Waiblingen

Friedensschule Neustadt: So läuft der Unterricht für die Schüler aus der Ukraine

Ukrainische Schüler
Zwei Stunden Deutschunterricht gibt es für die geflüchteten ukrainischen Kinder an der Friedensschule Neustadt von Montag bis Freitag. Zu sehen sind auf dem Foto Schüler ab der fünften Klassenstufe. © ZVW/Alexandra Palmizi

Seit knapp drei Wochen schon besuchen Kinder aus der Ukraine die Friedensschule Neustadt. Zwei Unterrichtsstunden in der Woche werden sie von einer ukrainischstämmigen Hochschuldozentin in Deutsch unterrichtet, den Rest der Zeit verbringen sie in ihrer jeweiligen Schulklasse im Rahmen des regulären Unterrichts. Letzteres, sagt Rektorin Gabriele Gollnick beim Besuch vor Ort, sei für die Kinder sehr wichtig. „Die Kinder möchten einfach in die Klasse – sie wollen keine Sonderstellung haben.“

Ein Schüler im Alter von 17 Jahren wechselte aufs Salier-Gymnasium

Es sind sieben Grundschüler und neun Schüler, welche an der Friedensschule die Klassenstufen ab der fünften Klasse besuchen. In der zwölften Kalenderwoche waren es noch neun Kinder. Ob nächste Woche neue Schüler dazukommen, kann Gabriele Gollnick nicht sagen. Ein Schüler im Alter von 17 Jahren ist schon wieder weg, er geht nun laut der Rektorin aufs Waiblinger Salier-Gymnasium. Der Junge stand in der Ukraine kurz vor dem Abitur. Sein Ziel sei aber erst mal nicht die allgemeine Hochschulreife, sagt Gabriele Gollnick. „Er möchte Deutsch lernen.“

Ein ukrainischer Grundschüler ist sehbehindert

Niemand weiß, wie lange Putins Angriffskrieg noch dauern wird. Egal ob die Kinder irgendwann wieder in die Ukraine zurückgehen werden oder ob sie bleiben: Gabriele Gollnick findet es wichtig, dass sie dabei unterstützt werden, schnell Deutsch zu lernen. „Hier geht’s um Integration.“ Die Fortschritte der Kinder in der deutschen Sprache sind unterschiedlich, betont die ukrainische Hochschuldozentin, die selbst vor dem Krieg floh. „Es gibt Kinder, die sind ganz gut, andere Kinder haben Probleme.“ Ein ukrainischer Junge im Grundschulalter ist sehbehindert und muss zugleich Deutsch lernen. „Das ist eine ganz besondere Herausforderung“, sagt Gabriele Gollnick. Im Moment überlegen sie noch, an welcher Schule der Junge dauerhaft am besten aufgehoben wäre.

Zwei ukrainische Kinder an der Friedensschule kamen ohne Eltern nach Deutschland

Die 16 ukrainischen Kinder von der Friedensschule sind derzeit alle in privaten Wohnungen untergekommen. Sie leben in Neustadt, Hohenacker und Bittenfeld. Zwei, erzählt Gabriele Gollnick, seien ohne Vater und Mutter gekommen. „Die Eltern sind Ärzte in der Ukraine.“ Untergebracht seien diese Kinder bei einer Familie. Ansonsten sind alle anderen ukrainischen Schüler mit mindestens einem Elternteil nach Deutschland geflohen. Bei einem Kind, berichtet die Rektorin, sei der Vater gestorben.

Kleidung wird für die 16 ukrainischen Kinder an der Friedensschule nicht gebraucht. Ganz wichtig sind laut Gabriele Gollnick aber der gegenseitige Austausch der ukrainischen Eltern untereinander und Tipps zum Umgang mit Ämtern und Formularen. Die Schulsozialarbeit veranstaltete etwa einen Infonachmittag, der genau dafür da war. Beim Übersetzen halfen eine Mitarbeiterin des Freizeitbereichs der Friedensschule und eine Lehrerin, die Russisch sprechen. In der Ukraine beherrschen nämlich viele Menschen neben Ukrainisch auch Russisch. Sprich: Russisch-Kenntnisse sind bei der Kommunikation tatsächlich viel hilfreicher als Englisch.

Gemeinsam draußen ein Peace-Zeichen gebildet

Auch gibt es an der Friedensschule einige Schüler, die Russisch können. Gabriele Gollnick hat deshalb versucht, möglichst viele ukrainische Kinder in jenen Klassen unterzubringen, in denen auch russischsprachige Schüler sitzen. Diese unterstützen nun beim Übersetzen. „Sie versuchen zu helfen.“ Erst kürzlich haben sehr viele der aktuell 548 Schüler der Friedensschule gemeinsam draußen ein Peace-Zeichen gebildet, passend zum Namen der Schule. An zwei der drei Fahnenmasten vor der Schule wurden nun auch zwei Fahnen gehisst, auf denen eine Friedenstaube zu sehen ist. Zudem gibt es eine Pfandflaschen-Aktion, bei der das Pfandgeld den Menschen aus der Ukraine zugutekommt.

Deutschlandweit gibt es immer noch geflüchtete Kinder aus der Ukraine, die Online-Unterricht aus ihrer alten Heimat erhalten. Die 16 ukrainischen Schüler an der Friedensschule Neustadt nehmen an diesem Fernunterricht aber nicht teil, wie Gabriele Gollnick auf Nachfrage klarstellt. Um bei der Gestaltung des Unterrichts und der Suche nach geeigneten Lernmaterialien für die geflüchteten Kinder nicht auf sich allein gestellt zu sein, tauscht sich die Rektorin der Friedensschule mit anderen Waiblinger Schulleitern aus. Laut Gabriele Gollnick haben zum Beispiel auch die Staufer-Gemeinschaftsschule und die Staufer-Realschule ukrainische Schüler. Der neue Erste Bürgermeister Ian Schölzel habe zudem jüngst an einer Sitzung der Rektoren teilgenommen, was Gabriele Gollnick sehr freut – schließlich sei es wichtig, hier eng mit der Stadt als Schulträger zusammenzuarbeiten. Und vom Regierungspräsidium gebe es ebenfalls Unterstützung.

Ein großer Teil der ukrainischen Schüler nutzt das Ganztagsangebot der Friedensschule

Die ukrainischen Kinder an der Friedensschule haben längst von der Schule Tablets für den Unterricht erhalten. Eine große Hilfe ist das Programm „Google Translate“, mit dem Sätze oder Wörter kostenlos von Ukrainisch in Deutsch oder umgekehrt übersetzt werden können. Ein großer Teil der ukrainischen Schüler nutzt auch das Ganztagsangebot der Friedensschule und isst in der Mensa mit. So endet der Unterricht oft erst um 15.30 Uhr.

Ob die Schule hilft, von dem Grauen des Krieges in der alten Heimat abzulenken? Gabriele Gollnick kann diese Frage nicht wirklich beantworten. Sie will schließlich nicht nachbohren bei den Schülern – und möchte ihnen einfach einen normalen Unterrichtsalltag ermöglichen. An den Krieg werden die Kinder sowieso täglich erinnert – da will sie das Thema nicht von selbst anschneiden.

Rektorin Gabriele Gollnick: „Wir versuchen einfach, das Bestmögliche umzusetzen“

Es seien einfach ganz schwere Zeiten, sagt Gabriele Gollnick. Sie erlebt die ukrainischen Schüler in dieser Lage als sehr wissbegierig. „Die wollen schnell Deutsch lernen.“ Die Rektorin möchte deshalb mit ihren Lehrerinnen und Lehrern alles tun, um den Kindern eine gute Schulzeit zu schenken. „Wir versuchen einfach, das Bestmögliche umzusetzen.“

Seit knapp drei Wochen schon besuchen Kinder aus der Ukraine die Friedensschule Neustadt. Zwei Unterrichtsstunden in der Woche werden sie von einer ukrainischstämmigen Hochschuldozentin in Deutsch unterrichtet, den Rest der Zeit verbringen sie in ihrer jeweiligen Schulklasse im Rahmen des regulären Unterrichts. Letzteres, sagt Rektorin Gabriele Gollnick beim Besuch vor Ort, sei für die Kinder sehr wichtig. „Die Kinder möchten einfach in die Klasse – sie wollen keine Sonderstellung

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