wie er beteuert. Dass es ihm „niemals in den Sinn gekommen wäre“, wissentlich mit gefälschten Papieren ins Landratsamt zu spazieren – erst im vergangenen Jahr sei er doch einen Monat lang wegen Drogendelikten in U-Haft gesessen und heute nur auf Bewährung auf freiem Fuß. „Ich bin unschuldig“, sagt er, „ich wurde selber verarscht.“ Er sei davon ausgegangen, originale Dokumente zu erhalten, auf legalem Weg.

Fest steht: Der türkische Staatsbürger hat sich zumindest äußerst naiv auf dubiose Geschäfte mit Menschen eingelassen, die er nicht besonders gut kannte.

Der spielsüchtige Mann, der bis zum Hals in Schulden steckt, brauchte eine Genehmigung für sein aufgemotztes Auto, versehen mit einen Stempel vom TÜV. Im Falle der neuen Reifen, die der Angeklagte hatte aufziehen lassen, hätte ihn die Genehmigung – sofern sie überhaupt erteilt worden wäre – rund 44 Euro gekostet. Er jedoch zahlte zunächst 300 Euro. Nicht an den TÜV, sondern an den griechischen Kumpel eines Kumpels, der ihm das Papier besorgen sollte. Freilich ohne dass irgendwer das Auto selbst je in Augenschein genommen hätte.

Er bekam das bestellte Papier – auf dem der TÜV-Preis 43,90 vermerkt war – und ging am 31. März 2014 damit zum Landratsamt. Dort wurde die Fälschung erkannt, wenngleich sie professionell anmutete. Die Eintragung der Reifen blieb aus, der Mann wurde fortgeschickt, der Experte bei der Polizei informiert. Rund 150 solcher Fälle werden derzeit in Baden-Württemberg bearbeitet, gut die Hälfte davon ist auf seinem Tisch gelandet, sagt der 27-jährige Beamte als Zeuge am Amtsgericht.

Er macht den gleichen Fehler wieder

Rund einen Monat nach seinem ersten Besuch beim Landratsamt taucht der Angeklagte erneut dort auf. Dieses Mal hat er einen Änderungsantrag der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation (KÜS) im Gepäck. Auch dieser ist gefälscht, dieses Mal sogar etwas dilettantischer als beim ersten Mal. Mitarbeiter der Behörde rufen die Polizei. Der Waiblinger muss mit aufs Revier.

Was war geschehen? Nach dem Misserfolg beim ersten Versuch hatte der Angeklagte sein Geld vom Mittelsmann, einem 28-jährigen, griechischen Lageristen, zurückgefordert und es nach der Drohung, zur Polizei zu gehen, auch zurückerhalten. Das geht aus einem Whatsapp-Protokoll hervor. Der Grieche will dazu vor Gericht nichts sagen – das Verfahren gegen ihn läuft. Anstelle nun aber den offiziellen Weg zu gehen und mit seinem Auto beim TÜV oder der KÜS vorstellig zu werden, entschied sich der Angeklagte, den gleichen Fehler noch mal zu begehen: Ein Arbeitskollege bot ihm an, die Papiere zu besorgen. „Der ist ein Deutscher, ich dachte, der macht das korrekt“, sagt der Türke vor Gericht. Aber weit gefehlt: Zwar zahlte der 31-Jährige noch einmal 100 Euro mehr als beim ersten Versuch, scheiterte aber erneut mit seiner Fälschung – und hatte einen Strafbefehl am Hals.

Aus einem weiteren Whatsapp-Chatverlauf geht hervor, dass er auch diesmal sein Geld zurückforderte. Er wird zitiert: „Ich hab 100-mal gesagt, dass es original sein muss.“ Sein dubioser Geschäftspartner, der deutsche Arbeitskollege, verhöhnt ihn daraufhin: „Ich hab’ deinen IQ höher eingeschätzt. Mach dich nicht lächerlich.“ Auch er hüllt sich vor Gericht in Schweigen.

Am Ende kommt der Angeklagte glimpflich davon. Mit der Bewährungsstrafe vom vergangenen Oktober kann das Gericht eine Gesamtstrafe bilden. Da fällt das Delikt kaum ins Gewicht – das Verfahren wird eingestellt. „Das ist jetzt aber kein Freispruch“, betont die Staatsanwältin. Und die Richterin hat einen Rat für den Mann: weniger blauäugig durchs Leben gehen.