Waiblingen

Flüchtlinge ins Berufsleben begleiten

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Die neue Integrationsbeauftragte Fara Peccerella blickt optimistisch in die Zukunft. © Ramona Adolf

Kernen. Seit knapp einem Monat ist Fara Peccerella nun im Amt. Nicht viel Zeit für die neue Integrationsbeauftragte der Gemeinde, um sich in das komplexe Thema einzuarbeiten. Doch sie hat schon vorher Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit gesammelt: als Ehrenamtliche beim Arbeitskreis Asyl. Der Schlüssel zur Integration liegt für sie in Spracherwerb und Arbeitsaufnahme.

Was ist die Alternative? Das entgegne sie Leuten, die dagegen wetterten, dass Deutschland so viele Flüchtlinge aufnehme, sagt Fara Peccerella. „Wir können nicht mehr wegschauen. Das Thema Flüchtlinge ist nicht länger weit weg, in Griechenland, Italien oder der Türkei. Es ist hier bei uns.“ Es gehe darum, die Situation möglichst gut zu bewältigen – und daran habe jeder einen Anteil. Davon ist sie überzeugt.

Ihre Eltern stammen aus Italien

Ihren Anteil trägt die 43-Jährige sowohl im Ehrenamt beim AK Asyl als auch seit 18. Januar als hauptamtliche Integrationsbeauftragte der Gemeinde Kernen bei. Ihr eigener Migrationshintergrund – ihre Eltern stammen aus Italien – helfe ihr, sich in die Menschen hineinzuversetzen, die ihre Heimat verlassen haben, um hier neu anzufangen, sagt sie. „Ich habe mich auch immer anders gefühlt“, erzählt die gebürtige Stuttgarterin, die seit 2007 in Kernen wohnt. Unterschiede zu ihren deutschen Klassenkameraden habe es beispielsweise bei der Wochenendplanung gegeben. „Das läuft bei einer italienischen Familie eben etwas anders“, sagt sie und lacht.

Als Integrationsbeauftragte ist Peccerella zuständig für die in den Anschlussunterkünften der Gemeinde lebenden Flüchtlinge. Als Ehrenamtliche besucht sie weiterhin die Erstunterbringungen an der Hangweide und Kirchstraße. Diese Verbindung ist ihr wichtig: „Die Betreuung sollte gleich am Anfang ansetzen. Wenn man die Leute erst mal zwei Jahre alleine lässt, ist es nachher umso schwieriger, sie zu integrieren.“ Man müsse ihnen eine Perspektive aufzeigen, auch denjenigen, die ziemlich sicher wieder gehen müssten. Verlorene Zeit sei das nicht. „Jeder nimmt irgendetwas mit und transportiert es in seine Heimat“, ist die studierte Soziologin und Pädagogin überzeugt.

Vertrauen als Grundlage

Seit ihrem Amtsantritt habe sie vor allem versucht, sich einen Überblick über die Lage in Kernen zu verschaffen, berichtet die Integrationsbeauftragte. Dazu hat sie Kontakt zu anderen Organisationen aufgenommen, sich mit der Ausländerbehörde des Landratsamts, der Agentur für Arbeit sowie den Sozialarbeitern in den Erstunterkünften vernetzt und bei den Flüchtlingen Hausbesuche gemacht. „Am Anfang war es mir erst mal wichtig, Vertrauen aufzubauen“, sagt sie. Das sei die Basis jeder guten Zusammenarbeit. Zudem hätten sie natürlich Anfragen von Bürgern erreicht, die sich beispielsweise über Lärm in einer Unterkunft beschwert hätten. „Das nehme ich natürlich ernst und gehe dem nach“, betont sie. Anfeindungen habe es bislang glücklicherweise nicht gegeben.

Ins Arbeitsleben begleiten

Auch einige Bewerbungen hat sie schon gemeinsam mit Flüchtlingen verfasst – denn essenziell sei es, die Leute möglichst rasch in Arbeit zu bringen. „Arbeit ist der Schlüssel zu Selbstständigkeit und Selbstwert und somit zu einer gelungenen Integration“, unterstreicht Peccerella. Die Begleitung ins Arbeitsleben sei deshalb auch die große Aufgabe, die sie für sich als Integrationsbeauftragte sehe. Möglichst vielen der hier lebenden Flüchtlingen zu einem Job zu verhelfen, das sei ihr Ziel.

Doch die Jobsuche in Deutschland mit allen Formalitäten könne ein Flüchtling kaum alleine bewältigen. Optimal wäre aus ihrer Sicht deshalb eine Art Patenschaftssystem, wie es auch der AK Asyl anbietet. „Vielleicht sollte man das aber nicht Pate nennen, sondern Karrierebegleiter“, fügt sie hinzu. Denn es gehe nicht darum, die volle Verantwortung für jemanden zu übernehmen, sondern denjenigen an der Hand zu nehmen und anzuleiten.

Bei vielen gehe das recht leicht, einige benötigten etwas mehr Unterstützung und bei manchen fruchteten selbst die größten Bemühungen nicht. „Es gibt eben nicht ‘den’ Asylbewerber“, sagt Peccerella. Unter den Flüchtlingen gebe es unterschiedlichste Persönlichkeiten, genau wie bei uns.