Waiblingen

Familienstreit eskaliert und landet vor Gericht

Amtsgericht Waiblingen_0
Vor dem Amtsgericht Waiblingen ist ein 42-Jähriger wegen Beleidigung und Körperverletzung verurteilt worden. © ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Waiblingen. Ein Familienstreit ist am Mittwoch vor dem Amtsgericht Waiblingen gelandet: Angeklagt war ein 42-Jähriger, dem die Mutter seiner Lebensgefährtin vorgeworfen hatte, sie beleidigt und verletzt zu haben. Auch wenn die Aussagen über den Streit auseinandergingen, verurteilte die Richterin den Angeklagten zu einer Geldstrafe.

Bereits vor dem Beginn der Verhandlung im Amtsgericht gab es Tumult. Vor dem Saal rief die Freundin des Angeklagten ihren eigenen Eltern zu: „Nach dieser Verhandlung sind wir geschiedene Leute.“ Ihre Mutter hatte ihren 42-jährigen Lebensgefährten wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt. Vulgäre Beschimpfungen soll er ihr an den Kopf geworfen und sie bis zur Atemnot gewürgt haben.

Zwar konnte durch die unterschiedlichen Zeugenaussagen kein klarer Hergang der Tat konstruiert werden, doch stand für Richterin Basoglu-Waselzada fest: Hier handelte es sich um vorsätzliche Körperverletzung und Beleidigung. Sie verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. „Das ist ein kleiner Denkzettel, dass man Streit nicht so enden lassen kann“, begründete die Richterin ihr Urteil.

Mutter hatte Kratzspuren am Hals und Prellungen an Hand und Fuß

Die Verhandlung drehte sich um einen Streit Ende April: Für kurze Zeit waren bei der Klägerin ihre Tochter und ihr Lebensgefährte eingezogen. Dabei war außerdem der Sohn der Tochter aus erster Ehe, die momentan geschieden wird. Um ihn sei es bei dem Streit gegangen, so zumindest die Aussage des Angeklagten und seiner Freundin. „Sie hat mir vorgeworfen, ich würde das Kind meiner Lebensgefährtin schlagen und misshandeln“, berichtete der 42-Jährige vor Gericht. Das würde nicht stimmen, verteidigte ihn seine Freundin. Im Gegenteil: Er behandle ihr Kind gut. „Mein Sohn liebt ihn“, sagte sie. Als die Mutter ihm diesen Vorwurf gemacht habe, sei er ausgetickt. Er habe sie beleidigt – „das gebe ich zu“. Auch habe er sie am Kinn gepackt. Damit erklärt er sich die Kratzspuren am Hals der Mutter, die sie nach dem Streit der Polizei und im Krankenhaus gezeigt hatte. Im Krankenhaus stellten die Ärzte am selben Abend auch Hand- und Fußprellungen fest. Würgemale, die auf Atemnot hätten schließen lassen, wurden nicht festgestellt.

Klägerin: "Er hat den Stuhl nach mir geworfen"

Die 53-jährige Klägerin beschrieb vor Gericht eine andere Situation. Sie sei morgens aus dem Schlafzimmer gekommen und er habe zwei Stühle auseinanderrücken wollen, die sie zusammengestellt hatte, weil es besser aussehe. Sie habe ihm gesagt, er solle den Stuhl zurückstellen, er habe sich geweigert. „Er hat den Stuhl nach mir geworfen“, sagte die 53-Jährige. Dann sei er auf sie losgegangen. „Er hat mir den Kiefer zugedrückt. Ich konnte ein paar Tage nichts mehr essen“, berichtete die Klägerin. Der Angeklagte habe sie weggeschubst, so dass sie gefallen sei. Auch habe er sie beleidigt, unter anderem als Schlampe und Miststück – „lauter so Ausdrücke“. Dem Freund ihrer Tochter habe die Klägerin vorgeworfen, dass er das Kind schlage, sagte sie, „aber nicht an dem Tag“.


Angriff auf die Ehre

Sobald der Angeklagte zu Wort kam, gab er die Beleidigung gegenüber der Klägerin zu. Die Richterin verlas, dass er sie somit in ihrer Ehre angegriffen habe. Der Angeklagte kommentierte: „Es war nicht meine Absicht, sie in ihrer Ehre zu verletzen, denn diese Frau besitzt keine Ehre.“

„Vorsicht“, warnte der Staatsanwalt. „Das ist die nächste Beleidigung.“ Auch Richterin Basoglu-Waselzada mahnte: „Da müssen Sie aufpassen.“