Waiblingen

Familie wegen Marihuana-Besitzes verurteilt

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Symbolbild. © Pixabay (CC0 Public Domain)

Waiblingen.
Mutter, Vater und Sohn mussten sich wegen unerlaubten gemeinschaftlichen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. Die Familie aus Remshalden geriet im Zuge eines anderen Verfahrens ins Visier der Polizei. Und zwar entdeckten die Beamten bei der Auswertung eines beschlagnahmten Mobiltelefons die Kontaktdaten und Bestellungen des 21-jährigen Sohnes. Dieser hatte im November 2017 in kurzen Abständen insgesamt mehr als 250 Gramm Marihuana bei einem Drogenhändler gekauft. Das Rauschgift finanzierte und konsumierte die Familie gemeinsam.

"Zur Not trinke ich Alkohol"

Darüber hinaus legte die Staatsanwältin dem 21-Jährigen zur Last, unter Drogeneinfluss Auto gefahren zu sein. Er musste bereits seinen Führerschein abgeben. Die drei Angeklagten gaben vor Gericht ein volles Geständnis ab.

Richter Martin Luippold fragte, seit wann und wie oft die Familie Drogen konsumiere. Der 21-Jährige sagte, er habe mit etwa 18 Jahren angefangen, Marihuana zu rauchen – und zwar gelegentlich, um besser schlafen zu können. „Ich bin im Kopf relativ aktiv, da fällt es mir schwer, einzuschlafen“, sagte er. „Und wie klappt das jetzt?“, hakte der Richter nach. „Zur Not trinke ich Alkohol.“ Allerdings sei er mittlerweile drogenfrei. Auch seine Mutter bestätigte diese Aussage. „Wir haben aufgehört nach der Hausdurchsuchung.“

Die Mutter, heute 53 Jahre alt, hat nach eigenen Angaben ihren ersten Joint im Alter von 27 geraucht. „Mal habe ich geraucht, dann ein Jahr lang nicht“, sagte sie. Wie seine Frau gab auch der 61-jährige Vater zu, gelegentlich geraucht zu haben. Inzwischen habe er aber aufgehört.

Drogenhändler im Zeugenstand

Richter Luippold sagte: „Hier in dieser Geschichte geht es ja schon um größere Mengen.“ Er wollte wissen, weshalb man sich in großer Menge Marihuana besorge, wenn man doch angeblich nur gelegentlich raucht. Er machte darauf aufmerksam, dass das gelagerte Marihuana nach einigen Monaten seine Wirkung verliert. Weitere Angaben zum Drogenkonsum wollten die Angeklagten aber nicht machen.

Der Drogenhändler, der inzwischen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, sagte vor Gericht aus und bestätigte die Vorwürfe. Doch er könne sich nur an zwei Treffen mit den Angeklagten erinnern. Sein ebenfalls verurteilter Bruder sagte im Zeugenstand: „Ich habe nur vermittelt. Die genauen Mengen weiß ich echt nicht.“ Er habe den 21-Jährigen durch eine gemeinsame Freundin gekannt.

Über die Konditionen der Drogengeschäfte diskutierten der 21-jährige Angeklagte und der Dealer über ein Kommunikationsprogramm auf dem Smartphone, das ähnlich wie Whatsapp funktioniert, sagte ein Kriminaloberkommissar. Zweimal wurden die größeren Marihuana-Mengen von den Drogenhändlern bis an die Haustür der Familie in Remshalden geliefert. Den Verdacht eines weiteren Handels konnte der Beamte nicht ausschließen, doch es hätten sich keine ausreichenden Beweise dafür finden lassen.

Die Jugendgerichtshilfe sagte über den 21-Jährigen: „Er ist ein sympathischer junger Mann, dem man eigentlich mehr zutraut als arbeitssuchend.“ Der Helfer regte an, dass der Angeklagte zu einer Drogenberatung gehen solle. Darüber hinaus solle er als Auflage am Projekt „Chancen nutzen“ des Kreisdiakonieverbandes teilnehmen, um sich bei der beruflichen Orientierung Hilfe zu holen. Zudem hielt er als Auflage gemeinnützige Arbeitsstunden für sinnvoll.

Das sah die Staatsanwältin ähnlich: Sie forderte 120 gemeinnützige Arbeitsstunden, Besuche bei der Drogenberatung und bei „Chancen nutzen“ als angemessen. „Eine genaue Vorstellung hat er nicht, wie es weitergehen soll. Er lebt ein bisschen in den Tag hinein“, sagte sie. Darüber hinaus solle er nachweisen, dass er drogenfrei ist.

In der Erziehung versagt

Für die angeklagten Eltern forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zu einer dreijährigen Bewährung ausgesetzt werden solle. Darüber hinaus solle die Angeklagte eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro und ihr Mann in Höhe von 1000 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen. Die Staatsanwältin hält es für sehr ungünstig, dass eine Mutter seit längerer Zeit Drogen konsumiere: „Der Sohn ist in die Taten hineingerutscht. In der Erziehung haben Sie letztlich versagt.“

Richter Luippold verurteilte den 21-Jährigen zu 70 gemeinnützigen Arbeitsstunden, als Auflage muss er dreimal die Drogenberatungsstelle und das Diakonie-Projekt besuchen sowie innerhalb von zwei Monaten einen Drogentest nachweisen. „Es soll erzieherisch wirksam sein“, sagte der Richter.

Die Eltern verurteilte er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren. Außerdem müssen sie an den Kreisdiakonieverband Rems-Murr und an die Initiative Sicherer Landkreis Rems-Murr Geld spenden.

Waiblingen.
Mutter, Vater und Sohn mussten sich wegen unerlaubten gemeinschaftlichen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten. Die Familie aus Remshalden geriet im Zuge eines anderen Verfahrens ins Visier der Polizei. Und zwar entdeckten die Beamten bei der Auswertung eines beschlagnahmten Mobiltelefons die Kontaktdaten und Bestellungen des 21-jährigen Sohnes. Dieser hatte im November 2017

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