Waiblingen

Fiebersaft für Kinder ist knapp: Diese Alternativen gibt es in der Apotheke

ApothekeOehlschlaeger
Apotheker Dominik Öhlschläger berichtet von erleichterten Eltern, die bei ihm noch Fiebersäfte bekommen haben. © Gaby Schneider

Wenn Eltern für ihre kranken Kinder einen Fiebersaft besorgen wollen, klappt das zurzeit womöglich nicht im ersten oder auch zweiten Anlauf in einer Apotheke. Säfte mit Paracetamol oder Ibuprofen sind nicht überall verfügbar. Ein Waiblinger Apotheker bittet Eltern, jetzt nicht mit Hamsterkäufen zu reagieren - es gibt Alternativen zum Saft. „Frühzeitig“ kümmern solle man sich aber. Welche Gründe es für den Engpass gibt. Und was Apotheker tun können, falls sie keine Fiebersäfte mehr geliefert bekommen.

Bei Dominik Öhlschläger reicht der Vorrat an ibuprofenhaltigen Säften noch bis Ende des Jahres. Für die Zeit danach könne er bei den sonst üblichen Großhändlern nichts mehr bestellen, sagt der Inhaber von zwei Apotheken auf der Korber Höhe und in Beinstein. Schon bei der letzten Bestellung habe er Glück gehabt, noch eine Lieferung zu erhalten.

Geht der Vorrat zur Neige, könne er Säfte mit dem Wirkstoff Ibuprofen aus dem Ausland beziehen, etwa aus der Schweiz. Das sei dann aber deutlich teurer. Und für die Apotheke sei die Suche nach neuen Kanälen für Arzneien sehr zeitintensiv. Das koste fast eine ganze Arbeitsstelle, so Öhlschläger. „Früher ging das auf Knopfdruck.“

Noch Ibuprofen da? Kunden sind „positiv überrascht“

Der Apotheker berichtet, dass sich Kunden inzwischen freuten, dass sie bei ihm noch Fiebersäfte für ihre Kinder bekommen. Ähnliches erzählt Kollege Patrick Pfeifer von der Central-Apotheke. Es kämen Leute aus dem ganzen Rems-Murr-Kreis, weil sie gehört hätten, dass er noch Ibuprofen- und Paracetamol-Säfte habe. Neulich erst, in seinem Sonntagsnotdienst, habe er deshalb „positiv überraschte“ Kunden erlebt.

Pfeifer sagt, er habe „rechtzeitig und großzügig“ bestellt, weil die Corona-Pandemie gezeigt habe, dass ein gewisser Vorrat sinnvoll ist. Zudem kann er auch auf das Lager der Remspark-Apotheke zurückgreifen, die seine Mutter Ursula Pfeifer führt - und die nach der Kündigung durch die Eigentümer des Einkaufszentrums ausziehen muss.

Wie lange der Vorrat etwa an ibuprofenhaltigem Saft reicht, sei aber ganz schwer zu sagen, sagt Patrick Pfeifer. Beim Großhandel bestellen könne er ihn aktuell nicht. Beide Apotheker warnen allerdings vor Panik. „Keine Hamsterkäufe, bitte“, sagt Dominik Öhlschläger. Es sei gerade für Familien mit Kindern zwar sinnvoll, einen fiebersenkenden Saft im Haus zu haben. Es gebe aber auch Alternativen wie Zäpfchen.

Im Ernstfall könnten die Apotheker sogar selbst Fiebersäfte herstellen. Dafür haben sie vor Ort eine sogenannte Rezeptur, einen dafür eingerichteten Raum. Die Wirkstoffe Ibuprofen oder Paracetamol reichen, wenn sie auf Lager sind, eine Zeit lang aus (selbst hergestellt werden können sie in Apotheken nicht). Die übrigen Bestandteile werden ebenfalls gekauft und dann alles nach Arzneibuch zusammengemixt, erklärt Patrick Pfeifer.

Ursachen: Preisdruck, Produktionsprobleme, Krieg

Allerdings gibt es hier rechtliche Riegel, um zu verhindern, dass Apotheker zu Pharmaproduzenten werden: Die Herstellung sei nur auf ärztliches Rezept und nur im Einzelfall und für einen einzelnen Patienten erlaubt, erklärt Frank Eickmann, stellvertretender Geschäftsführer des Landesapothekerverbandes. Auch er verweist aber darauf, dass es in der Regel Alternativen gibt. Dennoch gebe es bei Fiebersäften ein „ernstzunehmendes Loch“. Es sei auch für Apotheker „schwer“, besorgte Eltern mit leeren Händen wegschicken zu müssen.

Schwierigkeiten bestehen bei Fiebersäften schon länger - und sie traten auch schon vor der Corona-Pandemie auf. Eine Ursache: technische Probleme in einem BASF-Werk in Texas, einer der wichtigsten Ibuprofen-Wirkstoff-Fabriken der Welt, die 2018 für Monate ausfiel.

Aus Sicht des Landesapothekerverbands ist bei Ibuprofen aber nicht die Produktion der wichtigste Grund für einen Engpass, sondern die Wirtschaftlichkeit. Medikamente seien in Deutschland vergleichsweise günstig, der Preisdruck „heftig“, so Frank Eickmann. Hersteller hielten den deutschen Markt nicht für attraktiv genug - während sie etwa in Österreich deutlich mehr für die Fiebersäfte bekämen. Folglich gebe es dort auch keinen Mangel in den Apotheken. Bestellen deutsche Apotheker von dort, werden die Säfte aber auch hier teurer.

Laut dem Deutschen Apothekerverband haben die meisten Fiebersaft-Hersteller die Produktion in Europa aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. „Jetzt gibt es noch einen, und der kann die Menge nicht schultern“, so der Vizevorsitzende Hans-Peter Hubmann im September gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Von einer „Verteilproblematik“ geht das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aus. Diese sowie der „Rückzug eines Marktteilnehmers“ hätten laut behördlicher Prüfung wohl zu der „eingeschränkten Verfügbarkeit von Fiebersäften für Kinder“ geführt. Der Bedarf an paracetamol- und ibuprofenhaltigen Säften sei in diesem Jahr aber auch „überproportional angestiegen“. „Die Ursachen hierfür konnten bislang nicht befriedigend ermittelt werden“, so die Behörde auf ihrer Internetseite.

Ein Faktor könnte hier nach Ansicht von Frank Eickmann vom Landesapothekerverband auch der Krieg in der Ukraine sein: Dort würden „ohne Ende Schmerzmittel“ gebraucht.

Wenn Eltern für ihre kranken Kinder einen Fiebersaft besorgen wollen, klappt das zurzeit womöglich nicht im ersten oder auch zweiten Anlauf in einer Apotheke. Säfte mit Paracetamol oder Ibuprofen sind nicht überall verfügbar. Ein Waiblinger Apotheker bittet Eltern, jetzt nicht mit Hamsterkäufen zu reagieren - es gibt Alternativen zum Saft. „Frühzeitig“ kümmern solle man sich aber. Welche Gründe es für den Engpass gibt. Und was Apotheker tun können, falls sie keine Fiebersäfte mehr geliefert

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