Waiblingen

Frisches Essen aus dem Automaten

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Ingrid Schmelzer am „Regiomaten“ vor ihrer Gärtnerei am Ortsrand von Hohenacker. © Palmizi / ZVW

Waiblingen-Hohenacker. Bis vor einigen Monaten waren die Gurken und Tomaten der Gärtnerei Schmelzer noch der Witterung ausgesetzt. Im klassischen Selbstbedienungsstand lagerte das Gemüse am Straßenrand. Nun ist Professionalität eingekehrt: Obst und Gemüse stecken in einem „Regiomaten“, einem gekühlten Automaten, der von morgens bis abends verfügbar ist, auch sonntags.

An der Kasse jedenfalls lag’s nicht, dass sie sich einen „Regiomaten“ zugelegt hätten, wie Paul Behrens (54) beteuert, der die Gärtnerei am nördlichen Ortsrand von Hohenacker mit seiner Frau Ingrid Schmelzer (54) betreibt. Die Kunden, die sich am alten Stand bedienten, hätten immer pflichtbewusst ins Kässle eingezahlt, berichtet er. Nur einmal habe der Betrag nicht gestimmt – da sei aber tags darauf eine Frau mit dem fehlenden Geld und einer Schachtel Pralinen bei der Gärtnerei aufgetaucht. Nein, den Automaten haben sich die Hohenackermer vor allem deshalb gekauft, damit ihre Ware frisch bleibt. Die rechte Seite ist auf 15 Grad Celsius reguliert, in der linken herrschen fünf Grad Celsius.

Wer sonntags noch Eier für den Kuchen braucht, ist hier richtig

Denn gerade im Sommer, wenn die Temperaturen stiegen, setzte das dem Obst und Gemüse im Verkaufsstand zu. Außerdem musste der Stand auch bei widrigeren Bedingungen wetterfest sein, immer wieder auf- und abgebaut werden. Für den Automaten hat das Ehepaar Schmelzer nun einen Raum ausgebaut, der zur Bittenfelder Straße hin offen ist. Um 21 Uhr schließt das Tor. Verfügbar ist der Automat von 7 Uhr an, manchmal schon früher, auch am Wochenende. Viele Kunden kommen sonntags, berichten Schmelzer und Paul Behrens: Wenn für den Kuchen noch Eier und Milch fehlen und die Einkaufsläden geschlossen sind, ist die Gärtnerei vor Hohenacker die richtige Adresse für Spaziergänger, Motorradfahrer oder Urlaubsheimkehrer.

Saisonales Obst und Gemüse

Das Angebot setzt sich je nach Jahreszeit aus saisonalem Obst und Gemüse zusammen. Aus dem eigenen Anbau stammen Gurken und Tomaten. Demnächst wird der Automat wieder mit Ackersalat aus der Gärtnerei bestückt. „Unser eigenes Gemüse hat Bio-Qualität“, sagt Ingrid Schmelzer, „allerdings nicht zertifiziert.“

Eine Ausnahme für die Aprikosen aus Frankreich

Was das Ehepaar nicht selbst anbaut, kaufen Sie auf dem Stuttgarter Großmarkt oder direkt bei Metzgern und Bauern in der Region. Wenn der Kopfsalat ausgeht, fährt Paul Behrens zu einem Bauern nach Remseck, Erdbeeren und vieles weitere mehr stammen aus Waiblingen, Trauben aus Heilbronn, Eier aus Gerlingen. Den weitesten Weg in den „Regiomaten“ hatten im Sommer Aprikosen aus Frankreich, für die das Ehepaar eine Ausnahme machte. Die Blumen, das Kerngeschäft der Gärtnerei Schmelzer, werden übrigens weiterhin im Hofladen verkauft. Momentan ist Erntezeit unter anderem bei den Freilandrosen und Dahlien.

Bisher wurde der Automat gut angenommen

Von ihren Kunden werde der Regiomat gut angenommen, berichtet Ingrid Schmelzer. Er ist einfach zu bedienen: Geld einwerfen (Kartenzahlung ist nicht möglich), die entsprechende Nummer für das gewünschte Produkt eintippen, beobachten, wie ein Aufzug die Ware hinterm Glas nach unten befördert und in die gepolsterte Ablage rutschen lässt, Klappe öffnen und Ware entnehmen; ein Druck aufs Knöpfchen bringt das Rückgeld. Und wenn mal was nicht funktioniert: Ingrid Schmelzer und ihr Mann sind meistens direkt ums Eck in der Gärtnerei und helfen gerne.


Direktvermarktung ohne Zwischenhandel

Deutschlandweit sind laut Hersteller rund 800 der Automaten im Einsatz. Das Prinzip: Direktvermarktung ohne Zwischenhandel – und somit frischere Produkte. Viele Betriebe sparen zudem Personalkosten ein.

Metzger, Bäcker, Hofladen – die Firma wirbt damit, maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Auch mit der Gärtnerei Schmelzer wurde abgestimmt, wie die Ware frisch bleibt. Dass wie in Hohenacker Gemüse angeboten wird, kommt nicht so häufig vor.