Waiblingen

Früherer TVB-Sponsor sitzt im Gefängnis

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Der TVB hat am Montag gegen Leipzig gewonnen. © Ralph Steinemann

Waiblingen. Es war nur eine Randnotiz in der Geschichte des TVB 1898 Stuttgart. Eine kurze Sponsoren-Partnerschaft mit einer Stuttgarter Juwelier-Familie, beendet schon vor einem Jahr. Jetzt sitzen Angehörige dieser Juwelier-Familie in Haft. Es geht um den Vorwurf gewerbsmäßiger Bandenhehlerei.

Das Internet vergisst nichts. Bei Recherchen zu besagtem Juwelier, dessen drei Geschäfte die Polizei am 20. Dezember einer Razzia unterzogen hat, ist schnell die Verbindung zu Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hergestellt. In einem Eintrag vom August 2015 wird TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt zitiert: „Der TVB und Juwelier .... passen einfach perfekt zusammen, wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.“ Weiter hieß es, der Juwelier habe 98 exklusive Armbanduhren in Auftrag gegeben. Jeder Spieler werde eines der hochkarätigen Sammlerstücke erhalten; Fans, Partnern und Sponsoren würden die Uhren zum Kauf angeboten – zum Sonderpreis. Zu allem Überfluss heißt es in der Mitteilung des TVB dann noch: „Juwelier ... ist der professionelle Ansprechpartner für seriösen Uhrenhandel. Ob An- oder Verkauf – auf Juwelier .... ist Verlass!“

Die Unschuldsvermutung gilt

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt aktuell gegen fünf Beschuldigte eben dieser Juwelier-Familie; drei von ihnen sitzen im Gefängnis. Unter ihnen jener damals 26-Jährige, den der TVB seinerzeit als außerordentlich geschäftstüchtigen Unternehmer überschwänglich gelobt hatte.

Es gilt die Unschuldsvermutung, will heißen: Dass dieser Unternehmer in Haft sitzt, sagt noch nichts aus. Es ist kein Urteil gefällt. Laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart geht es um den Vorwurf der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei. Bilden mindestens drei Beteiligte einen Zusammenschluss und begehen sie mehrmals Straftaten dieser Art – dann kommt dieser Straftatbestand in Betracht.

TVB hat die Partnerschaft bereits vor einem Jahr beendet

TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt verweist darauf, dass die Partnerschaft mit diesem Juwelier bereits vor einem Jahr beendet worden sei. Es habe sich um keine bedeutende Verbindung gehandelt, und diese habe nur ein paar wenige Monate bestanden. Die vom Sponsor angepriesenen Uhren seien längst nicht auf so großes Interesse gestoßen wie erhofft. Das war wohl auch der Grund, weshalb man sich recht schnell wieder trennte.

Bei mehr als 200 Sponsoren „können wir nicht alle bis ins Detail überprüfen“, sagt Jürgen Schweikardt: „Wie hätten wir da draufkommen sollen?“ Der Geschäftsführer hält es für „nicht gerechtfertigt“, dass der TVB jetzt mit mutmaßlichen Machenschaften des früheren Sponsors in irgendeiner Weise in Verbindung gebracht wird.

Anfangs beeindruckt vom Werdegang des Mannes

Der TVB teilt seine Sponsoren in sechs Ebenen ein, abhängig davon, in welchem Umfang sie sich für den Verein engagieren. Der Juwelier rangierte laut Schweikardt auf der zweituntersten Ebene. Die Partnerschaft habe am 1. August 2015 begonnen und sei im Dezember 2015 beendet worden.

Im Internet fand sich bis vor kurzem noch ein aufschlussreicher Beitrag über den damals 26-jährigen früheren Partner des TVB. Der junge Mann trat dort in einer Veröffentlichung eines Nachrichtenkanals als ein überaus fleißiger, gewiefter Unternehmer auf, der mittellos startete und es binnen kurzem zu beruflichem Erfolg brachte. Vor vielen Jahren kam der junge Mann demnach aus dem Irak nach Deutschland, wo er zunächst mit seiner Familie in einer Flüchtlingsunterkunft lebte. Auch der TVB zeigte sich seinerzeit beeindruckt vom Werdegang des Mannes; „Mit viel Fleiß und unternehmerischem Geschick war er schnell sehr erfolgreich und konnte in den vergangenen Jahren sein Unternehmen weiter ausbauen“, hieß es damals überschwänglich bei der Bekanntgabe der neuen Partnerschaft.

Vor Selbstlob strotzender Beitrag ist nicht mehr zu finden

Der vor Lob und Selbstlob nur so strotzende Beitrag des Verhafteten im Internet ist inzwischen nicht mehr zu finden. Unverändert preist die Juweliers-Familie auf ihrer Homepage ihre Dienste an: „Dank guter Vernetzung sind wir in der Lage, fast jede gewünschte Luxusuhr zu einem sehr attraktiven Preis anzubieten oder innerhalb kürzester Zeit zu besorgen.“

Sponsoring

Ohne Sponsoring läuft nichts im Leistungssport. Im Idealfall profitieren beide Partner, die Sportvereine und die Förderer. Beide schmücken sich mit dem Ruf des anderen. Firmen erhoffen sich durch ihr finanzielles Engagement einen Imagegewinn.