Waiblingen

Fast vergessen: Der alte Bunker unter dem Bahnhof Waiblingen

Bahnhofbunker
Anlagenmanager Giorgio Botta am Luftfilter des kleinen Bunkers. © Gabriel Habermann

Die Schutzräume und Bunker, die bis Ende der achtziger Jahre zur Lebenswirklichkeit des Kalten Krieges gehörten, sind fast vollständig in Vergessenheit geraten und selten – wie etwa in Stuttgart im Rahmen von Führungen – öffentlich zugänglich. Die Stadt Waiblingen hat keine Unterlagen darüber, wo in privaten Gebäuden sich überhaupt noch welche befinden. Schutzräume sind jedoch durchaus üblich unter Bahnhöfen. Auch in Waiblingen existiert einer.

Es ist ein unheimlicher Ort, abseits der Alltagswelt. Vom Donnern der S-Bahnen und Gewusel der Fahrgäste ist hier nichts zu spüren. Die Zeit scheint stehengeblieben - nicht nur auf der alten Bahnhofsuhr, die eines Tages um 18 Minuten vor eins ihren Geist aufgab. Von der Bauzeit um 1980 zeugt auch das Wählscheiben-Telefon in schönstem Beamten-Grau, das sich dezent abhebt vom fahlgelben Hintergrund der Betonwände.

Ein verwinkelter Geheimgang führt ins Freie

Für die Redaktion hat die Bahn exklusiv einen Besichtigungstermin gewährt. Durch eine dicke Stahltür treten die Besucher zunächst vom gewöhnlichen Technikkeller des Bahnhofs in eine Schleuse mit Warmwasser-Boiler und Dusche. Von der Größe her ähnelt der Bunker einer bescheidenen Zwei-Zimmer-Wohnung. Ohne Fenster zwar, dafür mit einem besonderen Notausgang: In einer bodennahen Luke öffnet sich hinter einer roten Stahltür, durch die ein erwachsener Mann in der Hocke gerade so durchpasst, ein verwinkelter Betongang. Giorgio Botta vom Anlagenmanagement der Bahn hat sich den Spaß oder die Mühe gemacht, hindurchzukraxeln, bis er auf eine Klappe stieß, die sich nach oben öffnen ließ. Draußen fand er sich auf einer Grünfläche auf der rückwärtigen Seite des Hauptgebäudes wieder.

Die Luke zum unterirdischen Gang lässt sich wie bei einem Puzzle mit Betonbausteinen, die allerdings säuberlich nummeriert sind, verschließen. Atemluft konnte von außen als „Normalluft“ oder gefiltert als „Schutzluft“ angepumpt werden.

Während in Waiblingen außer den technischen Anlagen praktisch keine Einrichtung mehr vorhanden ist, sind im Schutzraum unter dem Bahnhof Backnang zum Beispiel noch Feldstockbetten vorhanden, wie Nikolaus Hebding von der DB Station & Service berichtet.

Nach dem Ende des Kalten Krieges „änderte sich die Sicherheitslage“

Der kleine Bunker unter dem Bahnhof war vermutlich in erster Linie für das Bahnpersonal vorgesehen. Insgesamt bestanden in während des Kalten Krieges in der Bundesrepublik rund 2000 öffentliche Schutzraumanlagen. Die größten davon hatten bis zu 10.000 Plätze.

„Mit dem Ende des Kalten Krieges änderte sich die Sicherheitslage“, so die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Gegen aktuelle Gefährdungen wie Klimawandel, Naturkatastrophen und Terrorismus böten öffentliche Schutzräume keinen hinreichenden Schutz. Im Jahr 2007 habe daher der Bund im Einvernehmen mit den Ländern das bisherige Konzept aufgegeben. Das heißt, die bestehenden öffentlichen Schutzanlagen werden seitdem nach und nach abgewickelt.

Räume der früheren Bahnhofskneipe „D-Zügle“ sind entkernt

Was den Bahnhof Waiblingen anbelangt, liegt der Fokus klar auf oberirdischen Veränderungen. Die Räume der ehemaligen Bahnhofskneipe „D-Zügle“ sind entkernt und umgebaut. Einziehen soll ein Döner-Restaurant, wobei die Bahn lieber von „mediterraner Küche“ spricht. Der Innenausbau seitens des künftigen Betreibers könne nun starten, sagt Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding.

Wenn der Bund als Eigentümer der Immobilie die Finanzierung freigibt, soll zudem der Umbau der Fassade des Hauptgebäudes beginnen. Echtes Pflanzen-Grün soll das Braun der achtziger Jahre ablösen. Wann, das vermag derzeit allerdings niemand zu sagen.

Die Schutzräume und Bunker, die bis Ende der achtziger Jahre zur Lebenswirklichkeit des Kalten Krieges gehörten, sind fast vollständig in Vergessenheit geraten und selten – wie etwa in Stuttgart im Rahmen von Führungen – öffentlich zugänglich. Die Stadt Waiblingen hat keine Unterlagen darüber, wo in privaten Gebäuden sich überhaupt noch welche befinden. Schutzräume sind jedoch durchaus üblich unter Bahnhöfen. Auch in Waiblingen existiert einer.

Es ist ein unheimlicher Ort, abseits der

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