Waiblingen

Fasching 2022: Wie Salathengste und 1. WFG in Waiblingen die Altstadt dekorieren

Fasching
Die Aktiven von der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft beim Dekorieren. © ZVW/Alexandra Palmizi

Für manche Passanten mögen es einfach nur an Schnüren aufgehängte Stofffetzen sein, unter denen sie in der Waiblinger Fußgängerzone hindurchgehen, ohne sich groß Gedanken zu machen. Für Rainer Niclaus und die Arbeitsgruppe der Rems-Hexen, die sie am Samstag aufhängten, handelt es sich um ein Zeichen der Hoffnung dafür, dass es auch ein Leben nach Corona geben wird. Ein Leben mit Lachen, Geselligkeit, Freude, Gemeinschaft und selbstredend, wie Niclaus betonte: Fasching.

Vier Mitglieder der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft helfen mit

Punkt 13 Uhr hatten sich die vier „Narren“ aus den Reihen der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft (1. WFG) getroffen, um die Strecke zu schmücken, die in „normalen“ Zeiten der Faschingsumzug vom Rathaus her nimmt, der aber wegen Corona 2022 nicht stattfindet. Für Uwe Hämmerle war es Ehrensache, dabei auch sein „Häs“ zu tragen.

Er werde es auch zum Sonntagnachmittagsspaziergang anziehen, erzählt er, denn die Botschaft, die er damit aussende, „macht etwas mit den Leuten“. Sie gebe Hoffnung, setze ein Zeichen für Normalität und ermuntere dazu, in diesen Zeiten der Pandemie weiter durchzuhalten.

Rems-Hexen konnten sich wegen Corona gar nicht mehr treffen

Hoffnung, berichtet Karl-Heinz Koioth, Gründungsmitglied der Rems-Hexen, benötigten auch der Verein und seine Mitglieder. Schließlich sei mit der Pandemie auch das Gemeinschaftsleben weitgehend zum Erliegen gekommen. „Es fehlt uns allen etwas“, bedauerte er. Im Verein kämen die Ausschussmitglieder sporadisch zusammen. „Aber wir Rems-Hexen treffen uns gar nicht. Und ein paar Bilder auf Facebook sowie die Erinnerung an bessere Zeiten sind nur ein magerer Ersatz.“ Und natürlich habe auch der Kontakt zu den Partnervereinen unter der Pandemie gelitten. Ohne Faschingsumzüge besuche man sich auch nicht mehr gegenseitig, und Hallenveranstaltungen, die in normalen Zeiten auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor seien, gebe es keine. Bei manch kleinem Verein stelle sich sogar die Existenzfrage.

Eisbar-Betreiber: „Dankbar für die Farbtupfer“

Für Reiner Wissmann handelte es sich bei dem Aufhängen der insgesamt weit über einen halben Kilometer langen Girlanden „um eine Art Fitnesstest“. Dem langjährigen Besenwart der Rems-Hexen blieb es nicht erspart, an jeder Hausecke mühsam die Leiter hinaufzusteigen und die Girlandenschnur an einer Dachrinne oder einem Ladenkasten anzubringen. Nein, versichert Rainer Niclaus, mit den Hausbesitzern gebe es da keine Probleme, „wir schlagen ja keine Nägel in die Wand, sondern benutzen lediglich das, was eh schon da ist.“

„Ganz im Gegenteil!“ versicherte Ervin Kmetas, der Betreiber von „Coffreez“. „Wir sind dankbar für jeden Farbtupfer, für Abwechslung und jedes Signal, dass die Waiblinger Innenstadt lebt. Schließlich gilt für uns alle: Wer nicht hofft, der nicht gewinnt!“

Mehr als ein Dutzend Helfer bei den Salathengsten

Von Existenzsorgen seien die „Salathengste“ von der Waiblinger Karneval-Gesellschaft nicht geplagt, versicherten die Zunftmeister Heike und Oliver Haas und verwiesen auf den weit über ein Dutzend Köpfe starken Arbeitstrupp, der sich um 15 Uhr vor der Hahn’schen Mühle zusammengefunden hat, um in Absprache mit den Rems-Hexen den zweiten Teil der Umzugsstrecke vom Rathaus bis an die Ecke Lange/Kurze Straße zu schmücken. Darunter vier Erwachsene und drei Kinder als neue Mitglieder.

Natürlich, betont Sabine Schrage als Vertreterin der Tanzgarde, sei man dankbar, dass man auf diese Art und Weise ein wenig Gemeinschaftsleben untereinander pflegen könne. Gerade für die Tanzgarde, ergänzt der zweite Vereinsvorsitzende Steffen Hoyer, seien es besonders schwere Zeiten, schließlich lebten deren Mitglieder auf ihre Auftritte vor großem Publikum hin. Und die seien unter den gegebenen Umständen ja leider nicht möglich.

Freizeitverhalten an die Pandemie angepasst

Über Whatsapp und Facebook sei man bestrebt, bei einer virtuellen „Challenge“ den Kontakt aufrechtzuhalten, berichtet Heike Haas. Dies bringe Abwechslung und Freude in den Alltag, aber so mancher habe in den vergangenen zwei Jahren sein Freizeitverhalten der Pandemie angepasst und gelernt, dass er auch ohne die Vereinsfamilie leben könne. Umso mehr habe man sich daher auf diesen gemeinsamen Arbeitseinsatz gefreut, auf das Wiedersehen und natürlich die Zeit, die man an diesem Nachmittag miteinander verbringe.

Für manche Passanten mögen es einfach nur an Schnüren aufgehängte Stofffetzen sein, unter denen sie in der Waiblinger Fußgängerzone hindurchgehen, ohne sich groß Gedanken zu machen. Für Rainer Niclaus und die Arbeitsgruppe der Rems-Hexen, die sie am Samstag aufhängten, handelt es sich um ein Zeichen der Hoffnung dafür, dass es auch ein Leben nach Corona geben wird. Ein Leben mit Lachen, Geselligkeit, Freude, Gemeinschaft und selbstredend, wie Niclaus betonte: Fasching.

Vier

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper