Waiblingen

Fischtreppe wird zur Fischfalle

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Symbolbild. © Pixabay/CC0 Creative Common
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Die Fischtreppe an der Rems bei der Galerie Stihl.

Waiblingen. Rund 30 kleine und große Fische sind am Montag in der Fischtreppe verendet. Der Grund: Wegen einer defekten Wehrklappe war der Wasserpegel sehr schnell abgefallen. Für etwa 600 Fische, die sich gerade in der Treppe befanden, wurde diese kurzfristig zur Falle. Künftig will die Stadt Arbeiten am Wehr zum Wohl der Fische besser koordinieren.

Für etwa 30 Fische kam am Montag jede Hilfe zu spät: Sie verendeten in der Fischtreppe in der Rems nahe der Galerie Stihl. Für sie war die Anlage, die den Fischen eigentlich das Überqueren des Wehrs ermöglichen soll, zur tödlichen Falle geworden. Schuld daran war laut Werner Boßler, dem Leiter der städtischen Abteilung Grünflächen und Friedhöfe, ein Defekt am Wehr gewesen. Die linke Wehrklappe sei verstopft gewesen, das Sediment sollte herausgespült werden, erklärt Boßler. Beim Herunterlassen der Klappe sei diese nach unten geschnappt und habe den Durchlass ganz verschlossen. Deshalb war der Wasserpegel der Rems oberhalb des Wehrs innerhalb von Minuten um anderthalb Meter abgefallen und der Wasserfluss in der Fischtreppe wurde unterbrochen. „Es hat sozusagen das Wasser davongeschwemmt“, so Boßler.

"Zehn Minuten an der Luft ist für viele Fische schon tödlich"

Er selbst sei zu der Zeit zufällig am Wehr vorbei gekommen und habe den Missstand sofort registriert. Dann habe es geheißen, sehr schnell zu handeln. „Eine Mannschaft hat am Wehr gearbeitet, die andere hat versucht, möglichst viele der gestrandeten Fische zu retten“, berichtet Boßler. Bis das allerdings organisiert war, seien bereits einige Fische verendet, insbesondere der empfindlichen Arten, wie der kleineren Schmerlen. Sie haben eine besonders empfindliche Haut und trocknen daher in wenigen Minuten aus, wie Boßler, selbst passionierter Angler, erklärt. „Zehn Minuten an der Luft ist für viele Fische schon tödlich.“ Denn anders als Krebse bräuchten Fische zwingend Wasser, um über ihre Kiemen zu atmen.

Helfer setzten Fische vom Trockenen in die Tümpel

Bei den Schalentieren reiche es auch, wenn die Kiemen noch feucht seien, noch zum Atmen. Unter den toten Fischen seien außerdem Döbel gewesen sowie zwei Bachforellen. Zehn Forellen konnten von den Helfern um Boßler noch gerettet werden, indem sie vom Trockenen in die verbliebenen Tümpel versetzt wurden. Andere Fische, darunter einige große Aale, hatten sich laut Boßler unter Steine gerettet und überlebten so. Das Ganze ist dem Fischkenner zufolge noch mal glimpflich ausgegangen: Nach anderthalb Stunden war der Defekt behoben und das Wasser stieg wieder an. Wäre die Wehrklappe selbst beschädigt gewesen, hätte sie nicht so schnell repariert werden können. Die Instandsetzung hätte Wochen dauern können. Die Auswirkungen auf den Fischbestand der Rems wären dann weit schlimmer ausgefallen. „Das wäre fatal gewesen“, sagt Boßler.

Auch Fischeier hätten kaputt gehen können

„Gerade ist noch Laichzeit“, erklärt der Abteilungsleiter weiter. Das bedeutet, dass an vielen Wasserpflanzen Laichteile kleben – bleiben sie lange an der Luft, gehen die Fischeier kaputt und es gibt keine Nachkommen. Und viel länger ohne Frischwasserzufuhr hätten auch die 600 Fische in den Tümpeln wohl nicht überlebt: Der Sauerstoff wäre knapp geworden und sie wären erstickt.

Künftig sollen Arbeiten besser abgestimmt werden

In Zukunft sollen Arbeiten am Wehr besser zwischen den verantwortlichen Stadtwerken und der Stadt abgestimmt werden. So soll sichergestellt werden, dass dann auch Helfer bereitstehen, die sich um die Fische in der Fischtreppe kümmern können. Denn dazu braucht es auch passende Ausrüstung. Ohne Gummistiefel und Kescher tun sich Helfer auf den und zugewachsenen glitschigen Steinen schwer.


Die Treppe

400 000 Euro hat sich die Stadt Waiblingen die Fischtreppe am Häckerwehr kosten lassen.

Die Anlage soll es den Fischen ermöglichen, flussaufwärts zu wandern. Sie besteht aus kleinen, in Stufen angelegten Becken, in denen die Fische beim Aufstieg immer wieder hinter Steinen Pause machen können.

Im Mai und Juni, während der Laichzeit, wandern besonders viele Fische die Rems flussaufwärts.

Während dieser Zeit Wasser aus der Rems abzulassen sei daher ein Unding, so Werner Boßler. Zu dem Vorfall kam es wegen eines Defekts am Wehr.