Waiblingen

Fernwärme in Waiblingen: Das Interesse steigt - was Hausbesitzer wissen sollten

Heizzentrale
Hier kommt die Fernwärme her: Heizzentrale der Stadtwerke Waiblingen. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den Folgen für die Energieversorgung interessieren sich deutlich mehr Waiblinger für Fernwärme, für einen Anschluss des eigenen Hauses an ein Kraftwerk der Stadtwerke. Allerdings spielt auch hier Erdgas bislang die Hauptrolle, neben Alternativen wie Klärgas aus der Kläranlage. Mindestlaufzeit, steigende Kosten, klappt es noch vor dem Winter? Was Interessierte wissen sollten.

Bei der Fernwärme kommt das heiße Wasser aus den Heizkraftwerken der Stadtwerke Waiblingen durch Rohre in die privaten Wohngebäude. Nach dem Kriegsbeginn verzeichnen die Stadtwerke „auf jeden Fall“ deutlich mehr Anfragen von Privathaushalten, die sich vorstellen können, ihre Immobilie anzuschließen, so Pressesprecher Michael Sigel. Seitdem habe man fünf bis zehn Anfragen pro Woche.

„Wir rechnen mit einem bleibenden Interesse an Fernwärme, da sie gegenüber vielen Einzelheizungen erhebliche Vorteile mit sich bringt“, sagt Stadtwerke-Sprecher Sigel. „Neben Effizienzgewinnen und Emissionseinsparungen dürfen auch die Komfortaspekte nicht außer Acht gelassen werden.“ Kunden müssten sich nicht mehr mit den gesetzlichen Vorgaben für die Heizung beschäftigen. Im Haus ist nur eine Übergabestation nötig, dadurch werde Platz frei für andere Dinge. Der Instandhaltungsaufwand sei „sehr gering“.

Die Stadtwerke bauen das Waiblinger Fernwärmenetz - das eigentlich aus mehreren kleinen Netzen mit verschiedenen Kraftwerken besteht - weiter aus. Und das ist laut Sigel auch nötig, denn momentan seien für Neukunden je nach Teilnetz „noch mehr oder weniger Kapazitäten verfügbar, jedoch wird es ohne einen Ausbau der Netze und der Erzeugungsanlagen mittelfristig schwierig werden, die Nachfragen zu bedienen“.

Bislang 350 Fernwärmekunden in Waiblingen

Insgesamt haben die Stadtwerke bislang 350 Fernwärmekunden. 200 davon sind Mehrfamilienhäuser und Gewerbe/öffentliche Einrichtungen. Weitere Projekte seien „aktuell in der Konzeptphase“, so Sigel, „sprich: Größe des Netzes, Lage der Erzeugung und Art des Erzeugungsmixes werden gerade erarbeitet.“ Das betrifft eine Heizzentrale am Waiblinger Tor „mit Versorgung über Stuttgarter Straße bis Friedrich-Schofer-Straße“; die „Neue Ortsmitte Neustadt mit einem Wärmenetz entlang der Friedhofstraße“; in Hohenacker Neubauten in der Rechbergstraße und städtische Bestandsgebäude sowie Erweiterungen in den Fernwärmenetzen Rötepark und Korber Höhe.

Darüber hinaus würden im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung „in den nächsten zwei Jahren sicherlich weitere Gebiete als mit viel Potenzial für Fernwärmenetze identifiziert“, sagt der Pressesprecher.

Auch bei laufenden städtischen Wohnungsbauprojekten in der Schorndorfer Straße, in der Winnender Straße und Im Feldblick in Bittenfeld soll Fernwärme eingesetzt werden, wie die Stadtverwaltung der Redaktion mitgeteilt hat.

"Hohe Lieferzeiten": Fernwärme vor dem Winter wird nichts

Angesichts der aktuellen Entwicklung und dem nahenden Winter dürfte viele Hauseigentümer interessieren, wie lange sie momentan auf einen Fernwärme-anschluss warten müssen. Die Antwort der Stadtwerke: Ein Einbau vor der kommenden Heizperiode sei nicht mehr möglich, „aufgrund der hohen Lieferzeiten“. Und während der Heizperiode sollte demnach kein Umbau erfolgen.

Generell gelte: „Die meisten Kunden bestellen einen Fernwärmeanschluss einige Monate vor Bau- oder Sanierungsbeginn. Von der technischen Herstellung eines Hausanschlusses für ein Ein- oder Zweifamilienhaus bis zur Inbetriebnahme dauert es in der Regel vier bis sechs Wochen.“

Nach dem Anschluss sind die Kunden nicht nur durch die Infrastruktur, sondern auch rechtlich eine Zeit lang an die Stadtwerke gebunden: Bei Erstverträgen sei eine Dauer von zehn Jahren zulässig, so Michael Sigel unter Verweis auf die Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV).

Welche Kosten für den Anschluss entstehen, lasse sich nicht pauschal beantworten. „Das hängt ab von verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel der Entfernung zwischen Netz und Hausanschlusspunkt, der benötigten Wärmeleistung und spezifischen Ausführungswünschen der Kunden.“

Auch bei der Fernwärme in Waiblingen wird der Preis steigen

Klar ist, dass sich beim Verbrauch auch bei der Fernwärme die gestiegenen Energiekosten bemerkbar machen. „Die Situation am Energiemarkt wirkt sich auch auf die Fernwärmeversorgung aus“, sagt Sigel. „Die Versorger leiden genauso unter den gestiegenen Preisen wie jeder Privatkunde. Ohne eine Steigerung des Wärmepreises würden diverse Versorger in Bedrängnis geraten.“ Was das konkret für die Preise der Stadtwerke bedeutet, bleibt offen.

Laut einem Bericht von Tagesschau.de haben sich beispielsweise in München die Preise für die Fernwärmekunden der dortigen Stadtwerke „binnen eines Jahres mehr als verdoppelt“. In Berlin habe Vattenfall „in der ersten Jahreshälfte 50 Prozent mehr Geld von seinen Fernwärmekunden“ verlangt. Weitere Versorger hätten schon Preisanstiege angekündigt.

Anteil von Erdgas ist "sehr hoch" bei Waiblinger Fernwärme

Erdgas spielt auch bei der Fernwärme in Waiblingen eine zentrale Rolle. „Derzeit ist der Anteil sehr hoch“, so Stadtwerke-Sprecher Sigel, ohne dies genauer zu beziffern. Warum das so ist, begründen die Stadtwerke so: „In den letzten Jahren - hier sprechen wir nicht von einem Zeitraum bis vor zehn Jahren, sondern durchaus bis ins letzte Jahr - war der politische Trend im Wärmesektor weg von Kohle und Heizöl, hin zu Gas als Brückentechnologie insbesondere in hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Dass Erdgas in so kurzer Zeit zu einem unbeliebten Produkt bei der Bevölkerung geworden ist, war in dem Maß unvorstellbar.“ Nun brauche man Zeit, denn: „Die Umstellung von einer sehr erdgasbasierten auf eine erdgasfreie Wärmeversorgung geht bei der benötigten Energiemenge nicht innerhalb von ein paar Wochen oder Monaten.“

Fernwärme habe dennoch Vorteile, auch beim Platzbedarf , der geringer sei als beim Heizen mit Holz, Biomasse oder Solarenergie. Dieser Platz müsse „in dicht besiedelten Städten wie Waiblingen erst einmal gefunden werden“. Holz sei außerdem nicht unbegrenzt verfügbar, „insbesondere nicht in der Region“.

Andere Energieträger bei der Fernwärme: Klärgas, Solar, aber auch Öl

Neben Erdgas kommen bei der Waiblinger Fernwärme auch Klärgas der städtischen Kläranlage, Solarthermie, Heizöl, Holzfeuerungen und Wärmepumpen zum Einsatz. In Waiblingen werde außerdem „sehr viel“ Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt, bei der neben Wärme auch Strom erzeugt wird. 

Weil die Erfahrung zeige, dass Fernwärme-Anlagen auch intensiver gewartet würden als Privatheizungen, sei die dezentrale Wärmeerzeugung „auf die Menge betrachtet in jedem Fall klimaschonender“. Wie viel CO2 etwa gegenüber einer modernen Gas-Heizung eingespart wird, könne aber wieder nicht pauschal beantwortet werden.

Dazu, ob auch eine noch recht neue Gas-Heizung durch Fernwärme ersetzt werden sollte, haben die Stadtwerke Waiblingen eine klare Meinung.

Interesse an Fernwärme in Waiblingen: So geht es weiter

Wer Interesse an einem Fernwärme-Anschluss hat, sollte ein Formular mit Daten zum Gebäude und dem Verbrauch unter https://www.stadtwerke-waiblingen.de/interesse-fernwaerme.html ausfüllen. „Sollte ein Netz in erreichbarer Nähe sein, werden wir uns bezüglich eines Termins melden“, so die Stadtwerke. „Sollte es dort noch kein Netz geben, werden wir die Informationen in unsere aktuellen Planungen miteinbeziehen.“

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den Folgen für die Energieversorgung interessieren sich deutlich mehr Waiblinger für Fernwärme, für einen Anschluss des eigenen Hauses an ein Kraftwerk der Stadtwerke. Allerdings spielt auch hier Erdgas bislang die Hauptrolle, neben Alternativen wie Klärgas aus der Kläranlage. Mindestlaufzeit, steigende Kosten, klappt es noch vor dem Winter? Was Interessierte wissen sollten.

Bei der Fernwärme kommt das heiße Wasser aus den

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