Waiblingen

Filmclub Waiblingen: Gedenken an Stadtfilmer Hans Tchorz

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Das Stadtjournal lässt die Stimmung des Waiblinger Weinfests noch einmal aufleben. © Büttner / ZVW
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Gotthilf Fischer. © Filmclub
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Der Zeitung entnahmen die Sänger den Liedtext. © Filmclub
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Hans Tchorz interviewt Hans Wössner. © Filmclub
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80. Geburtstag von Alt-OB Alfred Diebold mit dem jüngeren Kollegen Ulrich Gauss. © Filmclub

Waiblingen. Radio Luxemburg sendet live aus Waiblingen. Die Festhalle ist voll besetzt, alle Besucher halten eine Tageszeitung und singen daraus den Text von „Horch, was kommt von draußen rein“, natürlich unter Leitung von Gotthilf Fischer. So ging Rundfunk anno 1977 – nachzuerleben am Samstag beim Filmabend im Bürgerzentrum.

Im Video: Der Filmclub Waiblingen zeigt ihren neuesten Film, von der Sommertour im Zeitungshaus Waiblingen und Waiblingen Leuchtet 2016.

Der Filmclub Waiblingen gedenkt beim Filmabend des langjährigen Stadtfilmers Hans Tchorz, der am 1. Januar im Alter von 94 Jahren verstarb. So wird diesmal nicht nur wie gewohnt Tchorz’ Stadtfilm von vor 40 Jahren gezeigt, sondern außerdem sein erster Waiblingen-Film mit dem Titel „Kennen Sie Waiblingen?“ Als er ihn 1965 aufs Rathaus brachte, erhielt er von Oberbürgermeister Kurt Gebhardt die bis heute überlieferte Antwort: „Sie sind der Erste, der etwas bringt.“

Die Frage aus dem Filmtitel wird sich am Samstag weitgehend erübrigen, denn erfahrungsgemäß sind die meisten Zuschauer des Filmclubs mit Waiblingen aufs Beste vertraut – sie werden vieles wiedererkennen. Hans Tchorz schloss sein Werk mit den Worten: „Wer Waiblingen nicht kennt, der komme.“ Wer Waiblingen sehen möchte, wie es 1977 und 1965 war, der komme zum Filmabend.

Bei der Mitternachtsführung durch das Druckhaus

Nicht nur, dass Hans Tchorz dem Filmclub von 1966 bis 1977 vorstand. In Ansprache mit dem Rathaus hielt er über Jahrzehnte das Stadtgeschehen in Bewegtbildern fest. Ganz so, wie es heute sein Nachfolger Peter Beck tut. Ein Veranstaltungs-Highlight des Jahres 1977 war die oben erwähnte Livesendung des Senders Radio Luxemburg (später RTL) in Zusammenarbeit mit der Waiblinger Kreiszeitung.

Die Show „12 Uhr mittags“ war ein Quotenknaller. Extra für das große Ereignis wurde in der WKZ der Liedtext von „Horch, was kommt von draußen rein“ gedruckt, damit ihn alle Besucher in der alten Turn- und Festhalle unter dem sicheren Dirigat von Gotthilf Fischer mitsingen konnten. Mit dabei Waiblingens beliebteste Dixie-Band Flat Foot Stompers, der legendäre Pfarrer Früh sowie Fußball-Schiri Heinz Aldinger.

Altstadtfest und OB-Wahl

Was gab’s sonst Neues im Jahr ‘77? Zum Tag der offenen Tür bei der Stadtverwaltung interviewte Hans Tchorz den Ersten Bürgermeister Hans Wössner auf dem verkehrsreichen Rathausvorplatz, während sich direkt hinter den beiden Autos in Parklücken zwängen.

Das Ulrich-Herzog-Haus für Altenarbeit feierte zehnjähriges Bestehen, und OB Dr. Ulrich Gauss überreichte als Geschenk ein Transistorradio mit Aufnahmefunktion – ein besonderer Wunsch der Senioren. Das dritte Altstadtfest wurde gefeiert, der OB wiedergewählt, eine Staufer-Ausstellung eröffnet, und der VfL trug die deutschen Staffelmeisterschaften aus.

Außerdem im Programm: Filmclub-Schaffer Wolfgang Kiunke präsentiert einen Archivfund – eine Fahrt mit dem Auto in den Schurwald von 1954. Das ehemalige Mitglied Frank Lauter, der nach Schwäbisch Hall umzog und dort einen Filmclub gründete, hat die Dreharbeiten zum Kinofilm über den Hitler-Attentäter Georg Elser von 2015 begleitet. Er hatte versucht, 1939 im Bürgerbräukeller in München den Diktator und die NS-Führungsriege umzubringen - und scheiterte, weil Hitler seine Rede früher beendete als sonst.

Das Waiblinger Weinfest: Eine nahezu überfällige Erfindung

Zurück in die Gegenwart: Die Schönheit der heimischen Natur zeigt Rudi Ratzka in Impressionen von den Neckarauen und vom Max-Eyth-See. Horst Schnabel filmte ein großes Fest auf der Schwäbischen Alb, bei dem sich alles um die tolle Knolle dreht: Das Kartoffelfest im Sankt Johann wird jährlich von Tausenden Menschen besucht.

Auf der Jagd nach neuen Eindrücken wurde Stadtfilmer Peter Beck unter anderem bei Druckhaus und Zeitungsverlag fündig, Genauer, bei einer Mitternachtsführung mit Chefredakteur Frank Nipkau. Begeistert haben ihn überdies die Kunstinstallationen bei „Waiblingen leuchtet“, wo wie von Zauberhand mit Licht die Stadtmauer bemalt wurde.

Im Marienheim wurde er Zeuge, wie die Nähwerkstatt auf große Resonanz bei geflüchteten Frauen stößt. Und das Waiblinger Weinfest, das zeigen seine Aufnahmen, war eine gute, nahezu schon überfällige Erfindung.

Eintritt frei

  • Der Filmabend beginnt am Samstag, 18. Februar, um 19 Uhr im Bürgerzentrum. Veranstalter sind der Heimatverein, der Förderverein Michaelskirche, die Stadt Waiblingen sowie der Filmclub. Der Eintritt ist frei.
  • Zu sehen sind die Filme „Kennen Sie Waiblingen?“ von 1965, Zeitgeschehen in Waiblingen 1977, das Stadtjournal Juli bis Dezember 2016, „In der heimischen Natur unterwegs“, „Ein Dorf wird braun“, „Kartoffelfest auf der Alb“, eine Herbstausfahrt 1954 und ein heiterer Minutenfilm.