Waiblingen

Filmprojekt zum Ersten Weltkrieg

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Kamerafrau Anna Sophia in Aktion: Jugendliche schildern vor der Kamera, wie das Kriegerdenkmal auf sie wirkt. © Palmizi/ZVW
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Konfirmandin Anne erklärt, was ihr vor dem Denkmal durch den Kopf geht. © Alexandra Palmizi

Waiblingen. Stauferschüler und Schüler aus der Partnerstadt bilden sich in deutscher Geschichte weiter. Statt in trockenem Theorieunterricht lernen sie über ein gemeinsames Filmprojekt viel über das Gedenken an den Ersten Weltkrieg.

Ein Film soll die Verschiedenartigkeit des Erinnerns in den Fokus rücken. Gedreht wird er von Gymnasiasten des Staufergymnasiums und des Lycée Victor Hugo in Besançon vor Denkmälern in Rommelshausen, Endersbach sowie in der Partnerschaft Besançon. „Anlass ist der 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs, der in Deutschland gegenüber dem Zweiten Weltkrieg aus dem Blickfeld gerät, während es in Frankreich genau umgekehrt ist“, betont Staufer-Lehrerin Irene Brechtelsbauer die Bedeutung des interkulturellen Austauschs.

Auf Initiative der Französisch-Fachschaft am Staufergymnasium begeben sich 20 Schüler auf Spurensuche und finden sich für die Dreharbeiten am Kriegerdenkmal vor der Mauritiuskirche in Rommelshausen ein. Die vier Konfirmandinnen Selina, Tanua, Anne und Ann-Kathrin (14) aus der Gruppe von Pfarrer Matthias Wanzeck beantworten vor laufender Kamera Fragen, die ihnen französische Schüler auf Deutsch stellen: „Was strahlt das Denkmal für dich aus?“, „Was vermutest du, welche Funktion es hat?“, „Wie hätte ein Denkmal ausgesehen, das du gebaut hast?“

Der Krieg ist nicht abstrakt, er reicht in Familien der Schüler hinein

Anne ist die erste Interviewte. „Trauer für die gefallenen Opfer des Ersten Weltkriegs“, antwortet sie. Und „eine Warnung, dass kein Krieg mehr entsteht“. „Plus forte, s’îl-te-plaît“ - bitte etwas lauter sprechen - lautet die Regieanweisung von Kamerafrau Anna Sophia. Die Stimme der Konfirmandin wird von einem vorbeifahrenden Traktor verschluckt. Sie darf ein zweites Mal ran, dann funktioniert es. Teilweise weicht das Filmteam der akustischen „Kulisse“ aus rauschendem Feierabendverkehr aus und dreht in der Kirche weiter. Einige Antworten werden in der Nachbearbeitung aus dem Off eingesprochen, der Drehort wechselt zwischen Denkmal und Chorraum.

Szene um Szene erarbeiten sich die Schüler ihren Zugang zum Gedenken an einen Krieg, der „nicht abstrakt ist, sondern teilweise in ihre eigenen Familien hineinführt“, erklärt Irene Brechtelsbauer. Der Blick wende sich ganz bewusst auch Einzelnen zu und suche den Bezug zur eigenen Familie, zum Wohnort, so die Lehrerin. Einige Jugendliche hätten Namen ihrer Vorfahren auf den Steinreliefs entdeckt.

Schwarz-Weiß-Fotografien der Großväter als Grundlage

Christian Jehle, Deutschlehrer aus Besançon, erzählt von den betroffenen Reaktionen seiner Schüler. „Sie beginnen, sich vorzustellen, welche Auswirkungen es auf die Familien hatte, dass die Söhne als 18-Jährige, also als fast Gleichaltrige, an die Front mussten.“

Kamerafrau Anna-Sophia habe alte Schwarz-Weiß-Fotografien ihrer Großväter ausfindig gemacht, die in eine das Filmprojekt begleitende Bilderschau integriert wurden. In Vorbereitung auf das Thema haben sich die Schüler an zwei Nachmittagen mit Hilfe von „bandes dessinées“ (Bilderroman), Fotos, Gedichten und dem Film „Schöne Weihnachten“ der Historie genähert.

"Es ist spannend, sich reinzuhängen"

Schüler Ben erzählt, warum er freiwillig an dem Filmprojekt teilgenommen hat und sogar in den Weihnachtsferien zusammen mit Anna Sophia das Drehbuch geschrieben hat. Wie die meisten laufe auch er „normalerweise an Denkmälern vorbei, ohne sich darauf zu besinnen, wie grausam es war und wofür sie erbaut wurden“. Ihn interessiere auch die filmische Herangehensweise, „wie man die beiden Denkmale in einem Film so verpacken kann, damit sich vielleicht noch andere damit beschäftigen“.

„Es ist spannend, sich reinzuhängen“, meint auch Schüler Sven über die besondere Form der kulturellen Auseinandersetzung. „Ich kriege Parallelen zwischen den Denkmälern hier und in Frankreich mit.“ Um diese Verbindung zu zeigen, lauerten die jungen Filmemacher nun noch auf ein Detail: „Wir haben die Augen offen und schauen nach einer Gemeinsamkeit auf den Denkmälern, die beide Drehorte verbindet und die wir für die Überblendung nutzen können“, so der französische Lehrer Jehle.

Kamerafrau Anna Sophia in Aktion: Jugendliche schildern vor der Kamera, wie das Kriegerdenkmal auf sie wirkt. Bilder: Palmizi

Konfirmandin Anne erklärt, was ihr vor dem Denkmal durch den Kopf geht.


Zweiter Teil wird im März in Frankreich gedreht

Das Filmprojekt am Staufergymnasium kam zustande im Rahmen des Projektthemas „100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg – 100 Projekte für den Frieden in Europa“ das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk 2014 bis 2018 ausgeschrieben war.

Das Deutsch-Französische Jugendwerk unterstützt insgesamt 100 innovative deutsch-französische und trinationale Projekte, die darauf abzielen, jungen Leuten die vielfältigen Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg näherzubringen und sie anzuregen, über die Auswirkungen auf das eigene, heutige Leben nachzudenken.

Noch diese Woche sind zehn Schüler aus der Partnerstadt Besançon zu Besuch in Waiblingen und tun sich für ein deutsch-französisches Filmprojekt mit Stauferschülern zusammen. Im März folgt der Gegenbesuch: Die zehn Waiblinger Gymnasiasten reisen nach Besançon und drehen den zweiten Teil - dann gilt für alle die Projektsprache „Französisch“.

Vier Lehrer des Staufergymnasiums (Katrin Engel, Sylvia Chrysakopoulos, Stephi Vogel und Irene Brechtelsbauer) koordinieren mit den französischen Kollegen Christian Jehle und Nadine Buffard den Drehverlauf.

Der Film soll beim Wettbewerb des Deutsch-Französischen Jugendwerks eingereicht werden.