Waiblingen

Falschgeldbetrug und Drogendelikte

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Kaum zu unterscheiden: Falschgeld (links) und echtes Geld. © Siehler / ZVW

Waiblingen/Weinstadt. Genug Stoff für einen Weinstadt-Krimi: 4000 Euro Falschgeld, 125 Gramm Marihuana, ein Schlagring und eine Verhaftung. Der Schuldige: ein 21-jähriger Endersbacher. Er wurde nun zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, allerdings mit Vorbewährung: Solange er Auflagen erfüllt, wird er auf freien Fuß gesetzt.

Bislang ein unbescholtener Bürger, stürzte sich ein 21-jähriger Weinstädter Anfang des Jahres richtig ins illegale Geschäft: Er brachte in Weinstadt und auf dem Cannstatter Frühlingsfest Falschgeld in Umlauf, außerdem beschaffte er sich aus Deutschland und Kanada Marihuana für den Eigenbedarf und zum Verkauf. Dass er verbotenerweise einen Schlagring besaß, nimmt sich da bei der Verhandlung im Waiblinger Amtsgericht noch als unbedeutendster Anklagepunkt aus.

Der 21-Jährige hat zum Zeitpunkt der Verhandlung bereits fünf Monate in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart verbracht. Er wurde Ende April festgenommen, als er auf dem Cannstatter Wasen mit einer gefälschten 50-Euro-Note Lose kaufen wollte. Der Schein war eine von 80 sogenannten „Blüten“, die der damals 20-Jährige im Darknet (siehe Infobox) erstanden hatte: Nennwert 4000 Euro, Kaufpreis 800 Euro.

Wiederholungstäter

Der Kassierer der Losbude war nicht der Erste, der über den Tisch gezogen werden sollte – nur der Erste, der den Betrug bemerkte. Wie sich im Verlauf der Ermittlungen herausstellte, bezahlte der Weinstädter zwischen März und April 2016 sechs Verkäufer in Endersbach und auf dem Frühlingsfest nachweislich mit Falschgeld. Und kassierte echtes Wechselgeld.

Die Ermittlungen förderten jedoch noch mehr zutage: Als in der Nacht der Verhaftung das Zimmer des jungen Mannes durchsucht wurde, fanden sich dort nicht nur 63 weitere Falsifikate, die durch übereinstimmende Notennummern oder eine charakteristische Faltung mit den Wasen-Blüten in Verbindung gebracht werden konnten. Die Beamten fanden dort darüber hinaus einen Schlagring – ein Verstoß gegen das Waffengesetz, auch wenn nichts von einer gewaltsamen Nutzung bekannt ist – sowie 22,8 Gramm Marihuana, mehrere Tütchen und eine Feinwaage. Klassisches Zubehör, um verkaufsfertige Portionen abzuteilen.

Verkauf oder Eigenbedarf?

Der Angeklagte gibt zu, dass er einen Teil des Marihuanas an Freunde veräußert hat. Um welche Mengen es da geht, lässt sich im Verfahren nicht nachweisen. Da der Endersbacher aber bis zur Verhaftung über mehrere Jahre hinweg selbst konsumiert hat, ohne einer Arbeit nachzugehen, liegt die Vermutung nahe, dass er seinen eigenen Verbrauch mit Verkäufen finanziert haben könnte – oder es zumindest vorhatte.

Ein weiterer Hinweis auf ein solches Vorhaben ist eine missglückte Drogenbestellung im Ausland. Wie der Angeklagte berichtet, habe er über einen Bekannten erfahren, dass er Marihuana im Darknet bestellen könne.

Drogenlieferung abgefangen

Dann habe er Anfang des Jahres 113 Gramm Marihuana von minderer Qualität aus Kanada bestellt, aber nicht erhalten. Diese Menge hätte dem damals 20-Jährigen gut und gerne zum Verkauf dienen können: Sie entspricht etwa 225 Joints. Zu viel für den Eigenbedarf, selbst auf Vorrat. Was der junge Mann erst in der Untersuchungshaft erfuhr: Das Paket mit der mehrfach eingeschweißten illegalen Fracht war Anfang Februar von Zollbeamten des Frankfurter Flughafens entdeckt worden.

Das Marihuana war es auch, das ihn zum Falschgeld führte. Genauer gesagt die Recherche für die Bestellungen. „Da bin ich auf das Falschgeld gestoßen.“

Das Ergebnis ist eine breite Palette von Anklagen. Da ist die Geldfälschung: in diesem Fall, falsches Geld zu erwerben und in Verkehr zu bringen. Außerdem gewerbsmäßiger Betrug. Einfuhr und Besitz von sowie Handel mit Betäubungsmitteln. Schließlich der Verstoß gegen das Waffengesetz: „An sich nicht dramatisch, aber er passt halt ins Bild“, wie Richter Luippold befindet.

Das Urteil

Luippold verurteilt den 21-Jährigen für diese Delikte nach Jugendstrafrecht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten mit Vorbewährung. Erfüllt der junge Mann in den nächsten sechs Monaten bestimmte Auflagen, kann seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Diese Auflagen sind unter anderem eine Suchtberatung, Drogenscreenings und disziplinierte Arbeit an einer neuen Ausbildungsstelle, die sein Vater ihm während der Haft verschafft hat. Verstößt er gegen seine Auflagen, wandert er ins Gefängnis.

Als Gründe für die Anwendung des Jugendstrafrechts führt Richter Luippold unter anderem Entwicklungsverzögerungen an: Der Endersbacher wohnt noch bei seinem Vater, konsumierte mehrere Jahre lang Cannabis und ging seit seinem Schulabschluss 2011 keiner geregelten Arbeit nach. Umso eindringlicher mahnt Luippold: „Die Vorbewährung ist eine Chance, sich die Bewährung zu verdienen. Das liegt in Ihrer Hand.“ Und betont: „Das Delikt als solches ist schlimm.“ Einem Erwachsenen hätte er eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb bis drei Jahren auferlegt.

Darknet

Das Internet unterteilt sich grob in das aus dem Alltag bekannte Sichtbare Web (engl. „Surface/Visible Web“) und das Versteckte Web (engl. „Deep/ Hidden/ Invisible Web“), also zum Beispiel Seiten, die Suchmaschinen aus technischen Gründen nicht listen.

Das Dunkle Web (engl. „Dark Web“) gehört zum Deep Web. Darunter fallen auch „Darknets“, also anonyme, stark gesicherte, „dunkle“ Netzwerke mit Foren und Märkten.

Sie können als Plattform von Datenschützern und durch Zensur eingeschränkte Internetnutzer dienen, aber auch für illegale Geschäfte.