Waiblingen

Falscher Pass, echte Integration

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Auch kleine Parkrempler lieber sofort melden. Alles andere wird mit hohem Geldbußen bestraft. © Ramona Adolf

Waiblingen. Mit drei falschen italienischen Ausweisen ist ein gebürtiger Afghane bei seiner Einreise am Flughafen ertappt worden. Nun hat das Waiblinger Amtsgericht ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro verurteilt. Positiv wirkte sich sein guter Leumund aus: Der Familienvater versucht sich ansonsten, aktiv zu integrieren.

Direkt am Münchner Flughafen haben die Grenzbehörden Amid B. (Name von der Redaktion geändert) erwischt. Mit einem falschen italienischen Ausweis hatte der gebürtige Afghane im März 2015 versucht, nach Deutschland einzureisen. In Jackentasche und Gepäck hatte er zwei weitere Ausweise, exakte Entsprechungen des ersten Passes. Für den Kauf und Gebrauch der falschen Papiere – strafrechtlich ausformuliert: für das Verschaffen von falschen amtlichen Ausweisen und Urkundenfälschung – verurteilte das Amtsgericht Waiblingen ihn nun zu einer Geldstrafe von 800 Euro.

Amid B. ist, wie sein Verteidiger verliest, als kleines Kind mit seiner Familie von Afghanistan in den Iran gezogen. Dort wuchs er auf, arbeitete als Fliesenleger, gründete eine Familie, wurde Vater zweier Kinder. Jedoch fehlte die Perspektive, sogar gehungert habe seine Familie zeitweilig. Außerdem hätten Afghanen im Iran keinen guten Stand, sie würden als Menschen „zweiter oder sogar dritter Klasse“ behandelt. Auch von den Behörden. So bekämen sie dort teils auch keine Ausweispapiere – ob afghanische oder persische.

Also reiste Amid B. mit Bus und Boot nach Griechenland. In einem Park in Athen seien ihm die falschen Ausweise im Dreier-Paket angeboten worden. Drei Versuche, nach Deutschland einzureisen. Amid B. habe zugegriffen: aus Angst, ohne einen solchen Pass direkt nach Griechenland zurückgeschickt zu werden, ohne die Chance, einen Asylantrag zu stellen. Nach der Einreise habe er sich unter seinem eigenen Namen zu erkennen geben wollen, um Asyl zu beantragen und seine Familie nachzuholen.

Seit April 2015 lebt Amid B. in Weinstadt in einem Flüchtlingswohnheim. Dort gilt er als eine Art Musterbeispiel. Noch im April hat er mit Hilfe des Freundeskreis Asyl einen Asylantrag gestellt. Er besitzt eine offizielle Arbeitserlaubnis und ist in einem Handwerksbetrieb angestellt. Seinen Unterhalt bestreitet er selbst, bezahlt damit eine geringe Miete, schickt seiner Familie Geld, finanziert sich einen Deutschkurs in der Abendschule.

Nichtsdestotrotz bohrt die Staatsanwältin in der Verhandlung nach. Warum hat Amid B. nicht gleich im März in München Asyl beantragt, sondern erst im April in Weinstadt? Wer garantiert, dass die Pässe nur zur Einreise gedacht waren, und nicht, um unterzutauchen? Seine Antworten darauf sind simpel: In München sei er davon ausgegangen, direkt zurückgeschickt zu werden, als er erwischt und seine Pässe eingezogen wurden. Unterzutauchen sei nie seine Absicht gewesen: „Wozu? Ich habe ja kein Verbrechen begangen.“

Sein guter Ruf schlägt sich nieder

Die Staatsanwältin beharrt darauf: Er habe keinen Grund gehabt, die Pässe zu benutzen. Er sei seit seiner Ankunft in Griechenland nicht mehr auf der Flucht gewesen. Dennoch schlagen sich seine Offenheit und sein guter Ruf auch in ihrem Plädoyer nieder. Er sei ansonsten nie strafrechtlich aufgefallen, geständig, sei nicht untergetaucht und versuche, sich zu integrieren. Diese positiven Faktoren geben auch für Richterin Bidell den Ausschlag für ihr Urteil: eine Geldstrafe.