Waiblingen

Freiheitsstrafe für Wiederholungstäter

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Mehrfach ist Mario B. in seinem Leben mit falschem Autokennzeichen erwischt worden. Nun droht ihm eine Haftstrafe. © Habermann / ZVW

Weinstadt/Waiblingen. Er hatte weder einen gültigen Führerschein noch war sein 3er-BMW versichert – doch Mario B. setzte sich trotzdem hinters Steuer. Bei zwei Fahrten zum Gartengrundstück seiner Freundin wurde der 34-Jährige in Weinstadt von der Polizei erwischt. Nun ist der geständige Wiederholungstäter zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

„Das fällt in die Steigerung von blöd“: Amtsrichter Armin Blattner findet an diesem Vormittag deutliche Worte für das, was Mario B. getan hat. Der 34-jährige Arbeitslose wurde erst am 14. August 2017 von der Polizei in Weinstadt ohne Führerschein und mit falschem Autokennzeichen erwischt – und dann am 17. Dezember 2017 gleich noch mal. Dabei ist der gebürtige Reutlinger in den vergangenen Jahren bereits oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten, unter anderem wegen Diebstahl, wiederholter Leistungserschleichung sowie mehrfachem Fahren ohne Fahrerlaubnis, natürlich ohne Kfz-Haftpflichtversicherung und mit falschem Kennzeichen. Bisher ist er immer mit einer Bewährungsstrafe davongekommen – doch jetzt sieht es schlecht aus: Mit seinen beiden Autofahrten in Weinstadt hat Mario B. gegen Auflagen aus seinen drei offenen Bewährungen verstoßen. Falls diese nun widerrufen werden, heißt das, dass der 34-Jährige wohl für bis zu drei Jahre ins Gefängnis muss.

Angeklagter: „Das war doof von mir“

Dass in seinem Leben viel schiefgelaufen ist, gibt Mario B. an diesem Dienstagvormittag im Waiblinger Amtsgericht selbst zu. Nach dem Hauptschulabschluss begann er eine Ausbildung zum Fliesenleger, die er jedoch kurz vorm Abschluss abbrach. Er habe Probleme mit der Wirbelsäule und seinem Knie gehabt, sagt der 34-Jährige. Danach hat er trotzdem noch einige körperlich durchaus anstrengende Jobs gemacht, unter anderem als Lagerarbeiter und zuletzt als Reifenmonteur. Seit rund zwei Jahren ist Mario B. nun arbeitslos, zudem hat er Schulden. Als ihn Richter Armin Blattner fragt, wie hoch diese sind, kann der Angeklagte keine Antwort geben. „Kopf in Sand stecken hilft auch nichts“, betont der Amtsrichter und rät Mario B., doch die Schuldnerberatung aufzusuchen. Auch fragt er sich, warum der 34-Jährige trotz all der Geldsorgen und ohne gültigen Führerschein einen 3er-BMW kaufte. „Das war doof von mir“, antwortet der Angeklagte.

Es gibt Anzeichen dafür, dass sich im Leben von Mario B. langsam etwas bessert. Zurzeit hat er wieder eine Wohnung und zudem laut eigener Aussage einen Job bei einem Antiquitätenhändler in Aussicht. Noch 2017 lebte er mit seiner Frau unter anderem auf deren Gartengrundstück – und zwar in einem Zelt. „Es war nicht schön“, sagt der 34-Jährige. Er habe seine Freunde gefragt, ob sie ihm dabei helfen könnten, eine Wohnung zu besorgen, doch das habe nicht geklappt. Da lebte das Kind seiner Partnerin bereits in einer Pflegefamilie. Mario B. hatte es in den ersten Lebensmonaten mit seiner Partnerin großgezogen, ehe es im Alter von etwa neun Monaten zu der Pflegefamilie kam. Das, sagt Mario B., habe er bis heute nicht verkraftet.

Auf dem Gartengrundstück gelebt

Für seine beiden Fahrten mit falschem Kennzeichen, ohne Kfz-Haftpflichtversicherung und ohne Führerschein am 14. August 2017 und am 17. Dezember 2017 hat Mario B. jeweils eine Begründung. An jenem Tag im August habe er noch auf dem Gartengrundstück gelebt, das natürlich etwas abseits liegt. Und am 17. Dezember habe er in der Wohnung eines Freundes gelebt, der an jenem Tag viel Alkohol getrunken und ihn deshalb überredet habe, doch Sachen vom Stückle zu holen. „Er wollte ums Verrecken zu unserem Garten hoch.“ Für Richter Armin Blattner ist dies jedoch keine Entschuldigung. „Da darf man dann nicht schwach werden.“

Der Staatsanwalt forderte neun Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung, während der Verteidiger dafür warb, die Strafe noch mal zur Bewährung auszusetzen. Er bat, die kleinen Verbesserungen im Leben des Angeklagten stärker zu berücksichtigen. Gleichwohl war ihm bewusst, dass dies mit Blick auf den Verstoß gegen Bewährungsauflagen schwer ist. „Ich will das nicht schönreden.“

Amtsrichter Blattner verurteilte Mario B. schließlich zu acht Monaten Freiheitsstrafe, inklusive drei Jahre Führerscheinsperre. Er machte ihm auch klar, dass er wegen der offenen Bewährungen mit bis zu drei Jahren Gefängnisstrafe rechnen muss. „Irgendwann ist wirklich mal das Maß voll.“


Der Paragraf

Wer ein Kraftfahrzeug, für das ein amtliches Kennzeichen nicht ausgegeben oder zugelassen worden ist, mit einem Zeichen versieht, das den Anschein amtlicher Kennzeichnung erweckt, macht sich strafbar. Juristen sprechen dann vom Kennzeichenmissbrauch (Paragraf 22, Straßenverkehrsgesetz). Es droht hier eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.