Waiblingen

Franz Klappenecker: Katholischer Pfarrer in Waiblingen ist 80 geworden

Abschied Hesky
Pfarrer Franz Klappenecker im Bürgerzentrum bei der Verabschiedung von OB Andreas Hesky. © Benjamin Büttner

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, da kam ein junger Theologe nach Waiblingen. Er kam und blieb: Franz Klappenecker. Jetzt ist der Pfarrer der Sankt-Antonius-Gemeinde 80 Jahre alt geworden. Noch immer ist er Seelentröster für viele, warmherziger Ratgeber, Stütze im Glauben, begeisternder Prediger mit Tiefsinn. Wie er seinen Geburtstag am Sonntag beging, das war typisch Klappenecker: Es gab einen Stehempfang nach dem Gottesdienst, ansonsten aber stand das Osterfest im Mittelpunkt. Nicht etwa seine Person, um die er nicht viel Aufhebens macht. Größere Feierlichkeiten zu planen, schien wegen des ungewissen Fortgangs der Pandemie nicht ratsam. „Ich trauere nicht darum, dass wir nichts Größeres gemacht haben.“ Glückwünsche – persönlich, telefonisch und schriftlich – gab es haufenweise.

Schließlich ist er seit Jahrzehnten das Gesicht der großen Gemeinde, nach innen wie nach außen. Er ist aus Waiblingen und der Stadtgesellschaft schlicht nicht wegzudenken. Unlängst sprach er bei der Verabschiedung von Oberbürgermeister Andreas Hesky im Bürgerzentrum das Grußwort im Namen der Kirchen und begnadigte diesen knitz von seinen allzu häufigen Verstößen gegen die Sonntagsruhe. Bekanntlich saß der Rathauschef oft auch am siebten Tage der Woche am Schreibtisch.

Aufstand gegen den Tod und Hoffnungslosigkeit

Warum wir Menschen Weihnachten feiern dürfen, sogar in den scheinbar trostlosesten Momenten der Corona-Pandemie, das erläuterte er 2020 in einem der vielen Gespräche mit Mitgliedern unserer Redaktion: die christliche Botschaft als Wunder der Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit. Warum das Ostern auch 2022 im Angesicht von Bomben und Terror nicht ausfallen durfte, legte er den Lesern vor wenigen Tagen in der jüngsten Ausgabe der „Sonntagsgedanken“ in seiner unnachahmlichen Sprache nahe, die in scheinbar einfachen Worten Tiefe und Einblick in menschliches Leiden und Hoffen offenbart. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu nennt er dabei im wahrsten Sinn des Wortes „Aufstand“ gegen den Tod. Seit Ostern müsse der scheinbar unbesiegbare Tod mit dem Leben rechnen.

Der Krieg weckt schlimme Erinnerungen

Die Nachrichten und Bilder aus der Ukraine wühlen viele Katholiken auf, wie der Pfarrer aus Gesprächen weiß. Die Gemeinde in der schwäbischen Diaspora ist traditionell von Menschen geprägt, die durch Flucht und Vertreibung in den Südwesten kamen. Ältere Gemeindemitglieder spüren, wie das aktuelle Kriegsgeschehen an eigene Erinnerungen rührt. Viele mussten ihre Heimat hinter sich lassen. Mancher wurde als Soldat in der heutigen Ukraine eingesetzt. Sankt Antonius hat außer zur Integration der Vertriebenen auch zu der von ehemaligen „Gastarbeitern“ beigetragen, besonders aus Italien und Kroatien.

Aufgewachsen ist Franz Klappenecker in Nendingen bei Tuttlingen. Die Eltern gingen so selbstverständlich jeden Sonntag in die Kirche wie alle in diesem katholischen Dorf im Donautal. Nach Stationen in Kuchen und Oberkochen kam er 1971 zu Dekan Hermann Notheis nach Waiblingen. 1977 wurde Klappenecker leitender Pfarrer. Die christliche Berufung als Beruf zu leben, sein Leben in den Dienst Gottes und der Gemeinde zu stellen, mit allen Konsequenzen, die das für einen katholischen Pfarrer hat, hat er nach eigenem Bekunden „nie bereut“. Und doch würde er nie den Stab brechen über Theologen, die am Zölibat verzweifeln.

Scham wegen der vielen Missbrauchsfälle in der Kirche

Mit Spannung verfolgt er die Bemühungen der Initiative „Maria 2.0“ um eine Modernisierung der Katholischen Kirche, und wie viele andere ist auch Klappenecker überzeugt, „dass sich vieles ändern muss“. Sein Wunsch ist, dass das Ringen um Neuerungen in der Sache und in einer „verantwortbaren Art“ abläuft. Stark zugesetzt haben ihm die Fälle von Missbrauch, die zutagegekommen sind. „Ich habe mich auch schon dafür geschämt, obwohl ich nichts dafür kann.“ Man solle nicht den Stab brechen, aber ohne Zweifel gebe es Versagen in der Kirche, die laut Hans Küng immer menschliche und sündige Kirche sei.

Mit 80 Jahren beschäftigt sich Klappenecker durchaus mit dem Gedanken ans Aufhören und sucht – an OB Heskys Motto „Alles hat seine Zeit“ erinnernd – nach dem richtigen Zeitpunkt. Letztlich hänge dieser auch von seiner Gesundheit ab. Dass er noch immer so fit ist, empfindet er als Geschenk von oben. Insofern liege die Entscheidung nicht nur in seiner eigenen Hand.

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, da kam ein junger Theologe nach Waiblingen. Er kam und blieb: Franz Klappenecker. Jetzt ist der Pfarrer der Sankt-Antonius-Gemeinde 80 Jahre alt geworden. Noch immer ist er Seelentröster für viele, warmherziger Ratgeber, Stütze im Glauben, begeisternder Prediger mit Tiefsinn. Wie er seinen Geburtstag am Sonntag beging, das war typisch Klappenecker: Es gab einen Stehempfang nach dem Gottesdienst, ansonsten aber stand das Osterfest im Mittelpunkt.

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