Waiblingen

Fast 40 Waiblinger Klassen zu Hause - aber sind Schulen und Kitas wirklich Corona-Hotspots?

Stoßlüften
Unterricht mit Masken an der Kaufmännischen Schule. © Benjamin Büttner

Ob Staufer-Realschule, Salier-Gymnasium oder Wolfgang-Zacher-Schule – Klassen aus fast allen Waiblinger Schulen mussten dieser Tage wegen der Corona-Pandemie schon vorsorglich zu Hause bleiben oder sogar in Quarantäne. Jederzeit müssen sie damit rechnen, sobald ein Familienangehöriger infiziert ist. Eine Riesen-Belastung für Schüler, Eltern und Lehrer – aber wohl immer noch besser als die Schließung.

Quarantäne: Die Kinder dürfen das Haus nicht verlassen. Je nach Wohnungssituation kann das schwierig werden, denn die wenigsten wohnen in einem großzügigen Eigenheim mit Garten. Beruflich stehen die Eltern vor massiven Problemen: Der Jahresurlaub wurde längst aufgebraucht, auch um den Lockdown im Frühjahr zu bewältigen. Wenn überhaupt möglich, ist Home-Office angesagt: „Wir haben technisch aufgerüstet und nochmals eine komplette Büroausrüstung gekauft, da meine Frau und ich in relevanten Berufen arbeiten“, berichtet ein Waiblinger Vater, der kürzlich einen neuen Job angetreten hat. „Während der Probezeit jetzt im Home-Office zu sitzen, ist wiederum nicht das beste Gefühl.“

Eltern reiben sich auf  

Während der Heimarbeit müssen Eltern gleichzeitig ihre Kinder betreuen. Besonders Alleinerziehende haben massive Probleme. „Die Eltern verlassen sich auf das Betreuungsangebot im Rahmen des Ganztagsbetriebs“, sagt eine Rektorin. „Das bricht von einem Tag auf den anderen weg.“ Komme es zum Quarantäne-Fall, reagierten manche regelrecht verzweifelt. Was sich für Gymnasiasten der oberen Klassenstufen noch gut regeln lässt, stellt Eltern von Grundschulkindern vor ungleich größere Aufgaben: Sie können die Kinder nicht alleine zu Hause lassen – und beim Fernunterricht benötigen die Schüler Anleitung durch Erwachsene. „Sie benötigen jemanden, der sie lobt, eine Beziehungsperson, die auf ihre Fragen eingeht, korrigierend eingreift.“ So würden sich viele Eltern zwischen Home-Office und Begleitung des Fernunterrichts zerreiben – und litten zudem unter Existenzängsten. Es gebe keine Planbarkeit mehr. Schulen, Kinder und Eltern seien dankbar für jeden Tag, an dem Präsenzunterricht stattfinde.

Hier werden Infektionsketten unterbrochen

Betroffen sind fast alle Schulen. Die mehrmals in der Woche veröffentlichten Listen wirken teils furchterregend. Hotspots erkennt die Stadt Waiblingen aber nicht, weder an Schulen oder Kitas, noch sonst wo, sondern ein „diffuses Infektionsgeschehen“. Es sei eher so, dass durch die sorgfältigen Maßnahmen an den Schulen Infektionsketten unterbrochen würden.

Am Mittwoch gab es 191 infizierte Waiblinger – kreisweiter Rekord. Rund 355 sind als Kontaktpersonen in Quarantäne. Am Mittwoch waren von insgesamt 245 Schulklassen in Waiblingen 25 Klassen vorsorglich im Fernlernunterricht und 14 Klassen in Quarantäne. Dazu kommen noch einzelne Schüler wie Nebensitzer oder Teilklassen aus fächerübergreifendem Unterricht wie Religion, Bildende Kunst oder Sport. Die Ansteckungen kommen in aller Regel von außen, aus den Familien der Kinder. Aber das hat Auswirkungen: Ein infiziertes Familienmitglied bedeutet, dass eines oder mehrere Kinder der Familie Kontaktpersonen sind – was wiederum bedeutet, dass eine oder mehrere Klassen nach Hause gehen müssen. Wegen eines Verdachts in der Parallelklasse musste die ganz Stufe vorsorglich nach Hause, berichtet der bereits zitierte Vater. „Ist das Sicherheit oder übertrieben? Man kann es schwer einschätzen.“

Schulleiter als „verlängerter Arm des Gesundheitsamts“

Mindestens ein Drittel seiner Arbeitszeit widme er in letzter Zeit der Covid-Kontaktnachverfolgung, sagt Rektor Peter Schey vom Salier-Gymnasium. Er agiere sozusagen als „verlängerter Arm des Gesundheitsamts“. Bislang zählte die Schule im Lauf der Monate sechs infizierte Schüler, öfters müssten Klassen vorsorglich nach Hause, im Schnitt etwa drei gleichzeitig. Die Hygienemaßnahmen samt Maskenpflicht funktionierten gut und würden von den allermeisten Schülern eingehalten. Größere Auswirkungen auf weitere Klassen könnten entstehen, wenn Lehrkräfte in Quarantäne müssen und für den Präsenz-Unterricht fehlen. Bislang sei der Schulbetrieb am Salier aber nicht dem Erliegen nahe.

Auch Peter Schey bestätigt die Beobachtung der Stadt und des Kultusministeriums, dass die Schulen keine Hotspots sind und keine sprunghaften Anstiege zu vermelden hätten. Und so gut der Fernunterricht inzwischen funktioniert, sei die Präsenzform didaktisch zu bevorzugen.

Ob Staufer-Realschule, Salier-Gymnasium oder Wolfgang-Zacher-Schule – Klassen aus fast allen Waiblinger Schulen mussten dieser Tage wegen der Corona-Pandemie schon vorsorglich zu Hause bleiben oder sogar in Quarantäne. Jederzeit müssen sie damit rechnen, sobald ein Familienangehöriger infiziert ist. Eine Riesen-Belastung für Schüler, Eltern und Lehrer – aber wohl immer noch besser als die Schließung.

Quarantäne: Die Kinder dürfen das Haus nicht verlassen. Je nach Wohnungssituation

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